Entführter Entwicklungshelfer FBI soll bei Lösegeldzahlung an al-Qaida geholfen haben

Offiziell lehnen die USA Lösegeldzahlungen an Terroristen kategorisch ab. Doch im Fall Warren Weinstein machte das FBI einem Pressebericht zufolge eine Ausnahme - die Agenten halfen seiner Familie beim Geldtransfer an al-Qaida.

Das Edgar Hoover Building des FBI in Washington: Informationen für die Familie der Geisel
REUTERS

Das Edgar Hoover Building des FBI in Washington: Informationen für die Familie der Geisel


Bei dem Versuch, den US-Bürger Warren Weinstein mit einer Lösegeldzahlung aus der Gewalt von al-Qaida zu befreien, hat die Familie der Geisel offenbar Unterstützung vom FBI bekommen. Agenten der Behörde sollen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge bei den Vorbereitungen der Geldübergabe geholfen haben. Demnach überprüften die Mitarbeiter unter anderem die Identität eines pakistanischen Mittelsmannes und stuften ihn als vertrauenswürdig ein.

Weinstein und eine italienische Geisel waren in der vergangenen Woche bei einem US-Drohneneinsatz an der afghanisch-pakistanischen Grenze getötet worden. US-Präsident Barack Obama entschuldigte sich bei den Familien der Opfer und sagte, bei dem Einsatz seien Fehler gemacht worden. Der Entwicklungshelfer war 2011 von Terroristen entführt worden.

Ein Jahr nach der Geiselnahme hatte seine Familie offenbar insgesamt 250.000 Dollar Lösegeld an al-Qaida gezahlt, berichtet das "WSJ". Doch Weinstein blieb in der Gewalt der Islamisten. Die FBI-Agenten hatten die Lösegeldzahlung demnach weder offiziell autorisiert oder genehmigt - und dadurch nicht gegen die strenge Lösegeld-Politik der USA verstoßen. Offiziell macht Washington immer wieder deutlich, dass unter keinen Umständen Lösegelder gezahlt würden.

Nachdem die Familie der Geisel entschieden hatte, den geforderten Betrag zu zahlen, hätten FBI-Agenten sich jedoch entschlossen, zu helfen. Die Beamten hätten die Informationen unter anderem weitergegeben, um die Familie zu schützen, schreibt das "WSJ" unter Berufung auf FBI-Angehörige.

Ein Sprecher des Weißen Hauses äußerte sich nicht zu der vermeintlichen Lösegeldzahlung. Stattdessen machte er deutlich, dass sich die Politik der USA zur Geiselbefreiung nicht geändert habe. Das FBI kommentierte den Bericht zunächst nicht.

brk

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