Libyen Verbündete sollen Rebellen-Kommandeur erschossen haben

Das Tatmotiv soll Rache sein: Der libysche Rebellen-General Abd al-Fattah Junis wurde laut einem Vertrauten von Islamisten erschossen. Diese kämpften zwar an der Seite des Widerstands - hätten Gaddafis ehemaligem Innenminister aber schon immer misstraut.

AFP

Bengasi - Der libysche Rebellen-General Abd al-Fattah Junis ist offenbar von Islamisten aus den eigenen Reihen erschossen worden. Das teilte die Führung der Gaddafi-Gegner an diesem Samstag mit. Angehörige einer islamistischen Miliz hätten den früheren Innenminister von Machthaber Muammar al-Gaddafi auf dem Weg von der Front zu einer Befragung in Bengasi getötet. Der Anführer des Kommandos sei festgenommen worden und geständig, nach den Todesschützen werde gefahndet.

Der Tod des Generals bedeutet für Gaddafis Gegner einen schweren Rückschlag und dürfte auch die Vorbehalte bei ihren westlichen Verbündeten nähren, die Libyen seit Monaten bombardieren.

Der "Generalstabschef der Revolution", so nannte sich Junis selbst, war wohl einer der schillerndsten und rätselhaftesten Charaktere innerhalb der Führungsriege der Rebellen. Sechs Tage nach dem Beginn des Kampfes gegen den Despoten Muammar al-Gaddafi war der 67-Jährige übergelaufen - damals war er noch oberster Befehlshaber über die libyschen Spezialkräfte.

Als Tatmotiv für die Tötung Junis' wird Rache vermutet. Ein Kommandeur der Rebellen sagte, als Innenminister Gaddafis habe Junis Islamisten verfolgt, die dafür nun Vergeltung geübt hätten. "Einige dieser Islamisten kämpfen nun mit den Rebellen, aber sie haben sich immer geweigert, unter Junis' Kommando zu kämpfen, weil sie ihm misstraut haben", sagte der Kommandeur, der unerkannt bleiben wollte.

Der Tod von Junis schwächt die Rebellen

Rebellenführer Mustafa Abd al-Dschalil könne die Extremisten nicht direkt beschuldigen, weil er sie fürchte. Die Ermittlungen der Todesumstände würden zu nichts führen.

Junis war an dem Putsch beteiligt, der Gaddafi 1969 an die Macht brachte. Er diente dem Revolutionsführer mehr als 40 Jahre. Junis trat im Februar als Innenminister zurück und lief zu den Rebellen über. Wegen seiner langjährigen Bindungen zu Gaddafi misstrauten ihm Teile der Opposition. Nach Angaben des Rebellenchefs Dschalil wurde Junis von der Front in der Nähe des Ölhafens Brega zurückbeordert, um vor einem Justizkomitee der Rebellen zu erscheinen.

Der Verlust ihres Militärchefs schwächt die Rebellen. Junis war eine der wichtigsten Führungsfiguren der chaotischen Truppe - 40 unterschiedliche Milizen -, die letztlich noch immer ein zusammengewürfelter und schlecht ausgerüsteter Haufen von jungen Straßenkämpfern ist, geeint in ihrem Kampf gegen Gaddafi.

Die Nato setzte ihre Luftangriffe in der Nacht zum Samstag und bombardierte in der Nacht drei TV-Stationen. Sie seien unbrauchbar gemacht worden, um Gaddafi daran zu hindern, mit Hilfe des Fernsehens Zivilisten zu terrorisieren, sagte ein Nato-Sprecher. Das libysche Staatsfernsehen war nach dem Angriff allerdings weiter auf Sendung.

