Libyen Rebellen sollen Benzintanker vor Malta gekapert haben

Ein Tanker mit 300.000 Litern Benzin an Bord ist in den Hafen der libyschen Rebellenhochburg Bengasi eingelaufen, überwacht von der Nato. Angeblich haben Aufständische das Gaddafi gehörende Schiff vor Malta gekapert. Hatten sie Hilfe von europäischen Soldaten?


Valletta - Ein Tanker ist am Donnerstag in den Hafen der Rebellenhochburg Bengasi im Osten Libyens eingelaufen. An Bord befinden sich rund 300.000 Liter Benzin. Das bestätigte ein Nato-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es ist eine dringend benötigte Lieferung für die Aufständischen im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Doch es gibt Hinweise, dass die Lieferung eigentlich für das Gaddafi-Regime in der Hauptstadt Tripolis bestimmt war. Libysche Rebellen sollen den Benzintanker vor Malta gekapert und ihn dann nach Bengasi gebracht haben - überwacht durch die Nato. Das berichten das Fachblatt "Petroleum Economist" und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend.

Demnach gehört die "Cartagena" zur Flotte des Nationalen Maritimen Transportunternehmens. Das libysche Staatsunternehmen soll unter der Kontrolle von Gaddafis Sohn Hannibal stehen, dessen Name auf der Uno-Sanktionsliste steht. Die "Cartagena" soll das Benzin von einer Schweizer Firma in der Türkei gekauft und dann Kurs auf Tripolis genommen haben - allerdings mit einem Trick: Als Zielort sei Tripolis, Libanon, angegeben worden, berichtet die maltesische Tageszeitung "Times of Malta".

Doch dann nahm das Schiff bereits Anfang Mai Kurs auf Sawija, den größten von Gaddafi kontrollierten Hafen nahe dem libyschen Tripolis. Der Tanker sei allerdings von der Nato gestoppt worden, da vermutet wurde, das Benzin würde für militärische Zwecke verwendet werden. Reuters zufolge soll der Kapitän auch mit den Rebellen sympathisiert haben. Die "Cartagena" habe daraufhin vor Malta gelegen, während die libysche Regierung laut "Times of Malta" versucht habe, an die Ladung zu gelangen.

Hat die Nato den Rebellen Schützenhilfe geleistet?

Unter mysteriösen Umständen kam das Schiff jetzt nach Bengasi. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit der Situation vertrauten Person erfuhr, wurde die "Cartagena" am frühen Mittwochmorgen von einem Schlepper aus geentert. Eine Gruppe libyscher Rebellen soll das Schiff gegen halb zwei Uhr in ihre Gewalt gebracht haben, berichtet die "Times of Malta".

Laut "Petroleum Economist" sollen auch Soldaten einer europäischen Regierung an der Übernahme des Schiffs beteiligt gewesen sein. Die Nato wollte eine Kaperung durch Rebellen und Beteiligung von Nato-Soldaten weder bestätigen noch dementieren. "Wir kennen die Berichte. Mehr kann ich derzeit nicht sagen", so ein Nato-Mitarbeiter in Neapel.

Ein Sprecher der Allianz sagte lediglich, der Tanker sei wegen des Waffenembargos vorübergehend gestoppt und nach einer Überprüfung zur Weiterfahrt nach Bengasi freigegeben worden. "Es gab keinen Grund für uns, den Tanker an der Weiterfahrt zu hindern", hieß es. Die Allianz habe den Kurs des Tankschiffs verfolgt.

Dem "Petroleum Economist" zufolge habe der Nationale Übergangsrat der Rebellen in Bengasi nichts von der Aktion gewusst. Die Aufständischen hatten bereits im März einen Benzintanker der libyschen Regierung unter ihre Kontrolle gebracht.

