Vorübergehende Maßnahme USA ziehen Soldaten aus Libyen ab

Libyen versinkt im Chaos: Warlord Haftar rückt auf Tripolis vor, die Regierungstruppen starten angeblich einen Gegenangriff - und die USA ziehen Soldaten aus dem Land vorübergehend ab.

Kämpfer in der Nähe von Tripolis
STRINGER/EPA-EFE/REX

Kämpfer in der Nähe von Tripolis


In Libyen droht ein neuer Bürgerkrieg: Die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch kämpft seit langem mit einer zweiten Regierung in Ostlibyen um die Macht, die mit dem Warlord Chalifa Haftar verbunden ist. Dieser hatte seinen Truppen am Donnerstag den Befehl zum Vormarsch auf Tripolis gegeben. Das US-Militär zieht wegen der Eskalation nun Soldaten aus dem Krisenland ab.

Das Afrikakommando der US-Streitkräfte teilte am Sonntag mit, ein Kontingent von Soldaten sei aufgrund der Unruhen vorübergehend aus dem Land abgezogen worden.

Die Sicherheitsbedingungen vor Ort seien zunehmend unvorhersehbar, erklärte Kommandeur Thomas Waldhauser. Man beobachte die Lage weiter. Um wie viele Soldaten es sich handelt und wohin sie verlegt wurden, erklärte er nicht.

Gegenoffensive der Regierungstruppen

Warlord Haftar will die Hauptstadt einnehmen und das ölreiche Land unter seiner Führung bringen. Als Reaktion auf den Vormarsch der Kämpfer haben die Truppen der nationalen Einheitsregierung nach eigenen Angaben am Sonntagnachmittag eine Gegenoffensive gestartet.

  • Mit der Offensive sollten "alle Städte" von "unrechtmäßigen Kämpfern befreit" werden, teilte ein Sprecher der Regierungstruppen mit.
  • Haftars Truppen wiederum teilten mit, sie hätten in Vororten von Tripolis Luftangriffe gegen "bewaffnete Milizen" geflogen. Damit hätte das Leben von Zivilisten beschützt werden sollen, erklärte die Medienabteilung der Anhänger des Generals.

Zuvor hatte Fajis al-Sarradsch, der Chef der Einheitsregierung, General Haftar vor einem "Krieg ohne Gewinner" gewarnt. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen Chaos. Die Einheitsregierung ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Immer wieder gibt es internationale Vermittlungsversuche.

Uno und G7 warnen vor Eskalation

So bekräftigte die Uno am Samstag, die geplante Allparteienkonferenz werde wie geplant Mitte April stattfinden. Zu ihr werden in der Stadt Ghadames mehr als hundert Delegierte erwartet, die Termine für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen festlegen sollen.

Neben den Vereinten Nationen rief auch die Gruppe der sieben führenden Industrienationen beide Seiten zur Mäßigung auf. Die Außenminister der G7-Staaten forderten am Wochenende bei einem Treffen im französischen Dinard, die Konfliktparteien sollten "alle Aktivitäten und alle Truppenbewegungen auf Tripolis" umgehend beenden. Es gebe keine militärische Lösung in dem Konflikt, betonten die Minister. Durch die neue Gewalt würden lediglich Zivilisten gefährdet.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron traf sich am Samstag mit Uno-Generalsekretär Antonio Guterres und betonte dabei noch einmal seine Unterstützung für das Uno-Engagement. Frankreich ist in der Region gut vernetzt und sieht sich als möglicher Vermittler. Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor eine mögliche Vermittlerrolle seines Landes angedeutet - der Kreml gilt jedoch als Unterstützter von General Haftar.

dop/dpa/AFP



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