Libyen Übergangsrat will Gaddafis Chemiewaffen loswerden 

Tonnenweise giftiges Senfgas bunkerte der getötete Machthaber Gaddafi - der libysche Übergangsrat will die chemischen Kampfstoffe aus dem Land bringen und bittet um Hilfe. Die Revolutionäre müssen jetzt alleine für die Sicherheit im Land sorgen - der Nato-Einsatz ist offiziell beendet.

Dschibril, Chef des Übergangsrats: "Land, das sich an internationale Abkommen hält"
DPA

Dschibril, Chef des Übergangsrats: "Land, das sich an internationale Abkommen hält"


Tripolis/Kairo - Die libysche Übergangsregierung hat Chemiewaffen des getöteten Diktators Muammar al-Gaddafi gefunden - und will diese so schnell wie möglich loswerden. Seine Regierung habe der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Den Haag mitgeteilt, dass an zwei Orten in Libyen Chemiewaffen gefunden worden seien, sagte der Vorsitzende der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, in Tripolis. Auch die USA seien informiert worden, "weil sie die Technologie besitzen, um mit diesen Stoffen umzugehen". Dschibril erklärte weiter: "Die Tatsache, dass wir die Organisation in Den Haag informiert haben, ist ein Beweis dafür, dass das neue Libyen ein Land ist, das sich an internationale Abkommen hält."

Die libysche Zeitung "Kuraina al-Dschadida" hatte in der vergangenen Woche unter Berufung auf einen Oberst der Armee gemeldet, in dem Gebiet al-Wagha südlich der Stadt Dschufra lagere bis heute eine Tonne Senfgas. Gaddafi hätte das giftige Gas in seinem Krieg gegen die Revolutionstruppen aber nicht einsetzen können, da ihm dafür die technischen Möglichkeiten gefehlt hätten, sagte der Oberst der Zeitung. Um die Isolation Libyens zu beenden, hatte Gaddafi 2003 die Vernichtung aller von ihm gehorteten Massenvernichtungswaffen versprochen. Experten hatten jedoch vermutet, dass er auch danach noch mehrere Tonnen Senfgas besaß.

Nato beendet Einsatz

Die Übergangsregierung muss nun selbständig für die Sicherheit im Land sorgen. Die Nato hat nach genau sieben Monaten am Montag ihren Militäreinsatz offiziell beendet. Seit Ende März hatten Kampfflugzeuge von zwölf Nato-Staaten und vier anderen Ländern rund 9600 Einsätze gegen militärische Einrichtungen des Gaddafi-Regimes geflogen. Kriegsschiffe kontrollierten mehr als 3100 Schiffe vor der libyschen Mittelmeerküste, um Waffeneinfuhren zu verhindern. Die Uno-Resolution hatte der Nato "alle nötigen Maßnahmen" zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Übergriffen der Sicherheitskräfte Gaddafis erlaubt.

Am vergangenen Donnerstag hatte der Uno-Sicherheitsrat beschlossen, das Mandat für die sogenannte Flugverbotszone am 31. Oktober auslaufen zu lassen. Gaddafi wurde von Rebellen gestürzt und am 20. Oktober bei Sirte unter noch nicht völlig geklärten Umständen getötet.

Der Nationale Übergangsrat Libyens hatte die Nato vergeblich um eine Verlängerung des Einsatzes gebeten. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte den Einsatz als "einen der erfolgreichsten in der Geschichte der Nato" bezeichnet. Die Allianz sei auch in Zukunft zur Hilfe bereit, "falls das benötigt und erbeten wird".

Zuletzt hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch den libyschen Rebellen vorgeworfen, ehemalige Gaddafi-Anhänger zu terrorisieren. Es hatte auch Berichte über Massaker an Getreuen des Ex-Diktators gegeben.

anr/dpa/dapd

insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
stevie76 31.10.2011
1. ..
bah, ein positiver artikel über den übergangarat, das geht ja gar nicht! alles propaganda, die böse nato will nur die chemiewaffen haben um syrien damit angreifen zu können. stimmts, werte mitforisten?
deus-Lo-vult 31.10.2011
2. ...
Zitat von sysopTonnenweise giftiges Senfgas*bunkerte*der getötete Machthaber Gaddafi - der libysche Übergangsrat will die*chemischen Kampfstoffe*jetzt aus dem Land bringen und bittet um Hilfe. Die*Revolutionäre müssen jetzt alleine für die Sicherheit* im Land sorgen -*der Nato-Einsatz ist offiziell beendet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794941,00.html
Irgendein ein Abnehmer wird sich schon finden! ;) Nord-Korea, Syrien, Pakistan, etc. werden die WMD sicher sehr gerne nehmen.
Monark™ 31.10.2011
3. Ach, was!
Zitat von stevie76bah, ein positiver artikel über den übergangarat, das geht ja gar nicht! alles propaganda, die böse nato will nur die chemiewaffen haben um syrien damit angreifen zu können. stimmts, werte mitforisten?
Es handelt sich um Waffen, die einst von den USA geliefert wurden, als Gaddafi noch ihr enger Verbündeter war. Deshalb müssen die jetzt verschwinden. CIA-Agenten haben sie in Den Haag gemeldet, um die Vorgänge zu vertuschen. Das liegt doch auf der Hand! ("How to Construct a Conspiracy Theory", Kapitel 3)
jan50 31.10.2011
4. Woher wissen Sie das ?
Zitat von Monark™Es handelt sich um Waffen, die einst von den USA geliefert wurden, als Gaddafi noch ihr enger Verbündeter war. Deshalb müssen die jetzt verschwinden. CIA-Agenten haben sie in Den Haag gemeldet, um die Vorgänge zu vertuschen. Das liegt doch auf der Hand! ("How to Construct a Conspiracy Theory", Kapitel 3)
------------- Woher wissen Sie das ? Enger Verbündeter der USA..., na ja da will ich heute nicht mehr lachen. Wenn Sie genauer hinschauen finden Sie vielleicht als Herkunftsland einen Exportweltmeister.
zompel 31.10.2011
5. Die Show geht weiter
Echt Senfgas ? Nicht vieleicht Seife ? Ich frage micht echt warum diese volksverachtenden Schlächter ihre Kampfgasdepots nie benutzen. Im Stern war ein Bild des Gaddafikonvois, man konnte nur Zivilfahrzeuge sehen. Warum wurden diese dann von Nato und Rebellen angegriffen ? Beit Rot über die Kreuzung ? Wieso wird die Zivilbevölkerung nicht von der Nato vor nachgewiesener Rebellenübergriffe geschützt ?
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