Angst vor Milizen Libyens Premier Thinni tritt zurück

Nur fünf Tage nach seiner Ernennung zum neuen Regierungschef hat Libyens Premier Thinni seinen Rücktritt eingereicht. Er begründet die Entscheidung mit einem Angriff auf seine Familie.

Abdullah al-Thinni: "Ich will nicht, dass Blut vergossen wird"
DPA

Abdullah al-Thinni: "Ich will nicht, dass Blut vergossen wird"


Tripolis - Die Macht der Milizen zwingt einen weiteren Regierungschef in Libyen in die Knie: Übergangspremier Abdullah al-Thinni hat seinen Rücktritt erklärt.

Der Ministerpräsident sagte, eine Gruppe von Bewaffneten habe in der Nacht zum Sonntag vor seinem Haus mehrere Schüsse abgegeben. Er und seine Familie seien Opfer eines "verräterischen bewaffneten Angriffs" geworden. "Ich will nicht, dass wegen dieses Postens ein Tropfen libyschen Blutes vergossen wird", erklärte Thinni in seinem Rücktrittsschreiben an das Parlament.

Streit um die Ölexporte

Die Abgeordneten hatten den 60-Jährigen erst am Dienstag mit der Regierungsbildung beauftragt. Sein Vorgänger Ali Seidan war vor einem Monat vom Parlament gestürzt worden. Der Zentralregierung war es nicht gelungen, die Macht der Milizen zu brechen, die immer wieder wichtige Ölterminals besetzen. Anfang März war es einer Rebellengruppe gar gelungen, an der Regierung vorbei Öl über einen nordkoreanischen Tanker zu exportieren. Dieser Vorfall besiegelte das politische Schicksal Seidans.

Erdöl ist die wichtigste Einnahmequelle des nordafrikanischen Staates. Der Streit um die Rohstoffe lähmt die politische Entwicklung des Landes seit dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi, der Libyen bis zu seiner Absetzung im Herbst 2011 mit eiserner Faust regierte.

syd/dpa/AFP



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t dog 13.04.2014
1. Mit den Milizen
würden die USA auch Ölhandel treiben, diese haben aber alle Gaddafiverträge für Nichtig erklärt. Somit haben sie die großen ÖlUnternehmen des Westens enteignet. Wieso müssen die alten Verträge eines Diktators weiterhin Gültigkeit haben? Wie passt das mit dem ewigen Gerede von Demokratie und Freiheit zusammen?
reuanmuc 13.04.2014
2.
Zitat von sysopDPANur fünf Tage nach seiner Ernennung zum neuen Regierungschef hat Libyens Premier Thinni seinen Rücktritt eingereicht. Er begründet die Entscheidung mit einem Angriff auf seine Familie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-regierungschef-thinni-erklaert-ruecktritt-a-964186.html
Ein vorzeitiger Rücktritt ist allemal besser als ein gewaltsames Festhalten an der Macht wie Gaddafi, Assad, Janukowitsch, Maduro und wie sie alles heißen, die ihre Völker dafür in den Bürgerkrieg getrieben haben. In einer Situation des gesellschaftlichen Umbruchs sind Regierungswechsel nicht ungewöhnlich. Es dauert eine Weile, bis sich stabile Machtkonstellationen gebildet haben, bis die unterschiedlichen Interessengruppen sich etabliert haben, ohne weitere Gewalt anzuwenden. Die auseinander strebenden Interessen müssen zu Kompromissen finden. Das ist mit der langen kulturellen Entwicklung in Europa nicht zu vergleichen. Europa hat für die Liberalisierung und Demokratisierung im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege gebraucht, das sollte man nicht vergessen!
hankc 13.04.2014
3. Bewaffnen von Milizen
geht schnell, Entwaffnen ist danach so gut wie unmöglich. Ich kann mir in Libyen nicht vorstellen, wie es weitergehen soll. Auf demokratische Zustände kann sowieso niemand hoffen.
könig dickbauch 13.04.2014
4. Äpfel mit Birnen...
..." Ein vorzeitiger Rücktritt ist allemal besser als ein gewaltsames Festhalten an der Macht wie Gaddafi, Assad, Janukowitsch, Maduro und wie sie alle heißen..." Maduro, demokratisch gewählter und Präsident von Venezuela also auf derselben Stufe wie Assad oder Gaddafi...
aweriano 14.04.2014
5.
Gaddafi hat mit eiserner Faust regiert, Diktator wird er genannt... Ahnungslosen Europäer und Amis haben ihn umgebracht um an Rohstoffe zu kommen.In manchen Regionen der Welt kann man nicht so leben wie in Deutschland oder USA aber um sowas zu verstehen sind Obama und Merkel einfach zu dumm.ja es mag unangebracht zu sein aber es ist so.und jetzige Situation im Libyen wurde längst vorhergesagt aber in anderen Medien und anderen Ländern die hier nicht geliebt sind und als feindlich bezeichned werden. viel Spaß mit weiterer "Demokratieverbreitung " und macht euer Nase noch tiefer in die Ukraine vielleicht kriegt ihr irgendwann genug... Herzlichst
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