Machtkampf in Libyen Rebellen stoßen Richtung Tripolis vor

Der Kampf um die Vormachtstellung im Bürgerkriegsland Libyen verschärft sich. Ostlibysche Rebellen sind offenbar nur noch 100 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Regierungskräfte halten sich in Bereitschaft.

Tripolis (Archivbild)
DPA

Tripolis (Archivbild)


In Libyen droht eine erneute militärische Eskalation. Rebellen der Libyschen Nationalen Armee (LNA) rückten in die 100 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Stadt Gharyan ein. "Wir haben Gharyan komplett unter Kontrolle", sagte der LNA-Kommandeur Abdelsalam al-Hassi der Nachrichtenagentur Reuters. Anwohner bestätigten die Angaben.

Die Regierung in Tripolis kündigte an, ihre Streitkräfte in Bereitschaft zu versetzen. Die LNA hatte zuletzt auch Gebiete im Süden des Landes eingenommen. Experten zweifeln, dass ihre Kräfte für einen Großangriff reichen.

Der Bürgerkrieg im ölreichen Wüstenstaat tobt seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011. Der international anerkannte Ministerpräsident Fajes al-Serradsch regiert von Tripolis aus, während Milizenchef Chalifa Haftar mit seiner LNA den Osten des Landes und inzwischen Teile des Südens kontrolliert. Er wird von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt und als Bollwerk gegen Islamisten gesehen. Die beiden Männer hatten sich im vergangenen Monat in Abu Dhabi zu Verhandlungen getroffen.

Nun hat General Haftar seinen Truppen den Befehl zum Vormarsch auf die Hauptstadt Tripolis gegeben. "Heute vollenden wir (...) unseren siegreichen Marsch, den Marsch des Kampfes", sagte Haftar in einer Audiobotschaft mit dem Titel "Operation zur Befreiung von Tripolis". "Heute kommen wir den Rufen unserer Angehörigen in unserer teuren Hauptstadt nach, wie wir es ihnen versprochen haben." In Tripolis sitzt die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch, die mit Haftar um die Macht in Libyen konkurriert.

Die Kämpfe sind ein Rückschlag für Uno-Generalsekretär Antonio Guterres, der am Mittwoch in Tripolis angekommen war, um Friedensverhandlungen voranzutreiben. Eigentlich soll Ende des Jahres ein neuer Versuch für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gestartet werden. Vor der Einnahme von Gharyan hatte Guterres auf Twitter geschrieben, es könne keine militärische Lösung des Konflikts geben.

asc/dpa/Reuters



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