Live-Blog aus den USA "Ich hoffe, bete und glaube"

Erste Probleme mit Wahlcomputern, höchste Alarmstufe in Chicago, streikende Zimmermädchen - und eine träumende Sarah Palin: Die Wahl zwischen Obama um McCain läuft. SPIEGEL-ONLINE-Reporter bloggen live aus den USA über den Tag der Entscheidung.


[21.07 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Langsam steigt die Spannung in Chicago. Bereits am frühen Nachmittag warten die Obama-Fans vor den Absperrungen des Grant Parks, in dem die abendliche Massen-Wahlparty stattfinden soll. Obwohl erst um 20.30 Uhr Einlass ist, hocken sie schon zu Hunderten geduldig auf den Bordsteinen vor der Clarence Buckingham Fountain, einem der weltgrößten Springbrunnen, dessen Wasserstrahl bis zu 50 Meter hochschießt. Viele tragen Obama-T-Shirts, kleine Flaggen, Hüte in den Landesfarben.

Jenseits der Barrikaden legen Handwerker letzte Hand an die Kulissen an, vor der Obama am Abend entweder den Sieg erklären oder die Niederlage eingestehen wird: eine Mammut-Bühne mit zwei Dutzend Sternenbannern, und ein Laufsteg, der zum Rednerpult hinausführt, das von dickem Panzerglas umrundet ist. Das Panzerglas ist ein Novum für eine Obama-Veranstaltung - und ein erster Hinweis auf die Attentatssorgen um den potentiellen ersten schwarzen Präsidenten der USA.

Gegenüber ist eine enorme Tribüne für die TV-Teams und Fotografen aus aller Welt aufgebaut, damit Obama bei seiner Rede direkt in die Kameras sprechen kann - an die Adresse der Nation und nicht an die der Chicagoer, die extra dafür hergekommen sind. Nur ein kleiner Teil der Zuschauer wird direkt vor der Bühne Platz finden, der Rest der bis zu 70.000 erwarteten Menschen im engeren Umkreis wird sich zur Rechten Obamas hinstrecken müssen, bis weit ans andere Ende des Parks, und so nur eine Profilsicht des Kandidaten aus der Ferne erhaschen können, wenn überhaupt.

Die Tausenden Journalisten stecken in einem abgeriegelten Korrall: Sie müssen sich entweder mit Stehplätzen zufrieden geben oder sitzen in einem Zelt und können das Spektakel dann aber nur per TV-Bildschirm verfolgen. Ein Zeltplatz kam die Redaktionen jedoch teuer zu stehen: Die Obama-Organisation knöpfte den Medien für einen Tischabschnitt, einen Stuhl, Strom- und Internet-Anschluss pro Kopf mindestens 935 Dollar ab.


[20.57 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Wer sich einen Überblick über Chicago verschaffen will, der fährt am besten über der Loop - die historische Hochbahn, die die Innenstadt auf rostigen Stelzen umrundet. Langsam rumpelt der Zug gegen den Uhrzeigersinn. Aus dem Fenster bietet sich das gespaltene Bild dieser historischen Stunde: Auf der einen Seite Patriotentaumel, signalisiert durch hunderte Sternenbanner überall, an den Brücken über den Chicago River, auf den weiten Plätzen, auf privaten Balkons. Auf der anderen Seite ganz normale Alltagsroutine - Angestellte, die an ihren Bürofenstern hocken wie jeden Tag, Autos im Stau, Passanten auf der "Miracle Mile", hemdsärmelige Lunchgäste in den Straßencafés (die Temperatur erreicht am Nachmittag 21 Grad). Normalerweise fahren die Bahnen hier bis ein Uhr nachts, nur heute nicht: "Verkehr bis vier Uhr früh", sagt eine Ansagerin in der Brown Line: "Notfalls auch länger."


[20.40 Uhr MEZ] Cordula Meyer, Phoenix :

John McCains Wahlkampfparty findet im historischen Biltmore-Hotel statt. Es ist eine große Anlage mit vielen Bungalows, Rasenflächen und Kakteen. Eine gepflegte Rückzugsstätte der Wohlhabenden. Hier hat McCain den Frank-Lloyd-Wright-Ballsaal gemietet, wo er schon seinen Erfolg am Super-Dienstag bei den Vorwahlen feierte. Der ist schon morgens zur Hälfte mit Kameras gefüllt. Es gibt eine Bühne, amerikanische Flaggen. Aber McCain wird seine Rede gar nicht hier halten, sondern im großzügigen Innenhof des Luxushotels. Dort werden große Soundanlagen aufgebaut und blaue Türme mit Stoff-Flaggen, die Stimmung ist halb Waldorf-Astoria, halb Rockkonzert.

