Lobbying in Washington Facebook buhlt um Obamas Gunst

Noch gilt Facebook als coolste Marke der Welt, doch wer so schnell wächst, macht sich Feinde - auch in der Politik. In Washington investiert die Firma daher viel Geld in ihre Lobbypräsenz. Der Konzern ködert nun verstärkt Polit-Profis. Je näher dran am Weißen Haus, desto besser.

AP

Von , Washington


Robert Gibbs, bis vor kurzem Sprecher von US-Präsident Barack Obama, hat auf Facebook eine eigene Fanseite. Sie ist von Gibbs-Anhängern gestaltet und zeigt ein Foto von ihm im Smoking neben dem mächtigsten Mann der Welt. Getreue schmeicheln in Einträgen, Gibbs sei das beste Präsidenten-Sprachrohr aller Zeiten gewesen. Perfekte PR.

Bald schon könnte Gibbs, der im Februar seinen Rücktritt vom Sprecher-Posten erklärte, noch mehr von Facebook profitieren. Denn laut US-Zeitungen will ihn der Social-Media-Gigant als Kommunikationsexperten einkaufen. Facebook locke den Obama-Vertrauten unter anderem mit lukrativen Aktienoptionen, heißt es in der "New York Times". Die könnten Millionen Dollar wert sein, wenn die Zuckerberg-Firma wie geplant im kommenden Jahr an die Börse geht. Auf rund 65 Milliarden Dollar schätzen Experten den Wert von Facebook.

Sagt Gibbs zu, unterstreicht die Personalie auch, wie professionell das erst 2005 gegründete Unternehmen bereits agiert. Mit der Verpflichtung des ehemaligen Obama-Sprechers würde es sich nämlich nicht nur beste Verbindungen ins Weiße Haus einkaufen. Es würde sich auch für mögliche Politikschlachten in Washington bestens wappnen - selbst wenn Gibbs am Firmensitz Palo Alto residieren soll, nicht in der Hauptstadt.

Denn noch sind die meisten US-Politiker zwar gut auf den Giganten zu sprechen, allen voran Obama selbst - dessen Kommunikationsteam, inklusive Gibbs, die Netzwerkseite virtuos zum Dialog mit Wählern nutzte. Gerade trat der Präsident gemeinsam mit Ehefrau Michelle in einem exklusiven Facebook-Video zur Sicherheit im Internet auf. Chris Hughes, einer der Mitgründer von Facebook, arbeitete für Obamas Wahlkampfmannschaft. Im Februar reiste der Präsident nach San Francisco, um dort Internetunternehmer zu treffen, darunter Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Doch das Wohlwollen könnte rasch verfliegen. Je schneller Facebook wächst, desto lauter dürften Beschwerden über Datenschutz und Monopolstellung werden. "Facebook ist zu schnell zu groß geworden, man muss es genau beaufsichtigen", warnt Jeffrey Chester vom Center for Digital Democracy in der "Washington Post".

Der gute Draht ins Weiße Haus

Und die Politik beginnt, auf solche Bedenken zu hören: US-Senatoren haben gerade schärfere Vorschriften gefordert, welche Daten Firmen wie Facebook künftig sammeln dürfen. Auch das Weiße Haus ließ dafür Sympathie erkennen. Andere Abgeordnete fragen besorgt, in welchem Umfang der Marktführer die Daten seiner über 500 Millionen Nutzer auch an Dritte weitergeben dürfe.

Also braucht der Datengigant gute Interessenvertreter, am besten mit Draht ins Weiße Haus. Vor Gibbs wechselte schon eine hochrangige Obama-Wirtschaftsberaterin zu Facebook.

Auch das Team, das den Konzern in Washington vertritt, wächst rasant. Erst wirkte dort ein einsamer Facebook-Lobbyist, der lange von zu Hause arbeitete. Jetzt haben zehn Mitarbeiter brandneue Büroräume an der F-Street bezogen, im Zentrum des Hauptstadt-Lobbyismus. Die Firma bietet Kongressabgeordneten gar Kurse an, wie sie Facebook möglichst effektiv für den Kontakt mit Wählern einsetzen können.

