Libyen Dutzende Tote nach heftigen Gefechten in Bengasi

In der Hafenstadt Bengasi sind bei Angriffen der selbst ernannten "Nationalen Armee" auf Stützpunkte islamistischer Milizen mindestens Dutzende Menschen getötet und über 100 verletzt worden.

Bengasi: Bewachter Stützpunkt islamistischer Milizen
REUTERS

Bengasi: Bewachter Stützpunkt islamistischer Milizen


Bengasi - Angehörige der libyschen Armee haben in der östlichen Hafenstadt Bengasi zwei Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. Bei den Kämpfen kamen nach offiziellen Angaben mindestens 43 Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt.

Der Befehl für die Militäroperation wurde allerdings nicht vom Generalstab in Tripolis gegeben, sondern von Khalifa Haftar, dem Anführer der selbst ernannten "Nationalen Armee", einem ehemaligen Generalmajor der libyschen Armee. Seiner Truppe haben sich nach einem Bericht des Nachrichtenportals "al-Wasat" Offiziere der Luftwaffe und Angehörige einer in Bengasi stationierten Spezialeinheit angeschlossen. Haftar hatte im Frühjahr erfolglos versucht, die Regierung zu stürzen.

Kommandeure der Armee in den östlichen Städten Tobruk und al-Beidha lobten die eigenmächtige Aktion Haftars, wollten aber keine Truppen nach Bengasi schicken. Auch Teile der Bevölkerung im Osten Libyens reagierten positiv auf die Operation.

Der scheidende Chef der libyschen Übergangsregierung, Abdullah al-Thinni, kritisierte die Offensive in Bengasi. Er sagte in einer Fernsehansprache: "Wir betrachten die Operation als Verstoß gegen die Legitimität." Generalstabschef Abdel Salam al-Obeidi forderte die Luftabwehrtruppen in Bengasi auf, keine Angehörige anderer Einheiten und keine bewaffneten Zivilisten auf ihren Stützpunkten zu dulden. Haftar hingegen ließ im Hinblick auf seinen Kampf gegen islamistische Extremisten durch seinen Sprecher verlauten: "Wir werden nicht aufhören, bis wir Libyen von ihnen befreit haben."

Der Osten Libyens hat sich seit dem Sturz des Regimes von Muammar al-Gaddafi 2011 zu einem weitgehend rechtsfreien Raum entwickelt. In der Stadt Derna versuchen radikale Islamisten, einen "Scharia-Staat" zu etablieren. In Bengasi fielen Dutzende Sicherheitskräfte Attentaten zum Opfer.

ele/Reuters/AP



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