Logbuch al-Qaida Al-Qaida bekennt sich zu Anschlag auf dänische Botschaft in Islamabad

Sechs Menschen starben, als ein Selbstmordattentäter Anfang der Woche die dänische Botschaft in Pakistan angriff. Pakistanische Behörden beschuldigten die Taliban. Jetzt übernimmt jedoch die Qaida-Filiale in Afghanistan die Verantwortung für den Anschlag.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Niemand geringerer als Mustafa Abu al-Yasid, der Chef der "allgemeinen Führung" des Terrornetzwerks al-Qaida in Afghanistan, unterzeichnete das entsprechende Bekennerschreiben. Es wurde in der Nacht zum heutigen Donnerstag auf den üblichen, stets von al-Qaida für solche Zwecke benutzten dschihadistischen Diskussionsforen veröffentlicht und liegt SPIEGEL ONLINE vor.

"Im Rahmen des Dschihads gegen die Kreuzfahrer, Juden und Feinde Gottes und im Rahmen der Verteidigung unserer Religion" habe der "heldenhafte" Selbstmordattentäter zugeschlagen, erklärt Abu al-Yazid darin. Seine Organisation habe mit dem Anschlag die Forderung Osama Bin Ladens umgesetzt und Rache genommen an dem "Kriegstreiberstaat" Dänemark, der die umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und eine Entschuldigung abgelehnt habe.

Dass die betreffende Tageszeitung "Jllands Post" keineswegs ein staatliches Blatt ist, bleibt in dem Bekennerschreiben natürlich unerwähnt.

Bald werde die Medienabteilung al-Qaidas den Lebenslauf und Nachruf des Attentäters nachreichen, verspricht der Qaida-Staathalter am Hindukusch weiter. Abu al-Yazid dankte darüber hinaus den "pakistanische Mudschahidin" für ihre Mithilfe bei dem Anschlag.

Unerwähnt ließ der Terrorführer unterdessen, dass unter den sechs Todesopfern kein einziger dänischer Diplomat war, sondern nur pakistanische Zivilisten, einer allerdings Inhaber eines dänischen Passes. Selbst aus Qaida-Sicht ist der Anschlag damit eigentlich kein besonderer Erfolg. Es liegt umso näher, dass der wahre Grund für das Bekennerschreiben der ist, den Anschlag überhaupt für sich zu reklamieren und nicht den Taliban zu überlassen. Auch wenn beide Organisationen kooperieren, ist al-Qaida in Afghanistan doch darauf bedacht, Handlungsfähigkeit und Eigenständigkeit auch im nachbarland unter Beweis zu stellen.

Der dänische Inlandsgeheindienst PET hatte in den vergangenen Monaten gewarnt, dass Anschläge auf dänische Auslandsvertretungen möglich seien. Entsprechende Drohungen waren in verschiedenen Ländern der muslimischen Welt ausgestoßen worden, insbesondere nachdem einige der Karikaturen nachgedruckt worden waren.

Terroranalysten sind zu einme großen Teil überzeugt, dass die Karikaturen für al-Qaida & Co. noch für die kommenden Jahre als Anschlagsbegründung herangezogen werden dürften. "Die vergessen das nicht", sagte jüngst der jordanische Qaida-Experte Fuad Hussein im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die westlichen Medien werden das schon vergessen haben, da werden wir noch Racheanschläge erleben."



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