Zugriff in Mauretanien Gaddafis Ex-Geheimdienstchef Senussi gefasst

Ende einer Flucht: Abdullah al-Senussi, der ehemalige Geheimdienstchef Gaddafis, ist in Mauretanien festgenommen worden. Senussi wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Ob und wohin er ausgeliefert wird, ist unklar.
Zugriff in Mauretanien: Gaddafis Ex-Geheimdienstchef Senussi gefasst

Zugriff in Mauretanien: Gaddafis Ex-Geheimdienstchef Senussi gefasst

Foto: Sabri Elmhhedwi/ dpa

Berlin/Tripolis - Die mauretanischen Behörden haben den vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gesuchten ehemaligen libyschen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi festgenommen. Senussi sei am Freitagabend am Flughafen der Hauptstadt Nouakchott in Gewahrsam genommen worden, hieß es am Samstag. Er sei aus Marokko gekommen und habe einen gefälschten malischen Pass bei sich gehabt.

Ein Sprecher der libyschen Regierung bestätigte die Festnahme. Mit ihm sei ein junger Mann gefasst worden. "Wir glauben, es handelt sich um seinen Sohn", sagte der Sprecher. Libyen habe über Interpol einen Auslieferungsantrag an Mauretanien gestellt.

Senussi ist einer der prominentesten Vertreter des gestürzten Regimes von Muammar al-Gaddafi. Der 62-Jährige war maßgeblich daran beteiligt, den Volksaufstand im vergangenen Jahr zu bekämpfen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag beschuldigt Senussi und Gaddafis Sohn Seif al-Islam der Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Senussi wird verdächtigt, eine Schlüsselrolle bei der Ermordung von mehr als 1200 Insassen eines Gefängnisses in Tripolis im Jahr 1996 gespielt zu haben. Die Verhaftung eines Opfer-Rechtsanwalts hatte die libysche Revolution im Februar 2011 ins Rollen gebracht.

Gezerre um Auslieferung Senussis

Seif al-Islam al-Gaddafi wurde bereits im vergangenen November in der Wüste im Süden Libyens von Kämpfern gefangen genommen. Er hatte sich als Beduine verkleidet. Ungeachtet des vorliegenden IStGH-Haftbefehls wollen ihn die libyschen Behörden in der Heimat vor Gericht stellen - wie auch Senussi

Wo sich der Ex-Geheimdienstchef bis zu seiner Festnahme aufhielt, war unklar. Auch ist ungewiss, wie die mauretanischen Behörden mit dem Gefangenen verfahren werden. Mauretanien hat kein Auslieferungsabkommen mit dem Internationalen Strafgerichtshof.

Zudem pocht auch Frankreich auf die Auslieferung Senussis. Präsident Nicolas Sarkozy betonte in einer Erklärung, gegen den Libyer liege ein internationaler Haftbefehl vor. Er soll für einen Bombenanschlag auf ein französisches Verkehrsflugzeug im Jahr 1989 verantwortlich sein, damals starben 170 Menschen. Senussis war laut der Erklärung in Abwesenheit für die Tat verurteilt worden.

kuz/dapd/Reuters