Der internationale Militäreinsatz in Libyen unter Führung der Nato soll laut Uno-Resolution dem Schutz von Zivilisten dienen. In dem nordafrikanischen Land liefern sich die Rebellen seit Monaten erbitterte Kämpfe mit Gaddafi-Truppen. Militärisch herrscht zurzeit eine Patt-Situation. Eine einseitige Parteinahme seitens der Nato wäre völkerrechtlich nicht durch die Uno-Resolution gedeckt.

lgr/Reuters

insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Sapientia 04.08.2011
1. Ich würde noch 300 Millionen Milliliter schreiben,
Zitat von sysopEin Tanker mit 300.000 Litern Benzin an Bord ist in den Hafen der libyschen Rebellenhochburg Bengasi eingelaufen, überwacht von der Nato. Doch was passierte zuvor? Angeblich haben Aufständische das Gaddafi gehörende Schiff vor Malta gekapert. Hatten sie europäische Hilfe? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778403,00.html
das hört sich noch drastischer an. Was da im Raum steht, sind gerade mal schnöde 300 cbm, also ca. 225 mt, das nur mal als verträumter Hinweis. Dies entspricht - wenn Sie mal aus dem Fenster schauen wollen, ungefähr dem, was eine Hafenbarkasse als Treibstoffvolumen aufnehmen kann. So what? Im übrigen wissen Sie offenkundigselbst kaum, was sich wann wo und warum wie zutrug - wozu also diese breaking news?
sysiphus, 04.08.2011
2. Piraten
So weit ist es also schon gekommen. Diese cyreneikischen Rebellen betreiben im Mittelmeer Piraterie und die NATO leistet dabei noch Schützenhilfe. Ein Meer weiter vor der somalischen Küste allerdings ist die NATO dann aber plötzlich nicht mehr Räuber, sondern Gendarm. Aber wer zum Schutz der libyschen Zivilisten über 1100 libysche Zivilisten mit seinen Bomben tötet und 5-6000 zivilisten verletzt, der hat wohl auch keine Probleme damit, den HiWi für cyreneikische Piraten zu machen. Am Besten hat mir dieser Satz gefallen: "Der Tanker sei allerdings von der Nato gestoppt worden, da vermutet wurde, das Benzin würde für militärische Zwecke verwendet werden." Wenn man diesen Ansatz konsequent verfolgt, dann darf auch kein Mehl und kein Trinkwasser mehr nach Libyen, da die Regierungstruppen ja auch davon essen und trinken könnten. Außerdem müssen Gadaffis Soldaten atmen - vielleicht sollte die NATO die Luft über Libyen absaugen? Selbstverständlich nur zum Schutz der Zivilbevölkerung...
Emmi 04.08.2011
3. NATO=Piraten!?
"Eine einseitige Parteinahme seitens der Nato wäre völkerrechtlich nicht durch die Uno-Resolution gedeckt." Das ist ja wohl ein Witz. Die NATO kämpft seit Monaten an der Seite der Rebellen gegen Gaddafi, wenn auch nicht an Land (?). Jetzt haben sie offenbar Beihilfe zur Piraterie geleistet. Nur weiter so...
ewspapst 04.08.2011
4. Gangster
Zitat von sysopEin Tanker mit 300.000 Litern Benzin an Bord ist in den Hafen der libyschen Rebellenhochburg Bengasi eingelaufen, überwacht von der Nato. Doch was passierte zuvor? Angeblich haben Aufständische das Gaddafi gehörende Schiff vor Malta gekapert. Hatten sie europäische Hilfe? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778403,00.html
Wenn wir es bis jetzt noch nicht gewusst haben. zu den "westlichen Werten", die den anderen Staaten vermittelt werden sollen, gehört natürlich auch Piraterie. Natürlich wird man uns aus medialer Sicht erläutern, dass das ganz natürlich vom Sicherheitsrat "abgesegnet" war und ist und wir werden das auch nach den täglichen Lügen auch glauben, denn wir sind ja der "Westen". Mein Gott, wo sind wir mit unserem Recht gelandet?
rohfleischesser 04.08.2011
5. .
Zitat von Sapientiadas hört sich noch drastischer an. Was da im Raum steht, sind gerade mal schnöde 300 cbm, also ca. 225 mt, das nur mal als verträumter Hinweis. Dies entspricht - wenn Sie mal aus dem Fenster schauen wollen, ungefähr dem, was eine Hafenbarkasse als Treibstoffvolumen aufnehmen kann. So what? Im übrigen wissen Sie offenkundigselbst kaum, was sich wann wo und warum wie zutrug - wozu also diese breaking news?
Auch ich habe mich über die offenkundig seltsame Menge gewundert. Jedes mittelgroße Containerschiff hat mehr als 300.000 Liter Sprit an Bord, verbraucht ja schon eine fünfstellige Anzahl Liter pro Stunde bei voller Fahrt. Das ist entweder ein "Mini-Tanker" für irgendwelche Privatbedarfszwecke oder aber die Meldung ist mies recherchiert.
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