Flüchtlinge Bericht über Misshandlungen in libyschem Gefängnis

Die libysche Regierung lässt Flüchtlinge in einem Gefängnis hungern. Das berichtet die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Trotzdem kooperiert die EU in der Migrationsabwehr mit dem Bürgerkriegsland.

Gefängnisanlage in Libyen (Symbolbild)
REUTERS

Gefängnisanlage in Libyen (Symbolbild)

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Sie sind zu Dutzenden in Zellen eingesperrt, wie Tiere. Sie hungern. Die Lebensbedingungen für Migranten in libyschen Haftanstalten verschlimmern sich immer weiter. Das geht aus einem Bericht der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hervor, der dem SPIEGEL vorliegt.

Laut MSF ist in dem Gefängnis Sabaa in der Hauptstadt Tripolis fast ein Viertel der 300 Häftlinge unterernährt - darunter viele Kinder. Die Migranten bekommen demnach oft nur noch jeden dritten oder sogar nur jeden vierten Tag etwas zu essen. 31 Menschen müssen sich einen Raum teilen, der weniger als fünf mal fünf Meter misst. Die Häftlinge sind dazu gezwungen, in Plastikflaschen zu urinieren.

Die libysche Regierung hält in Sabaa Migranten gefangen, die die libysche Küstenwache - in enger Abstimmung mit der EU - auf dem Mittelmeer auffängt. "Was wir in dieser einen Haftanstalt erleben, ist symptomatisch für ein unkontrolliertes, ruchloses System, das das Leben von Flüchtlingen gefährdet", sagt MSF-Notfallkoordinatorin Karline Kleijer.

Laut Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) halten sich derzeit etwa 670.000 Migranten in Libyen auf. Nach Willen der EU sollen libysche Grenzschützer, ähnlich wie die Türkei, Schutzsuchende an der Weiterflucht nach Europa hindern - egal mit welchen Mitteln.

Auch die Uno erhebt schwere Vorwürfe

Die deutsche Botschaft in Niger hat bereits 2017 in einem Bericht an das Bundeskanzleramt zusammengefasst, was mit Flüchtlingen geschieht, die vom Mittelmeer nach Libyen zurückgeschickt werden: Schlepper würden Migranten häufig in "Privatgefängnissen" gefangen halten, berichteten die Diplomaten: "Exekutionen nicht zahlungsfähiger Migranten, Folter, Vergewaltigungen, Erpressungen sowie Aussetzungen in der Wüste sind dort an der Tagesordnung. Augenzeugen sprachen von exakt fünf Erschießungen wöchentlich in einem Gefängnis - mit Ankündigung und jeweils freitags, um Raum für Neuankömmlinge zu schaffen."

Die Vereinten Nationen prangern in einem Bericht Misshandlungen, Folter und mutmaßliche Hinrichtungen in den Knästen an. Hunderte Leichen würden auf Straßen, in Krankenhäusern und auf Müllhalden gefunden, oft mit Folterspuren oder Schusswunden. Der Fernsehsender CNN berichtete von Sklavenmärkten in Libyen, auf denen Migranten verkauft werden. Trotzdem hat die EU die Zusammenarbeit mit Tripolis ausgebaut.



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