Das Hotel ist eine Art Festung, Übertragungswagen füllen den größten Parkplatz aus, überall wachen Polizisten auf Motorrädern. Aber: Ein Bewohner hat über die Hauswand seines Bungalows ein Bettlaken mit der Aufschrift: "Obama" gehängt.


[20.35 Uhr MEZ] Cordula Meyer, Phoenix :

Walon Pierce arbeitet für den Parkservice des Sheraton-Hotels in Phoenix, wo viele Journalisten und Wahlkampfmitarbeiter abgestiegen sind. Jede Nacht, wenn nichts zu tun sei, habe er mit seinen Kollegen über die Wahl diskutiert, erzählt er. Es hört sich eher nach heftigem Streit als nach Diskussion an. Sogar Albträume habe er schon gehabt, sagt der junge Mann, der studiert, um Physiotherapeut zu werden. "Es bringt mich um, daran zu denken, dass Obama eine Chance hat", sagt er. Obama sei "Sozialist", er wolle den Wohlstand verteilen, "aber ich will nicht, dass der Wohlstand verteilt wird, vor allem nicht an Leute, die auf der Couch sitzen". Aber er lacht: "Ich glaube nicht, dass er gewinnen wird."


[20.10 Uhr MEZ] Cordula Meyer, Phoenix:

Kurz vor neun Uhr Ortszeit hat John McCain seine Stimme in der United Church in der Nähe seiner Wohnung in Phoenix abgegeben. Gestern sprach er vor dem historischen Gerichtsgebäude in Prescott Arizona, wo alle Präsidentschaftskandidaten aus Arizona - alle erfolglos - bislang ihren Wahlkampf beendet haben. Heute jettet McCain noch nach New Mexico und Colorado. "God bless you, we love you" brüllten Unterstützer vor der schmucklosen Kirche. Wer mit den McCains in der Schlange bleiben wollte, muss vom Secret Service seine Tasche untersuchen lassen.

Im Wahllokal mussten dann McCain und seine Frau ihre Führerscheine herausholen. Eine Wahlhelferin verglich sie mit ihrer Liste registrierter Wähler. Dann stimmen die beiden ab und schoben hinterher die fast DIN-A2-großen Wahlzettel in eine blaue Zählmaschine. Das war's. Ein kurzes Winken in die Menge, dann verschwanden die beiden im Fonds eines Geländewagens.

Die Unternehmerin Katrina Lazare, 46, hielt ein selbstgemaltes Schild hoch. "Use your brain, vote McCain". Sie hoffte, Wähler in letzter Minute umstimmen zu können. Schließlich gehe es um so viel, sagte sie: Sie wolle nicht, dass ihre Steuern erhöht werden und in die Außenpolitik Obamas hat sie erst Recht kein Vertrauen.

"Das war wie im Zoo", kommentierte Wahlhelfer Michael Calderon McCains Auftritt. Calderon überprüft bei den potentiellen Wählern in der Warteschlange, ob sie auch ihren Führerschein dabei haben. Ohne Identitätspapiere keine Stimmabgabe. Gleich daneben sitzt Mike Valder, 68, auf einem Klappstuhl unter einem Sonnendach. Er kommt von einer Organisation, die verhindern will, dass vor allem weniger gebildete und afroamerikanische Wähler verschreckt werden, und dann doch lieber nicht wählen. Valder und seine Frau haben alles im Blick. Er hat eine Liste dabei, was bei der Wahl alles noch als Identitätsausweis durchgeht. Eine Gasrechnung und ein Kontoauszug mit Adresse, oder eine Stromrechnung und die Versicherungskarte des Autos. "Es ist so unfair" klagt er: "Wenn man Briefwahl nutzt, muss man sich überhaupt nicht ausweisen. Aber hier muss man sich nach einem neuen Gesetz ausweisen. Das soll die Stimmen von Minderheiten unterdrücken." Damit das nicht passiert, stehen überall im Land Leute wie Mike. CNN und Bürgerrechtsorganisationen haben kostenfreie Nummern plakatiert, um Probleme bei der Wahl zu melden. In die am stärksten umkämpften Staaten haben beide Wahlkampfteams Herden von Rechtsanwälten rekrutiert, die mögliche Manipulationen verhindern sollen.