cte/Reuters



insgesamt 177 Beiträge
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Seite 1
autocritica, 30.07.2011
1. "Terrorsendungen zum Schweigen gebracht"
Zitat von sysopDas Tatmotiv soll Rache sein: Der libysche Rebellen-General Abd al-Fattah Junis wurde*laut einem Vertrauten*von Islamisten erschossen. Diese kämpften zwar an der Seite des Widerstands - hätten*Gaddafis ehemaligem Innenminister aber schon immer misstraut. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777506,00.html
Die Tagesschau zitiert die Nato wie folgt: Damit seien die "Terrorsendungen" des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi "zum Schweigen gebracht", heißt es in einer Mitteilung des Militärbündnisses. http://www.tagesschau.de/ausland/libyen1200.html Die Art der Artikulation sagt alles Notwendige über die Nato aus.
der_mündige_bürger 30.07.2011
2. Das muß man sich mal vorstellen ...
Zitat: "Die Nato setzte ihre Luftangriffe in der Nacht zum Samstag und bombardierte in der Nacht drei TV-Stationen. Sie seien unbrauchbar gemacht worden, um Gaddafi daran zu hindern, mit Hilfe des Fernsehens Zivilisten zu terrorisieren, sagte ein Nato-Sprecher." Die Unverblümtheit, mit der die Nato hier die Hosen herunterläßt, ist wirklich stupend. Und das umso mehr, da längst deutlich wurde, daß die Nato nichts in der Hose hat, geschweige denn im Kopf ... Wie erklärte doch jüngst ein Propagandawichtel in der ARD: "Wir können immer noch auf einen Zufallstrefer hoffen" Hoffen wir lieber, daß nicht nur das libysche Staatsfernsehen auf Sendung bleibt, sondern auch Qaddafi durchhält. Herzliche Grüße
MoonofA 30.07.2011
3. ...
Das libysche Fernsehen "terrorisiert Menschen"? Na ja, kann man hier auch des öfteren vom Programm sagen. Die Ausrede "Isalmisten" die jetzt von den Rebellen kommt halte ich für einen Vorwand. Der grosse Konkurrent von Junis ist ein ehemaliger Colonel der die letzten 20 Jahre 5 Minuten vom CIA Hauptquartier gewohnt hat. Die Amis wollen ihre Leute an die Macht bringen. Wer im Weg steht muss weggeräumt werden.
regierungs4tel 30.07.2011
4. Es ist an der Zeit ...
Est ist an der Zeit, die Geschichte des libyschen Widerstandes neu zu schreiben: Im Kern handelt es sich um von der Regierung abgefallene Teile der Armee, die auf Tripolis das Feuer eröffnet hatten. Das Recht eines Regimes, sich gegen bewaffnete Aufständische zur Wehr zu setzen, wurde vom Sicherheitsrat nur deswegen übersehen, weil man Ghadafi gerne irgendwanneinmal losgeworden wäre. Westerwelles Einlassung, Ghadafi habe "seinem eigenen Volk den Krieg erklärt", war schon deswegen irreführend, weil Ghadafis Truppen das Feuer der Aufständischen - wenn auch unter Inkaufnahme von zivilen Verlusten - lediglich erwidert hatten. Dass nach der Genfer Konvention aber mil. Maßnahmen gegen Aufständische auch dann zulässig sind, wenn sie Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern (siehe das Tankwagen-Desaster bei Kundus), wusste auch Westerwelle. Wieso hat er dann das Gegenteil öffentlich insinuiert? Und ist sein Wissen um die wahre Lage in Libyen am Ende miteintscheidend gewesen, dass Deutschland sich bei der Verabschiedung der Libyen-Resolution 1973 der Stimme enthalten hat?
martin-gott@gmx.de 30.07.2011
5. Verbündete
die ´Nato sollte sich ernsthaft überlegen mit wem sie in Libyen verbündet ist. Das erinnert an Afghanistan erst die Islamisten als Feinde meines Feindes hochrüsten, und sich denn wundern das die Afghanistan in ein islamisch fundamentalistisches Land verwandeln und Al Kaida Zuflucht gewähren. Den Bürgern Westlibyens kann man wohl nur wünschen nicht von den Rebellen erobert zu werden denn sie hätten niemanden der sie schützt.
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