London Briten verneigen sich vor der Eisernen Lady

Mit großem Zeremoniell und militärischen Ehren hat Großbritannien seiner früheren Regierungschefin Margaret Thatcher die letzte Ehre erwiesen. Zu der Trauerfeier in der St. Paul's Cathedral kamen 2000 Gäste, Enkelin Amanda hatte ihren großen Auftritt.


Die Flaggen auf den Regierungsgebäuden wehten auf Halbmast, die große Glocke Big Ben war verstummt: In London nahmen Zehntausende Menschen Abschied von der früheren Premierministerin Margaret Thatcher. Mit einer Geschwindigkeit von 70 Schritten pro Minute wurde ihr Sarg von der kleinen St. Clement Danes Church in der Innenstadt zur St. Paul's Cathedral eskortiert. Der mit dem Union Jack umwickelte Sarg lag auf einem Geschützwagen, der von sechs schwarzen Pferden gezogen wurde. Mehr als 700 Soldaten gaben der Eisernen Lady das letzte Geleit. Soldaten in roter Uniform und Bärenfellmützen standen Spalier für die Prozession, drei Militärkapellen spielten Trauermärsche.

Tausende Zuschauer säumten die gesperrten Straßen, um die Militärparade zu sehen. "Ich möchte einer Lady mit Prinzipien meinen Respekt erweisen", sagte eine ältere Frau auf der Straße der BBC. "Solche Politiker gibt es heute nicht mehr." Die Prozession verlief ohne Zwischenfälle, es gab viel Applaus, nur vereinzelt Buhrufe. 4000 Polizisten bewachten die Route, um Übergriffe auf den Sarg zu verhindern.

Nach dem Eintreffen vor St. Paul's Cathedral wurde der Sarg von acht Soldaten in das Kirchenschiff getragen. Sie waren aus Regimentern ausgewählt, die 1982 im Falkland-Krieg gekämpft hatten. Die in den USA lebenden Enkel Thatchers, Michael und Amanda, trugen die Insignien der königlichen Orden vor dem Sarg her und legten sie auf den Altar. Amanda hielt auch die erste Lesung im Gottesdienst, Premierminister David Cameron die zweite.

Die Predigt hielt der Bischof von London, Richard Chartres. Auf ein Leben im Sturm der politischen Kontroverse folge nun die Ruhe, sagte er. Hier in der Kirche sei Thatcher "eine von uns, mit dem gleichen Schicksal wie alle Menschen". Die politische Debatte sei bereits im Unterhaus in der vergangenen Woche erfolgt. Ein Begräbnis sei "weder die Zeit noch der Ort" für politische Argumente.

2300 Gäste aus 170 Ländern waren zur Trauerfeier in der Kathedrale erschienen, darunter Queen Elizabeth II. und ihr Gatte Prinz Philip. Diese Ehre war bislang nur einem verstorbenen Premierminister zuteilgeworden: Dem Weltkriegshelden Winston Churchill bei seinem Staatsbegräbnis 1965.

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Trauerfeier für Thatcher: Abschied von der Eisernen Lady
Die Trauergemeinde war weniger imposant, als die Downing Street es sich gewünscht hätte. Zwar waren elf Premierminister und 17 Außenminister angereist. Doch die Obama-Regierung glänzte durch Abwesenheit, kein einziger Minister hatte den Trip über den Atlantik angetreten. Auch die eingeladenen früheren US-Präsidenten hatten alle abgesagt. Stattdessen wurde die US-Delegation von den früheren Außenministern George Shultz und James Baker angeführt. Mit dabei waren auch der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney und Urgestein Henry Kissinger. Wie kein anderer Regierungschef hatte Thatcher an die "special relationship" zwischen Großbritannien und den USA geglaubt.

Deutschland wurde von Außenminister Guido Westerwelle vertreten. Thatcher habe mit ihrem "eisernen politischen Willen" Geschichte geschrieben, sagt der FDP-Politiker. "Der Wille Margaret Thatchers und ihr Glaube an die Kraft des Individuums waren die Grundlage für Großbritanniens Comeback in Europa und in der Welt."

Die meisten anderen Länder schickten nur ihre Botschafter. Die argentinische Botschafterin Alicia Castro hatte allerdings abgesagt, nachdem Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner nicht eingeladen worden war. Der 1982 von Thatcher geführte Falkland-Krieg belastet das Verhältnis der beiden Länder bis heute.

Wichtige Weggefährten Thatchers wie der frühere Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Ex-Kanzler Helmut Kohl konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Auch Ronald Reagans Witwe Nancy Reagan hatte mit dieser Begründung abgesagt.

Am Dienstagnachmittag hatte es bereits einen kleinen Gottesdienst in einer Kapelle im Parlamentsgebäude gegeben. Abgeordnete und Mitarbeiter des Parlaments konnten hier am Sarg Abschied nehmen und Thatchers Familie, den Kindern Mark und Carol und den beiden Enkeln, ihr Beileid aussprechen.

Thatcher war vor neun Tagen im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Seit Weihnachten hatte sie sich auf Einladung der Hotelbesitzer in einer Suite des Nobelhotels Ritz von einer Operation erholt.