[20.03 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Die enorme Wahlbeteiligung schockt selbst Profis. Das Wahllokal im Wahlbezirk 4 des 43rd Ward im Stadtteil Lincoln Park hat bis zur Mittagszeit bereits 75 Prozent aller 670 hier Wahlberechtigten "erledigt". Vor acht Jahren betrug die gesamte Wahlbeteiligung hier kaum 60 Prozent. "Ich mache das seit 16 Jahren", sagt Wahlhelferin Karen Stephenson. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Stephenson ist um 4.15 Uhr aufgestanden, um das Lokal in der Lobby des Oak Tree Developmental Centers - einer Sonderschule - pünktlich zu eröffnen. Da standen schon über 100 Schlange.

"Das wird ein historischer Andrang", glaubt Stephenson. "Wir haben noch sechs Stunden vor uns, und die Rush Hour nach der Arbeit." Stephenson ist eine von fünf freiwilligen "Richtern", die die Stimmabgabe hier beaufsichtigt - drei Demokraten, zwei Republikaner, gemäß der Anteile der Partei-Registrierungen im Bezirk. Im Moment sitzen sie aber alle einig zusammen an einem langen Tisch gegenüber der sieben Wahlmaschinen, vor sich ihre Lunchpakete: Schinken-Sandwiches und Kartoffelchips.


[19.48 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

So fieberhaft ist der Endspurt, dass den beiden Präsidentschaftskandidaten kaum Zeit für ihre Wahltags-Routinen bleibt. Im Vorwahl-Duell mit Hillary Clinton spielte Barack Obama aus Aberglauben an jedem Abstimmungstag Basketball, einmal verletzte er sich dabei sogar. Doch jetzt steht er in Indiana, einem der traditionell konservativen US-Bundesstaaten, die er erobern will. Er sagt Reportern: "Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht glauben würde, dass wir auch hier gewinnen können."

McCain guckt am Wahltag gerne Filme - doch jetzt hetzt er bis zum Schluss durch besonders umkämpfte Bundesstaaten wie Colorado, New Mexico, Arizona. Ganz verzichten muss er auf seine Routine aber nicht: "Time" berichtet gerade, dass in seinem Flugzeug alles für eine Filmvorführung vorbereitet worden sei. Was gezeigt wird: noch unklar.


[19.23 Uhr MEZ] Washington:

Als die ersten Wähler im kleinen Ort Shaker Heights in Ohio ihre Wahlzettel erhielten, kamen sie aus dem Staunen nicht heraus: Auf ihren Zetteln fehlten ausgerechnet die zu wählenden Präsidentschaftskandidaten. "Die Ersten haben die falschen Zettel bekommen", sagte eine Sprecherin der lokalen Wahlbehörde. Der Fehler sei aber schnell behoben worden. Nicht so fix ging es bei anderen Pannen.

In Kansas City in Missouri konnte nach Berichten des Fernsehsenders CNN in einigen Wahllokalen erst mit dreistündiger Verspätung gestartet werden: Den Wahlhelfern lagen falsche Registrierungslisten vor. "Ich war um fünf Uhr morgens da und als achte Wählerin dran", sagte Jessie Sargent. Als sie nach drei Stunden endlich zum Tisch der Wahlhelfer vorgedrungen war, hatten diese die falschen Wählerlisten.

Aufgeweichte Wahlzettel überforderten die Wahlmaschinen in Teilen des Staates North Carolina. Im Bezirk Wake hatte es so heftig geregnet, dass die Scanner das ausgefüllte Papier nicht lesen konnten. "Ein Zettel blieb stecken und verstopfte die Maschine. Als der Wähler ihn herauszog, war er zerrissen", berichtete die Chefin der dortigen Wahlbehörde, Cherie Poucher im US-Fernsehen. Alle Wähler mit verregneten Stimmzetteln seien daraufhin gebeten worden, ihre Unterlagen erst einmal zum Trocknen in eine Ersatz-Wahlbox zu stecken. Gescannt wurden sie dann später.

Antje Passenheim, dpa


[19.04 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Vor einem Wahllokal in Chicago steht ein junger Mann im Streifen-Shirt der "Chicago Cubs", des lokalen Baseball-Teams. Er verteilt Flugblätter, die für Obama werben. "Willst Du es ihm noch vermasseln?", fragt ihn grinsend ein Wahlberechtigter - die "Chicago Cubs" sind legendär für ihre Erfolglosigkeit.