Eine gute Strategie, wie andere Beispiele zeigen. Google etwa erfreute sich anfangs eines ähnlich positiven Images in Washington wie Facebook. Aber längst haben Politiker den Suchmaschinengiganten ins Visier genommen - etwa dessen Pläne, sein Geschäft über die reine Suche hinaus auszudehnen. Mittlerweile gibt Google über fünf Millionen Dollar pro Jahr für Lobby-Arbeit rund ums US-Parlament aus.

Nun investiert Facebook ähnlich. Dass die Firma Gibbs für viel Geld einkaufen will, sorgt aber auch für Befremden. Gibbs würde seinen Einfluss quasi verkaufen - was zwar gängige Praxis ist in den USA, doch diese wollte Obama eigentlich ändern. Doch 314 Mitarbeiter seiner Regierung sind schon in lukrative Lobby- oder Wirtschaftsjobs abgewandert, hat das Center for Responsive Politics mitgezählt. Das Weiße Haus gleiche immer mehr einer Rekrutierungsbörse für Firmen, höhnt "Washington Post"-Kolumnist Dana Milbank.

Gibbs bekommt schon jetzt zu spüren, dass nicht jeder einen solchen Wechsel begrüßen würde. Dank Facebook lässt sich das weltweit nachlesen. Selbst auf Gibbs' Facebook-Fanseite sind nicht nur Fans unterwegs. "Was haltet ihr davon, dass Idiot Gibbs nun bei Facebook arbeiten wird?", heißt es in einem Eintrag.

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Arne11 04.04.2011
1. gegen titelzwang
Zitat von sysopNoch gilt Facebook als*coolste Marke der Welt, doch wer so schnell wächst, macht sich*Feinde -*auch in der Politik. In Washington investiert die Firma daher viel Geld in ihre Lobbypräsenz. Der Konzern ködert nun verstärkt Polit-Profis. Je näher dran am Weißen Haus,*desto besser. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754807,00.html
Es hat 3 Tage gedauert bis Facebook nachgegeben hatte und die third intifada Page gelöscht hat. Die Verquickung von SC mit Politik macht mir immer Angst. Oder nehmen wir Google. Mittlerweile werden die 'Ergänzungsorschläge' bei Suchen durch Google zensiert wenns um Religion geht. Was per Suchmaschine nicht angezeigt wird, existiert nicht... wir brauchen Alternativen.
FastFertig, 04.04.2011
2. Größenwahnsinnig
Facebook ist keinen Cent Wert.
Dosengabel 04.04.2011
3. Irgendwie...
...macht mir das ganze Angst. Ich verfluche den Tag, an dem Soziale Netzwerke erfunden wurden. Verpasse ich eigentlich irgendwas, weil ich nicht "vernetzt" bin?
mwroer 04.04.2011
4. Nicht das ich wüsste ...
Zitat von Dosengabel...macht mir das ganze Angst. Ich verfluche den Tag, an dem Soziale Netzwerke erfunden wurden. Verpasse ich eigentlich irgendwas, weil ich nicht "vernetzt" bin?
aber ich bin auch nicht vernetzt. Mir reicht nach wie vor das Telefon um Kontakt mit Freunden zu halten. Auf der anderen Seite arbeite ich auch nicht im weißen Haus oder bin Lobbyist.
FastFertig, 04.04.2011
5. Mitmachnetz
Zitat von Dosengabel...macht mir das ganze Angst. Ich verfluche den Tag, an dem Soziale Netzwerke erfunden wurden. Verpasse ich eigentlich irgendwas, weil ich nicht "vernetzt" bin?
Melden Sie sich doch einfach unter einem erfundenen Namen mit einer x-beliebigen E-Mail Adresse an. Ich bin immer wieder über die Benachrichtigungen von Facebook erstaunt, welche Leute mein erfundener "Hans Wurst" kennen könnte. Dann sind die vernetzt, verpassen nichts mehr und haben neue Freunde gefunden!
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