Ihr Tod riss auf der Insel alte Wunden wieder auf. Seit Tagen debattieren linke und rechte Politiker und Kommentatoren hitzig das Erbe der Verfechterin des Turbokapitalismus. Auch die Kosten für das Begräbnis, insgesamt zehn Millionen Pfund, sorgen für Kritik. Es sei falsch, Steuergelder für dieses "parteipolitische Begräbnis" auszugeben, schimpfte der linke Abgeordnete George Galloway am Dienstag im Unterhaus. Andere beklagten das "imperiale Begräbnis", das nicht in die Zeit passe.

"Die Lady kehrt nicht um"

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
H.Lorenz 17.04.2013
1. Völlig überbewertet
War das nicht diese Frau, die gesagt haben soll: "Zweimal haben wir sie geschlagen und schau an, da sind sie wieder." Und war sie es auch nicht, die erst gegen Bezahlung der deutschen Wiedervereinigung widerwilig zugestimmt hat? War es nicht die Frau, die die Entsolidarisierung der Gesellschaft erfunden hat und unter dem Deckmantel der Wettbewerbssteigerung ein ganzes Land dem Substanzverfall preisgegeben hat? Dieser Frau weine ich keine Träne nach. Britischer Imperialismus auf höchstem Niveau. Volks (-wirtschafts)-Verräter vom Schlage Kohl, Schröder, Merkel, Steinbrück. Ein öffentliches Begräbnis setzt soziales Verhalten voraus. Das hat diese Frau abgeschafft. Eine Wiese mit Namensschild unter Vielen ist völlig ausreichend.
Thomas McKean 17.04.2013
2. Demokratie und Idiotie
Zitat von H.LorenzWar das nicht diese Frau, die gesagt haben soll: "Zweimal haben wir sie geschlagen und schau an, da sind sie wieder." Und war sie es auch nicht, die erst gegen Bezahlung der deutschen Wiedervereinigung widerwilig zugestimmt hat? War es nicht die Frau, die die Entsolidarisierung der Gesellschaft erfunden hat und unter dem Deckmantel der Wettbewerbssteigerung ein ganzes Land dem Substanzverfall preisgegeben hat? Dieser Frau weine ich keine Träne nach. Britischer Imperialismus auf höchstem Niveau. Volks (-wirtschafts)-Verräter vom Schlage Kohl, Schröder, Merkel, Steinbrück. Ein öffentliches Begräbnis setzt soziales Verhalten voraus. Das hat diese Frau abgeschafft. Eine Wiese mit Namensschild unter Vielen ist völlig ausreichend.
Die Mehrheit der Briten hat das nun mal anders gesehen deshalb wurde Sie 1979 zur Premierministerin und bei den nächsten zwei Wahlen wiedergewählt. Sie mögen andere Meinungen vertreten haben, bestimmt wären Sie sogar ein besserer MP gewesen. Bestimmt hätten Sie den Falklandkrieg nicht führen müssen und hätte die abgewirtschaftete Wirtschaft mit Hilfe der Gewerkschaften nach vorne gebracht. Leider haben die Briten aber nicht Sie gewählt.. Thatcher ein würdiges Staatsbegräbnis zu verwehren spricht nicht für ein grosses Demokratieverständnis sondern für engstirnige, linke Besserwisserei..
yourhunter 17.04.2013
3. Pietät(er)
Der kurze Trauerzug durch London entbehrt wenigstens ein Funken Ironie: jetzt wird sie doch noch auf der linken Spur ins Grab gebracht.
Snoopy60 17.04.2013
4. optional
Ich mochte sie nicht sonderlich, auch und gerade wegen der vielen Extrawürste, die aushandelte. Aber ihr knallhartes Vorgehen, ihre Intelligenz und ihre Kompetenz haben mir schon damals absoluten Respekt abverlangt. Und wenn seinerzeit "Schmidt Schnauze" sich mit ihr ohne Dolmetscher ins Separée zurückzog, dann wußte jedermann, daß Frau Premier und Herr Kanzler mal wieder knallhart aneinander geraten waren und dies buchstäblich unter vier Augen bereinigen mußten. Auch wenn unter ihr Europa als Ganzes mehr gelitten hat als gediehen ist, so war sie andererseits eine kompromißlose Verfechterin der atlantischen Allianz, was der Sicherheit Europas wiederum dienlich gewesen ist. Innenpolitisch hat sie sehr viele Fehler gemacht, und der von ihr vertretene Turbokapitalismus hat viele Opfer gefordert. Dennoch, sie hatte die Probleme hres Landes erkannt. Daß sie z.T. untaugliche Mittel einsetzte, um sie zu lösen... nun, das ist auch anderen passiert. Helmut Kohl hat sie ausgesessen und verschlafen, Gerhard schröder sagt man auch Stockfehler nach (immerhin hat er etwas getan)... Nein, sie war eine der ganz Großen, und solche Persönlichkeiten sind häufig umstritten.
plutinowski 17.04.2013
5. naja
Sie hat Soldaten für einen Krieg um eine kleine Inselgruppe im Südatlantik in den Tod geschickt und Nelson Mandelas südafrikanische Befreiungsorganisation, die gegen die Apartheid kämpfte, als terroristische Vereinigung bezeichnet. Diktatoren dieser Welt wie Chiles Pinochet war sie freundschaftlich verbunden. Für mich sehen Vorbilder anders aus.
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