Chaos in Libyen Abtrünniger General lässt Parlament stürmen

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Anhänger des abtrünnigen Generals Haftar haben das Parlamentsgebäude in Tripolis gestürmt, es gab Tote. In Bengasi wurden Raketen auf den Flughafen abgefeuert.
Chaos in Libyen: Abtrünniger General lässt Parlament stürmen

Chaos in Libyen: Abtrünniger General lässt Parlament stürmen

Foto: AP/dpa

Tripolis/Bengasi - Bei Gefechten in Libyen sind nach Angaben der Regierung zwei Menschen getötet und mehr als 55 verletzt worden. In der Hauptstadt Tripolis griffen schwer bewaffnete Männer am Sonntag das Parlament an und nahmen zehn Geiseln.

Nach Angaben von Augenzeugen fuhren die nicht uniformierten Angreifer mit mehreren Fahrzeugen vor. Die Abgeordneten wurden in Sicherheit gebracht. Über dem Gebäude stieg Rauch auf. In mehreren Teilen der Hauptstadt war bis spät in die Nacht Gewehrfeuer zu hören.

Ein Oberst, der nach eigenen Angaben im Namen der Armee des Landes sprach, verkündete eine "Suspendierung" des Parlaments. Der Offizier mit Namen Mochtar Fernana verlas am Sonntag eine Erklärung. "Wir, Mitglieder der Armee und Revolutionäre, verkünden die Suspendierung des Allgemeinen Nationalkongresses", sagte er.

Ex-General Chalifa Haftar will islamistische Milizen vertreiben

Wie Zeugen berichteten, handelte es bei den Angreifern um Mitglieder der Sintan-Brigaden des abtrünnigen libyschen Generals Chalifa Haftar. Die Brigaden, die sich selbst als libysche Nationalarmee bezeichnen, hatten sich am bewaffneten Aufstand gegen den langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi beteiligt, der 2011 mit Unterstützung der Nato gestürzt wurde.

Haftar war einst Heereschef von Gaddafi, hatte sich aber bereits in den Achtzigerjahren von ihm losgesagt. Nach Gaddafis Sturz 2011 sollte er helfen, neue libysche Streitkräfte aufzubauen. Wenig später wurde ihm die Aufgabe aber entzogen.

Sein Ziel ist es, die islamistischen Milizen und deren Unterstützer aus Libyen vertreiben. Haftar hatte im Frühjahr vergeblich versucht, die damalige Regierung zu stürzen. Seine Kämpfer kontrollieren derzeit Gebiete um den Flughafen von Tripolis. Dorthin zogen sie sich am späten Sonntagabend nach ihrer Attacke auf das Parlament zurück.

Raketenattacke auf den Flughafen von Bengasi

Haftar hatte am Freitag eine eigenmächtige Militäroperation gegen radikalislamische Brigaden im ostlibyschen Bengasi gestartet. Es kam zu heftigen Kämpfen zwischen Anhängern Haftars, die von Flugzeugen unterstützt wurden, und radikalen Islamisten. Dabei wurden 79 Menschen getötet und mehr als 140 weitere verletzt.

Am frühen Montagmorgen gab es in Bengasi neue Auseinandersetzungen. Unbekannte feuerten Raketen auf den Flughafen der Stadt, hieß es in Armeekreisen.

Der Regierung ist es nach dem Bürgerkrieg und dem Sturz Gaddafis vor drei Jahren nicht gelungen, sich überall im Land Autorität zu verschaffen. Viele ehemalige Rebellengruppen verweigern ihre Entwaffnung.

Bengasi galt zu Beginn des Aufstands gegen Gaddafi als Wiege der Revolution. Aus den damaligen Revolutionsbrigaden sind schwer bewaffnete Milizen geworden, die nicht bereit sind, ihre Macht wieder abzugeben.

heb/AFP/Reuters/dpa
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