"Lightning Freedom" US-Armee beginnt Winteroffensive

Mit einer landesweiten Militäroffensive in Afghanistan will die US-geführte Kriegskoalition den Druck auf die versprengten Taliban-Truppen und Qaida-Zellen entscheidend erhöhen. Mit der Winterkampagne soll außerdem der Weg für die in wenigen Monaten geplanten Parlamentswahlen geebnet werden.


Kabul/Islamabad - Die Winteroffensive trägt den Namen "Lightning Freedom" (blitzartige Freiheit) und begann bereits nach der Vereidigung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai am Dienstag. Das teilte ein Sprecher der US-Armee heute in der Hauptstadt Kabul mit. Hauptziel sei es, den Weg für die Wahl des afghanischen Parlaments zu ebnen, die im Frühjahr abgehalten werden soll. Zudem diene der landesweite Einsatz dazu, "die verbleibenden Überreste der Taliban-Kräfte aufzustöbern und zu vernichten", wie US-Militärsprecher Mark McCann in Kabul sagte.

McCann zufolge soll die Winteroffensive die Aufständischen auch davon überzeugen, dass es besser wäre, das Amnestieangebot der US-Streitkräfte und der afghanischen Regierung anzunehmen. Der US-Botschafter in Kabul, Zalmay Khalilzad, hatte in der vergangenen Woche erklärt, "nicht kriminelle" Taliban, die ihren Kampf gegen die amerikanischen Streitkräfte aufgäben, müssten keine Verfolgung befürchten. Die militärischen Aktionen würden durch humanitäre ergänzt, erklärte McCann. Auch sollten die afghanischen Sicherheitskräfte in ihrem Kampf gegen Drogenanbau und -handel unterstützt werden.

Terrorführer in Pakistan festgenommen

Derzeit kämpfen in Afghanistan rund 18.000 unter US-Kommando gegen die Taliban und Osama Bin Ladens Terrornetz al-Qaida. Trotz zahlreicher US-Offensiven sind die Taliban auch drei Jahre nach ihrem Sturz besonders im Süden und Osten des Landes aktiv. Es war ihnen allerdings nicht gelungen, die erste freie Präsidentenwahl Afghanistans am 9. Oktober zu verhindern. Bin Laden wird im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet.

Pakistan verbuchte derweil einen Erfolg im Kampf gegen die sich im Lande aufhaltenden Terroristen. Der Anführer der radikalislamischen Gruppe Jaish-e-Muslimeen (Armee der Muslime) wurde gefasst. Mohammad Akbar Agha sei bereits vor einer Woche gefangen genommen worden, sagte ein Regierungssprecher am Samstag in Islamabad. Die Festnahme sei zunächst geheim gehalten worden, um Komplizen nicht zu warnen. Ende Oktober hatte Aghas Organisation drei UN-Wahlhelfer in Afghanistan verschleppt.

Die drei Wahlhelfer - Annetta Flanigan aus Nordirland, die Kosovo- Albanerin Shqipe Hebibi und der philippinische Diplomat Angelito Nayan - waren am 28. Oktober mitten in Kabul entführt und nach knapp einem Monat Geiselhaft am 23. November freigelassen worden. Jaish-e- Muslimeen hatte zunächst die Freilassung aller Gefangenen auf dem US- Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba verlangt und zeitweise mit der Enthauptung der Geiseln gedroht. Später forderte die bis dahin unbekannte Gruppe die Freilassung von 26 inhaftierten Extremisten.

Marathonlauf in Afghanistan

Auch der Leiter der Taliban-Nachrichtenagentur Bakhtar wurde gefangen genommen. Abdul Hinan Hemat sei ebenfalls in den vergangenen Tagen festgenommen worden, sagte ein Taliban-Sprecher in einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AP. Er sei zusammen mit einer weiteren Person in der südwestpakistanischen Stadt Quetta aufgegriffen worden.

Auf dem Flugplatz eines US-Militärlagers in der Provinz Urusgan wurde heute unterdessen der erste Marathon in der Geschichte Afghanistans ausgetragen, wie das Afghanische Olympische Komitee bestätigte. Rund 200 Soldaten und Zivilbeschäftigte des im Gebirge gelegenen Stützpunkts nahmen an dem Lauf durch die dünne Höhenluft teil. Sieger Mike Baskin überquerte die Ziellinie nach etwas über drei Stunden und brach dann in Tränen aus. Er habe plötzlich an vier erst vor kurzem bei Anschlägen getötete Kameraden denken müssen, sagte der Soldat.



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