Nordafrika Schrecksekunde bei Überraschungsbesuch von Maas in Libyen

Zur Vorbereitung einer Libyenkonferenz in Berlin ist Außenminister Maas überraschend in das nordafrikanische Bürgerkriegsland gereist. Ein angeblich feindliches Flugzeug sorgte für Aufregung.

Heiko Maas bei einem Treffen mit seinem libyschen Amtskollegen Mohammed Tahar Siala in Suara
Mahmud Turkia/ AFP

Heiko Maas bei einem Treffen mit seinem libyschen Amtskollegen Mohammed Tahar Siala in Suara


Auf seiner Nordafrikareise hat Bundesaußenminister Heiko Maas bei einem nicht angekündigten Besuch in Libyen eine Schrecksekunde erlebt: Kurz vor seiner Abreise wurde am Flughafen der Küstenstadt Suara ein Interview mit Journalisten von den mitgereisten Sicherheitskräften abrupt abgebrochen.

Der Grund: Es war ein Flugzeug gesichtet worden, das zunächst den Rebellen um den mächtigen General Chalifa Haftar zugeordnet wurde. Maas und seine gesamte Delegation mussten für einige Minuten in die gepanzerten Fahrzeuge zurück. Der Alarm stellte sich dann aber als falsch heraus: Es sei nur ein Gerücht von Milizen gewesen, hieß es.

Bei dem nicht angekündigten Besuch in Libyen hatte Maas für ein Ende ausländischer Einmischungen in dem Krisenland plädiert. Das sei eines der Ziele einer Konferenz zu Libyen, die in einigen Wochen in Berlin stattfinden soll.

Maas am Montag zu Gast in Tunesien

Deswegen traf der Minister auch Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch, der die international anerkannte Regierung führt. Sie kontrolliert aber nur einen kleinen Teil des Landes. Weite Gebiete werden von Haftar beherrscht, der mit seiner Rebellenarmee ganz Libyen erobern will.

Die "ausländischen Einflüsse" seien ein "fundamentales Problem" der libyschen Krise, sagte Maas. Er äußerte sich bei einer Pressekonferenz zusammen mit seinem libyschen Kollegen Mohammed Tahar Siala und dem Uno-Sondergesandten für Libyen, Ghassan Salamé.

Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. In Libyen liefern sich regierungstreue Truppen und Einheiten des abtrünnigen Generals Haftar erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft.

Nach Uno-Angaben wurden bisher mehr als tausend Menschen getötet und rund 120.000 Menschen vertrieben. Einer Reihe von Ländern wird vorgeworfen, in Libyen einen Stellvertreterkrieg zu führen. Während den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Saudi-Arabien vorgeworfen wird, Haftar zu unterstützen, sollen die Türkei und Katar auf der Seite der Einheitsregierung stehen.

Am Montag wird Maas in Tunesien erwartet. Dort wird es neben den Beziehungen zwischen den beiden Ländern auch um die Krisenbewältigung in der Region gehen - vor allem im Nachbarland Libyen. In Ägypten ist unter anderem ein Gespräch mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi geplant.

cht/dpa/AFP



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