Illegale Einwanderer Libysche Miliz soll Flüchtlingsboot unter Feuer genommen haben

Überlebende des Bootsunglücks, bei dem am Samstag im Mittelmeer mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sind, sollen beschossen worden sein. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen die Schüsse womöglich von libyschen Milizionären.

Flüchtlinge verlassen am Sonntag ein Schiff auf Sizilien
DPA

Flüchtlinge verlassen am Sonntag ein Schiff auf Sizilien


Lampedusa - Nach dem erneuten Schiffsunglück, bei dem am Samstag 36 Menschen zwischen Malta und der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gestorben sind, werden Vorwürfe von den Überlebenden laut. Wie mehrere Flüchtlinge berichten, soll ihr Boot kurz nach der Abfahrt beschossen worden sein.

Das Schlauchboot sei getroffen worden und allmählich voll Wasser gelaufen. Ein Militärschiff sei ihnen zuvor stundenlang gefolgt und habe den Kapitän zur Rückkehr aufgefordert. Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden die Schüsse möglicherweise von libyschen Milizionären abgefeuert. Der libysche Regierungschef Ali Seidan erklärte, er könne die Berichte nicht bestätigen. Eine Untersuchung laufe.

Seidan forderte indes ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale Einwanderer. "Wir sind fest entschlossen, uns mit diesem Problem auseinander zu setzen", sagte Seidan nach einem Treffen mit Maltas Regierungschef Joseph Muscat in Tripolis.

Er habe die EU bereits um Unterstützung gebeten, fügte Seidan hinzu. Neben Ausrüstung und Schulungen wäre auch ein Zugang zu europäischer Satellitentechnik eine "große Hilfe", um die libyschen See- und Landgrenzen besser überwachen zu können.

Am Sonntag sind zudem offenbar erneut Flüchtlingsboote in Seenot geraten. Italienischen Medien zufolge wurden 386 Menschen von italienischen und maltesischen Küstenwacheschiffen nach Pozzallo auf Sizilien gebracht. Rund hundert weitere Flüchtlinge wurden nach Valletta auf Malta gebracht.

Am 3. Oktober waren bei einer Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa mehr als 360 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen. Nur 155 der geschätzt rund 550 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Seit dem Unglück wird in der EU verstärkt über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert.

Auch Italien will die Überwachung im Mittelmeer verstärken. Die Einsatzkräfte von Marine und Luftwaffe in der Straße von Sizilien würden verdreifacht, kündigte Ministerpräsident Enrico Letta an. "Wir sind keine Supermacht - aber wir kontrollieren nicht nur unsere Grenze, sondern die Grenzen von ganz Europa", sagte Muscat.

kha/AFP/dpa

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e40 13.10.2013
1. So so, Zugang zu Satellitentechnik
und vermutlich viel Geld. Dabei brauchten sie doch eigentlich nur die Flüchtlinge zurückzunehmen. Das würde die Versuche unterbinden, die europäische Betroffenheitsindustrie in Schwierigkeiten bringen und das Erstarken von Parteien wie dem französischen Front National verhindern. Sozusagen ein wirksamer Kampf gegen Rechts und Fremdenfeindlichkeit.
topodoro 13.10.2013
2. Aber...
Zitat von sysopDPAÜberlebende des Bootsunglücks, bei dem am Samstag im Mittelmeer mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sind, sollen beschossen worden sein. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen die Schüsse womöglich von libyschen Milizionären. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libysche-miliz-soll-fluechtlingsboot-unter-feuer-genommen-haben-a-927630.html
Aber die libyschen Milizionäre, die Rebellen, die islamistischen Aktivisten sind doch die Guten, oder ? Die Helden des McCain, Frau Clintons Lieblinge. Die hat unsere liebe und gute Nato doch an die Macht gebombt. Die können nichts Böses tun. Der NATO General Sekretär, Anders Fogh Rasmussen, kann dafür sicher bürgen. Das mit den Schüssen, das muss der böse und schlimme Gaddafi gewesen sein.
weathergod 13.10.2013
3.
Zitat von sysopDPAÜberlebende des Bootsunglücks, bei dem am Samstag im Mittelmeer mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sind, sollen beschossen worden sein. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen die Schüsse womöglich von libyschen Milizionären. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libysche-miliz-soll-fluechtlingsboot-unter-feuer-genommen-haben-a-927630.html
Dafuer werden sie von der EU bezahlt.
MaxSeelhofer 13.10.2013
4. Ich verstehe das alles nicht mehr
Ich verstehe das alles nicht mehr: mutmasslich kriminelle Schlepperbanden transportieren auf mutmasslich untauglichen Booten angeblich politisch Verfolgte (mutmasslich Migranten, die illegal in EU-Länder einreisen zu beabsichtigen), und diese werden von der mutmasslich kriminellen Libysche Miliz unter Feuer genommen. – Was haben die auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie basierenden und die Menschenrechte achtenden Staaten der EU (und andere, wie z.B. die Schweiz) damit zu tun? – Warum versucht die Gutmenschen/Betroffenheits-Industrie, uns täglich ein schlechtes Gewissen einzureden. – Was getan werden muss: eine schonungslose Analyse (fern jeder "Political Correctness"), die aufzeigt, wer die Verantwortlichen sind, die solche Katastrophen (inkl. "Lampedusa eins" und "Lampedusa zwei") anrichten.
rotertraktor 13.10.2013
5. Willkommen im zivilisierten Westen!
Zitat von sysopDPAÜberlebende des Bootsunglücks, bei dem am Samstag im Mittelmeer mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sind, sollen beschossen worden sein. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen die Schüsse womöglich von libyschen Milizionären. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libysche-miliz-soll-fluechtlingsboot-unter-feuer-genommen-haben-a-927630.html
Versucht man da von offizieller Seite, die eigenen Schandtaten zu kaschieren und die Schuld einigen durchgeknallten Milizionären in die Schuhe zu schieben? Nach Angaben der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration soll es keine Miliz, sondern ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache gewesen sein, das auf die Flüchtlinge geschossen hat: Das gleiche berichtet die Malteser Zeitung Malta Today, die auch konstatiert, dass die meisten der Flüchtlinge aus Syrien stammen: Es ist schon eine besondere Tragik, wenn gerade die Menschen, die aus Syrien flüchten, um dem dort von den USA mit Waffenlieferungen angefeuerten Bürgerkrieg zu entkommen, dann von den EU-Grenzwächtern und deren vertraglichen Helfershelfern erschossen werden. Willkommen im zivilisierten Westen!
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