"Rassistische Person" Erdogan attackiert Literaturnobelpreisträger Handke

Der türkische Präsident Erdogan kritisiert die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke: Damit würden Verstöße gegen Menschenrechte geehrt.
Türkischer Präsident Erdogan: Kritik an Handke

Türkischer Präsident Erdogan: Kritik an Handke

Foto: Toby Melville/ REUTERS

Kurz vor der Auszeichnung von Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis attackiert Recep Tayyip Erdogan  den Schriftsteller. Der türkische Präsident bezeichnete Handke als "rassistische Person".

"Dass am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, der Literaturnobelpreis einer rassistischen Person gegeben wird, die den Genozid in Bosnien Herzegowina leugnet und Kriegsverbrecher verteidigt, hat keine andere Bedeutung, als Verstöße gegen Menschenrechte auszuzeichnen", sagte Erdogan. Dabei werfen Kritiker dem türkischen Staatschef selbst Menschenrechtsverletzungen vor, etwa dass unter seiner Führung Oppositionelle durch politische Prozesse zum Schweigen gebracht werden.

Schon am Wochenende hatte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin per Twitter gefordert, die "irrationale und unerhörte" Entscheidung, die Auszeichnung an Handke zu vergeben, zurückzunehmen. Er warf dem Nobelpreiskomitee außerdem vor, damit zu neuen Kriegsverbrechen zu ermutigen.

Peter Handke: Erdogan nennt ihn "rassistische Person"

Peter Handke: Erdogan nennt ihn "rassistische Person"

Foto: TT NEWS AGENCY/ via REUTERS

Die Wahl Handkes zum Preisträger hatte schon vor der Verleihung am Dienstag in Stockholm eine heftige Debatte ausgelöst . Grund dafür ist Handkes Haltung zum Jugoslawienkonflikt: Der Literat hatte sich in dem Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede.

Der Zerfall Jugoslawiens zu Beginn der Neunzigerjahre war mit einer Serie von äußerst blutigen Kriegen zwischen Serbien und anderen Nachfolgestaaten einhergegangen. Allein in Bosnien gab es 100.000 Tote und zwei Millionen Vertriebene. Auch wenn alle Seiten Kriegsverbrechen begingen, belegen Erkenntnisse der Zeitgeschichtsforschung sowie die Rechtsprechung des Internationalen Jugoslawien-Tribunals in Den Haag, dass die Kriege von Milosevic geplant und initiiert wurden und dass die meisten und schwersten Gräuel auf dessen Konto gingen.

als/dpa