Logbuch al-Qaida Der dschihadistische Depeschendienst (2)

Somalische Shabab-Milizen verteilen Essen, al-Qaida will Kämpfer nach Nigeria schicken, zwei Internet-Dschihadisten sterben in der Realität, und einer von Bin Ladens Chef-Theologen verbietet Freude über Selbstmordattentate. Die Terrornachrichten der vergangenen Tage im Überblick.

Von Yassin Musharbash


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Logbuch al-Qaida: Neues aus Dschihadistan
Berlin - Beobachten wir gerade die Geburt einer neuen Qaida-Filiale, diesmal in Somalia? Entsprechende Meldungen, die Anfang dieser Woche über die Ticker liefen und auf der angeblichen Aussage eines Milizensprechers beruhen, halte ich für verfrüht. Aus drei Gründen: Erstens fehlt eine schriftliche Erklärung der Führung der al-Schabab. Zweitens fehlt eine entsprechende Bestätigung durch die Qaida-Zentrale, also von Osama Bin Laden oder Aiman al-Sawahiri. Und drittens halte ich es für wahrscheinlicher, dass sich die somalischen Dschihadisten einer der bestehenden Filialen anschließen: Entweder al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, wegen der Nachbarschaft zum Jemen, oder al-Qaida in Nordafrika, weil man sich auf demselben Kontinent befindet. Hier heißt es also: abwarten.

+++Schabab-Milizen brüsten sich mit Wohltätigkeit+++

Aber es gibt weitere News von den Schabab-Milizen, die sich in den vergangenen Monaten immer weiter stabilisieren, wie es scheint. Jedenfalls schaffen sie ständig neue Strukturen und Hierarchien und veröffentlichen mehrmals pro Woche Fotos, die ihre Erfolge illustrieren sollen.

Interessant in diesem Zusammenhang eine Fotostrecke, die vor einigen Tagen online ging. Sie soll zeigen, wie Miliz-Mitglieder Essen an Bedürftige verteilen. Sogar ein Plakat haben die Schabab-Leute beschafft. Rinder und Ziegen wurden angeblich ausgeteilt. In einer Erklärung heißt es, dies alles geschehe zum ersten Mal in Somalia. Im historischen Vergleich verhält sich die Miliz damit eher wie die Taliban vor ihrer Staatsgründung oder die Hisbollah und die Hamas: Sie setzen darauf, dass Wohltätigkeit ihnen Sympathisanten zutreibt. Al-Qaida hat sich mit so etwas nie aufgehalten. Allerdings funktioniert dieses Konzept auch besser, wenn es sich um eine heimische Organisation handelt - und nicht wie bei al-Qaida in Afghanistan um eine "eingewanderte".

Ansonsten haben die Schabab jüngst verlauten lassen, dass Kämpfer aus dem Jemen bei ihnen eingetroffen seien und sie sich auch nach Kenia ausweiten wollen. Na ja, hier klaffen Anspruch und Glaubwürdigkeit deutlich auseinander. Denn davor haben die Schabab noch angeboten, selbst Kämpfer in den Jemen zu senden. In Kenia allerdings sollen (auch das unbestätigt) schon bei Protesten Schabab-Flaggen gesichtet worden sein.

+++Al-Qaida erlässt Fatwa gegen Anschläge auf Marktplätzen+++

Der Libyer Scheich Attiyatallah ist einer der wichtigsten Qaida-Denker mit theologischem Fachwissen. Jüngst wurde er öfter in den Vordergrund geschoben. Jetzt hat er eine regelrechte Fatwa erlassen. Sie ist Teil des Versuchs von Taliban und al-Qaida, sich gegen den Vorwurf zu wehren, sie seien verantwortlich für eine Vielzahl getöteter muslimischer Zivilisten bei Anschlägen in Peschawar in Pakistan.

In der Fatwa heißt es unter anderem: "Es ist nicht gestattet sich über solche Anschläge zu freuen." Selbst wenn man Vermutungen über die zweifelhafte "wahre" Gläubigkeit eines Muslims hege, wisse doch nur Gott über seinen echten Status Bescheid. Dann folgt ein klassischer Zirkelschluss: Weil echte Muslime so etwas nicht machen dürfen, können auch keine Mudschahidin die Attentäter gewesen sein. Das ist praktisch, denn: Dann müssen Blackwater oder andere "Feinde Gottes" verantwortlich gewesen sein. Dann ein überraschender Nachtrag: Falls es wider Erwarten und Wahrscheinlichkeit doch sich selbst Mudschahidin nennende Attentäter gewesen sein sollten, waren es keine echten. Sie wären dann "irregeleitet". Alles klar?

Doch auch wenn die Argumente nicht unbedingt überzeugend wirken mögen: In Sympathisantenkreisen ist eine Fatwa ein schweres Geschütz. Das zeigt, dass al-Qaida es für wichtig erachtet, nicht als Organisation dazustehen, die laufend Muslime tötet. Was freilich trotzdem der Fall ist.

+++Al-Qaida in Nordafrika will nigerianische Dschihadisten ausbilden+++

In der aktuellen Erklärung von al-Qaida in Nordafrika steht derweil die Praxis im Vordergrund: In einer Reaktion auf die Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen in Nigeria erklärt sie die Unruhen zu einem weiteren Teil des "Kreuzzugs" gegen die Muslime. Das erkläre auch "das Schweigen des Westens".