Am Abend vorher, bei einem seiner letzten Wahlkampfauftritte, hatte John McCain ähnliche Erfolgsstatistiken im Kopf. Der Republikaner erinnerte an andere Männer aus Arizona, die im Rennen um das Weiße Haus spektakulär gescheitert sind - allen voran sein politischer Ziehvater Barry Goldwater. "Das hat dazu geführt, dass Eltern in Arizona ihren Kindern nicht sagen, auch sie könnten eines Tages Präsident werden." Die Leute lachen - das ist der witzige, schlagfertige McCain, den viele US-Beobachter in diesem Wahlkampf oft vermisst haben. Dann setzt er nach: "Aber morgen werden wir das ändern. Ich werde gewinnen."


[19.00 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Das "Second Stage", das legendäre Kabarett- und Improvisationstheater in der Old Town im Norden Chicagos, ist festlich geschmückt. Rot-weiß-blaue Girlanden zieren die Backsteinfassade an der North Wells Street. Dazwischen hängt ein handgemaltes Schild: "Vote". Im Schaukasten ein Plakat: "Das Second Stage wünscht euch einen Happy Election Day! Wir hoffen, dass ihr von eurem Wahlrecht Gebrauch macht."

Eine Wahlempfehlung gibt die Bühne nicht, doch ein Blick auf das Programm des Abends offenbart die Tendenz: die Satire "No Country For Old White Men" (eine Anspielung auf den Western-Thriller "No Country For Old Men" - und natürlich auf McCain) sowie im kleinen Saal im zweiten Stock die Sketch-Show "Campaign Supernova - oder: wie viele Demokraten braucht man, um eine Wahl zu verlieren?".

Zur Feier des Tages gibt es am Wahlabend ein Sonderangebot: "2 for 1" - kauf ein Ticket, bekomme ein zweites umsonst. Auch die lange Liste prominenter "Second Stage"-Alumni lässt erahnen, wen die Truppe hier anfeuert. Sie ist ein Who is Who der progressiv-anarchischen Comedy-Stars: Joan Rivers, John Belushi, Dan Aykroyd, Bill Murray, Chris Farley, Steve Carrell. Die meisten wanderten später weiter zur NBC-Kultshow "Saturday Night Live", wie auch die derzeit wohl berühmteste "SNL"-Absolventin Tina Fey. Deren Parodie auf die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin hat diesen Wahlkampf nachhaltig geprägt und Palins Image dauerhaft zerstört. Man kann also sagen: Palins Absturz begann hier in Chicagos Wells Street.

Nebenan im Starbucks gibt es ebenfalls Wahlrabatt: Wer die Wahlbestätigung vorweist, bekommt einen kleinen Kaffee gratis. Ähnliche Offerten bieten um die Ecke der Donut-Bäcker Krispy Kreme und der Eisladen Ben & Jerry's.


[18.35 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Einen Steinwurf entfernt von Obamas Party-Park für den Abend wirbt Fannie May um Kunden. Doch der edel eingerichtete Laden bietet keine günstigen Baukredite wie der ganz ähnlich benannte, mittlerweile kollabierte Hypotheken-Gigant. Im Schaufenster liegen teure Pralinen und Schokoladentafeln.

Das Fannie-Mae-Debakel, das die US-Finanzkrise mit auslöste, war für den Kandidaten Obama im Rückblick eine süße Überraschung. Es ließ die Wähler an der Wirtschaftskompetenz der Republikaner zweifeln und den Demokraten in den Umfragen davon ziehen. Gegenüber vom Schoko-Laden ist die bittere Kredit-Realität zu besichtigen. In einer Filiale der U S Bank schreit ein Schild in dicken roten Lettern regelrecht heraus: "Small Business Loan Sale".


[18.30 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Eine Frau hastet die Strasse entlang, das Handy am Ohr. "Ich weiß nicht, wen Du wählen wirst", ruft sie, "aber verdammt, gehe wählen!" Wer in den vergangenen Tagen nichts von der Wahl mitbekommen wollte, nun hat er nur noch die Möglichkeit: zu Hause einschließen, die Rollos herunterlassen, Fernseher und Computer auf den Flur stellen, Handy und Telefon abschalten. Wahlhelfer telefonieren anhand öffentlich zugänglicher Listen tausende US-Bürger ab, die als Wechselwähler gelten. Die US-Nachrichtensender berichten rund um die Uhr von der Wahl, und selbst im Grünen gibt es kein Entkommen vor der Aufforderung zum Urnengang. Wer im Carl-Schultz-Park spazieren ging und die Aussicht über den East River genießen wollte, dem schob sich das "Vote Boat" ins Blickfeld: Ein Segelboot mit den Konterfeis der Wahlkämpfer auf den Segeln. Obama und Biden natürlich an Backbord, McCain und Palin an Steuerbord.


