Logbuch al-Qaida Dschihad-Jane und ihr Blind Date mit dem Terror

Auch sie wollte eine Mohammed-Karikatur offenbar mit Mord vergelten: Die radikale US-Konvertitin Colleen LaRose alias Dschihad Jane schlich sich laut Anklage bis in die Künstlerkommune eines schwedischen Karikaturisten - um ihn zu töten "oder beim Versuch zu sterben".

AFP / WPVI-TV

Von Yassin Musharbash


Berlin - Immer und immer wieder rufen al-Qaida und Co. ihre Anhänger auf, sich für die Mohammed-Karikaturen zu rächen, die im September 2005 in der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" abgedruckt worden waren - und für alle ähnlichen Schmäh- und Spottbilder, die danach entstanden sind.

Und mehr als einmal haben organisierte Dschihadisten ebenso wie Einzelkämpfer es versucht - trotz der vielfältigen Sicherheitsmaßnahmen, denen einige der Zeichner sich unterwerfen.

Nun ist ein weiterer Versuch bekanntgeworden - zumindest in Umrissen. Eine radikale US-Konvertitin aus Pennsylvania soll sich demnach bereits im Sommer des vergangenen Jahres in die Künstlerkommune des Zeichners Lars Vilks eingeschlichen haben, der den Propheten Mohammed 2007 als Hund dargestellt hatte.

Das Ziel von Colleen LaRose, die sich in dschihadistischen Internetforen auch Dschihad Jane zu nennen pflegte: Vilks zu töten "oder bei dem Versuch zu sterben". So jedenfalls soll LaRose selbst formuliert haben - laut der Anklageschrift, aus der am Dienstag der US-Sender ABC News zitierte.

Heiratsversprechen für Gesinnungsgenossen

Die Geschichte von Colleen LaRose klingt schier unglaublich. Die 46-Jährige hat sich dem Bericht zufolge regelrecht als Attentäterin, Rekruteurin und Geldsammlerin angeboten. Das auf die Beobachtung von Terror-Websites spezialisierte Unternehmen Site, das auch für staatliche Behörden in den USA und außerhalb arbeitet, berichtete, LaRose sei in englischsprachigen dschihadistischen Internetforen aktiv gewesen und habe auch auf YouTube (das sie nur "JewTube" nannte) Terrorpropaganda verbreitet.

Aus diesen Aktivitäten gingen offenbar E-Mail-Beziehungen hervor. Laut der von ABC zitierten Anklageschrift hatte sie jedenfalls fünf Mitverschwörer in Südasien, West- und Osteuropa, mit denen sie in Kontakt stand.

In einer E-Mail habe sie geschrieben, dass ihr Aussehen es ihr gestatten würde, sich unverdächtig "unter Leute zu mischen" um auszuführen, was "in meinem Herzen ist". Im Internet habe sie einem Dschihadisten zudem versprochen, ihn zu heiraten, um ihn nach Europa zu schleusen - eine Art Blind Date für den Terror.

Noch ist unklar, mit wem LaRose genau kommunizierte und ob es sich dabei um Einzeltäter oder Terroristen mit Anschluss an bestimmte Organisationen handelte.

Mordbefehl per Internet

Im März 2009 soll sie jedoch eine Anweisung erhalten haben - wieder über das Internet - , nach Schweden zu reisen und dort einen bestimmten Mann zu töten. Laut ABC glauben die US-Behörden, dass es um Vilks ging. LaRose tat offenbar wie geheißen und gelangte bis in Vilks direktes Umfeld. Am 30. September 2009 soll sie in einer E-Mail an einen ihrer Gefährten geschrieben haben, dass "nur der Tod mich jetzt noch stoppen wird, wo ich so nahe an meinem Ziel bin".

Erst am Dienstag wurde bekannt, dass LaRose bereits am 16. Oktober 2009 verhaftet wurde und zwar in Pennsylvania - aus noch unbekannten Gründen brach sie ihr Vorhaben also offenbar doch noch ab.

Nun wird sie wegen der Verabredung zur Unterstützung von Terroristen angeklagt werden, zusätzlich wegen des Versuchs, islamistische Kämpfer zu rekrutieren und Verschwörung zum Mord. Schließlich soll sie noch einen Ausweis gestohlen haben, den sie angeblich einem islamistischen Kämpfer zukommen lassen wollte.

Der Grund, aus dem die Verhaftung von vor fast einem halben Jahr gerade jetzt publik wurde, sind wahrscheinlich Festnahmen in Irland am Dienstag. Dort wirft die Polizei sieben Person vor, sich ebenfalls zum Mord an Vilks verabredet zu haben - dass es sich um LaRoses Mitverschwörer handelt, ist naheliegend.

insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Andreas Kah 10.03.2010
1. Der Reiz des Bösen
Wie krank muss man eigentlich sein, das eigene Leben wegwerfen zu wollen, nur um jemanden zu töten, der nichts weiter getan hat, als eine läppische Zeichnung anzufertigen, über was auch immer, und sei es Mohammed. Und was soll das für ein Gott sein, der solche Irre nicht bremst? Für mich genügt ein Blick ins Geschichtsbuch, um zu erkennen, dass Gott eine Fiktion ist, die sich Menschen ausgedacht haben. Wir können hier auf dieser Kugel machen was wir wollen, Gott ist es schnurzegal.
Fritz Motzki 10.03.2010
2. Kann man ihr nicht helfen?
Wenn sie unbedingt sterben will, sollte eine Möglichkeit gefunden werden. Wie wär´s mit einem Flugversuch ohne Fallschirm - dann kann sie es noch ein wenig auskosten.
der IV. Weg 10.03.2010
3. Fanatismus
Der Islam ist die bevorzugte "Religion" für Selbstmordattentäter und Konsorten. Warum wohl? Vielleicht lesen das Manche: i slam (you)
haltetdendieb 10.03.2010
4. Wie krank muss man eigentlich sein?
Heute, 16:03 #2 Andreas Kah "Wie krank muss man eigentlich sein, das eigene Leben wegwerfen zu wollen..." Da reicht eine gewisse Religion, die wenn man sie nennt, sofort zensiert wird, aus! Das reicht, eine andere Krankheit ist dann nicht mehr vonnöten. Aber bitte von dieser "einen Religion" nicht auf alle anderen Religionen schließen, denn diese Religion ist einmalig!
majik 10.03.2010
5. So kann's kommen
Tja, Jane. Wird nichts mit den 72 jungfräulichen Dressmen im islamischen Deppenparadies. Stattdessen kommt das hier, der härteste Knast in der zivilisierten Welt: http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?file=/chronicle/archive/1998/12/28/MN42382.DTL Dort sitzt auch schon der "Schuhbomber" Richard Reid (aktuell im Hungerstreik), und dort wird er auch bleiben. Keine Sorge wegen der Geschlechtertrennung - man sieht dort ohnehin überhaupt niemanden. Männlein oder Weiblein - wen stört's also. Es ist ja nun wirklich schon eine geraume Zeit her, dass den Jihadisten ein Anschlag gelungen ist. Wird es nicht langsam mal Zeit, dass den Leuten auffällt, wie wenig sie erreichen? Wann kommt der erste Hasstheologe auf die Idee, dass es nicht Allahs Wille sein kann, was durchaus nicht klappen will? Aber anscheinend muss man schon ziemlich vernagelt sein, um der islamistischen Ideologie überhaupt anzuhängen. (Nach-)Denken ist wohl unislamisch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.