An die Nigerianer richtet der Chef der Filiale, Abu Musab Abd al-Wudud, folgendes Angebot: "Wir sind bereit, eure Söhne an den Waffen auszubilden" und sie mit allen zu versorgen, was sie brauchen könnten: Waffen, Männer, Sprengstoff, Munition. Natürlich nur, damit "sie sich verteidigen" können. Es ist ein klarer Versuch der Filiale, ihr Einflussgebiet auszuweiten und einen weiteren regionalen Konflikt in die Qaida-Erzählung des weltweiten Dschihad gegen die Feinde des Islam einzubetten. Bleibt zu hoffen, dass niemand das Angebot annimmt.

+++Gerüchte über Führungswechsel bei den pakistanischen Taliban+++

Seit Wochen geistern Gerüchte durchs Internet und die verschiedenen Geheimdienste und Expertengremien, dass der Anführer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, an den Folgen eines Drohnenangriffs verstorben sei. Die TTP dementiert offiziell, die USA und die pakistanische Regierung geben sich hingegen immer sicherer, dass der Mann tot ist.

Schon ist die Rede davon, der Tod Mehsuds könne ein finaler Schlag sein. Ich bin mir nicht so sicher. Als sein Vorgänger und Verwandter Beitullah Mehsud durch eine Drohne starb, hörte man dieselben Mutmaßungen, die sich als voreilig herausstellten. Damals war auch zunächst gar nicht klar, dass Hakimullah überhaupt Nachfolger werden würde, dass er sich durchsetzte, werteten einige Experten als Überraschung. Und jetzt soll alles an ihm hängen?

Falls er tot ist, könnte übrigens Wali al-Rahman der Nachfolger werden. Der Mann ist offiziell Anführer der TTP für die Mehsud-Region. Ende 2009 veröffentlichte al-Qaidas Propaganda-Abteilung eine Doppelinterview mit ihm und Mehsud. Wali al-Rahman erklärte damals, die "Ungläubigen, Juden und Christen" seien die Feinde der TTP, die Scharia müsse eingeführt werden, die Regierung in Islamabad "kann man nicht islamisch nennen". Seine Bewegung werde weiterkämpfen "bis zum letzten Atemzug".

Es könnte freilich sein, dass dieser Zeitpunkt auch für Wali al-Rahman schon erreicht wurde. Denn wieder neue Gerüchte besagen, er sei ebenfalls getötet worden. Also: abwarten.

+++Cyber-Dschihadis sterben realen Tod+++

Das derzeit wichtigste Internetforum zur Verbreitung von dschihadistischer Propaganda und von Kommuniqués von Terrorgruppen brüstet sich damit, dass zwei seiner Männer, die dort regelmäßig ans Schwarze Brett schrieben, auf dem Schlachtfeld gestorben sind.

Leider fehlt eine Beschreibung der genauen Umstände, aber Mohammad in Ali al-Tamimi (alias Qahar al-Salib) und Saleel al-Suyuf hätten "das Märtyrertum" gefunden. Al-Tamimis Name habe sich auch auf der berühmten Liste der 85 meistgesuchten Terroristen der saudischen Regierung gefunden.

Die Meldung der Administratoren des Forums ist natürlich ein Versuch, Nachahmer zu motivieren, die Grenze zwischen Cyber-Dschihadismus und physischem Kampf zu überschreiten. Sie ist aber auch ein Echo auf den Selbstmordanschlag des Jordaniers Humam al-Balawi, der in Afghanistan sechs CIA-Agenten tötete und ebenfalls in dem Forum aktiv gewesen war.

+++Al-Qaida im Irak bekennt sich zu Hotel-Anschlägen+++

Vergangene Woche überlebte der SPIEGEL-Korrespondent Bernhard Zand einen Anschlag auf sein Hotel in Bagdad, insgesamt waren drei Hotels angegriffen worden. Wie erwartet hat sich mittlerweile al-Qaidas Filiale im Irak dazu bekannt. Die Dschihadisten stellten die Bombenserie in eine Reihe mit den drei jüngsten großen Anschlagserien im Zentrum von Bagdad. Alles sei Teil des großen Planes "Ernte des Guten".

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Bernd Schlüter, 04.02.2010
1. Die Kulissenschieber
Ich kann nur sagen, das entspringt alles dem Logbuch von al Kaida und ich wurde schon vor zwölf Jahren darüber aufgeklärt, nicht nur Sudan, Somalia und Nigeria, nein auch in südlichen afrikanischen Ländern wird der Islam die Macht an sich reißen. Das steht schon so im Koran, seit bald 1400 Jahren. Les- und deutbar, wenn man den Code 19 beherrscht. Dass vor Somalia fleißig für den Kreuzzug der Moslems gegen die Christen gekapert wird, äußerte ich schon wiederholt im Spiegelforum. Auch, das es nicht unbedingt arme Kinder waren, die Herr Crobog im Jemen beschenkte. Ich kritisierte wieiderholt die Lösegeldpolitik der deutschen Regierung, auch auf Jolo. Der Beweis, dass Allah mit dem südlichen afrikanischen Land Zimbabwe meinte, fehlt mir auch. Denn ich beherrsche seinen Code 19 nicht, obwohl ich mich schon hilfesuchend an den Erfinder der Silantreibstoffe in meiner Nachbarschaft wandte, wegen dem die al Kaida-Zentrale zeitweise hier ihren Sitz aufschlug. Unglücklicherweise habe ich damals meinen Koran nicht in die nach Code 19 revidierte Auflage umgetauscht, obwohl ich es Ramzi versprochen hatte und so bleiben mir weiterhin wichtige Wahrheiten verschlossen. So, liebe Leser, jetzt tut das mal alles nicht in die Spinnerschublade, wie es mancher gerne sähe. Ich habe auch keine Lust, über das Erlebte zu diskutieren, es geschieht ja doch so, wie es die Richter über unsere Welt wünschen, und die sind beileibe zwar, aber jedenfalls nicht im Himmel zu Hause.
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