[18.15 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Am 31. Oktober war Halloween. Die Müllberge der traditionellen Parade durch New York sind zwar längst verschwunden, doch bestimmte Verkleidungen sind bis heute aktuell, wie diese Auslage eines New Yorker Geschäfts beweist:

Schaufenster in New York: Kandidaten-Masken als Halloween-Verkleidung
Markus Becker

Schaufenster in New York: Kandidaten-Masken als Halloween-Verkleidung


[18.10 Uhr MEZ] Marc Pitzke, Chicago:

Die vielen Obdachlosen auf den Straßen Chicagos sind nicht zu übersehen. Die Allermeisten sind Afro-Amerikaner. Einer tapst mit einem Blindenstock durch einem Wagon der Red Line, der U-Bahn. Ob er auch gewählt habe? "Nein", sagt er: "Kein Wohnsitz, kein Ausweis, nicht registriert." Es würde für ihn sowieso keinen Unterschied machen: "Für mich ändert sich nichts, egal wer Präsident ist." An der Haltestelle North/Clybourn springt er flott aus der Tür - und vergisst dabei fast seinen Blindenstock.


[18.02 Uhr MEZ] Gregor Peter Schmitz, Chicago:

Vor dem Congress Plaza Hotel nutzen die Angestellten den Wahltag für eine eigene Demonstration. Die Wäscher, die Zimmermädchen, die Kellner ziehen vor dem Hotel in langer Reihe auf und ab, über ihren Schultern die Schilder "On Strike".

"Wir wollen Sozialleistungen", sagt Ernesto, einer der Demonstranten. Seit fast fünf Jahren arbeitet er in dem Hotel, derzeit als Gepäckträger, seither toben die Streiks immer wieder - doch ohne Erfolg. "Das Hotel mag keine Gewerkschaften", sagt Ernesto, in gebrochenem Englisch. Nun hofft er auf "Change". "Obama good", sagt er und reckt den Daumen hoch. Einer seiner Kollegen hat dessen Bild auf sein Streikschild geklebt.


[18.00 Uhr MEZ] Markus Becker, New York:

Die Lage für die USA ist ernst, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Doch die Amerikaner haben ihren Humor nicht verloren, und das ist nicht nur in Fernsehshows wie "Saturday Night Live" zu besichtigen. Die Betreiber dieses Imbisses an der 72. Strasse, Ecke Broadway hoffen offenbar auf Veränderung. Aber bis die kommt, machen sie das Beste aus der Krise - mit dem "Rezessions-Spezial".

Imbiss in New York: Rabatt aufs Rezessionsspezial
Markus Becker

Imbiss in New York: Rabatt aufs Rezessionsspezial


  • 1. Teil: "Ich hoffe, bete und glaube"
  • 2. Teil


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Fackus, 04.11.2008
1. übertrieben !
schon arg übertrieben dieser US-Wahl-Hype hier und in den anderen Medien. Da wird ein Thema aufgebauscht, das uns nur deshalb interessieren 'muss', weil uns das seit 60 Jahren so eingeredet wird. Besser wäre es, wenn wir Europäer und selbst mehr füreinander und die anderen grossen Kulturnationen interessieren und begeistern würden. Das liegt näher und ist letzten Endes wichtiger. Denn: Egal wer's nu wird da drüben - die USA werden sich durch Veränderungen von innen nicht spektakulär bessern - da muss schon was anderes passieren. Europa sollte endlich mal vom falschen Zug abspringen und sich auf sich selbst besinnen - auch wenns zwischendurch etwas wehtut.
at78rpm 05.11.2008
2. Nach 8 Jahren Bush...
...sind wir Amerikaner, so scheint es jetzt, bereit, ihn und seinesgleichen rauszuschmeißen. Ja, zu spät. Auch in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft versucht Bush weitfolgende Beschlüsse über Umweltpolitik, Justizverwaltung, und Freiheit zu machen. Es wird ja lange dauern, bis der nächste Präsident die Gelegenheit hat, das alles aufzumachen. Wenn das überhaupt noch möglich ist.
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