Anschlag in London Attentäter hatte laut Polizei keine Kontakte zum IS

Der "Islamische Staat" hat den Anschlag in London für sich reklamiert - doch die Ermittler haben keine Hinweise auf eine Verbindung der Terrormiliz zum Attentäter. Dessen Mutter äußerte sich nun erstmals zur Tat.

Gedenken in London
DPA

Gedenken in London


Die zentrale Frage nach dem Anschlag in London scheint weiterhin ungelöst: Was war das Motiv des Attentäters, warum tötete Khalid Masood vier Menschen? Die Ermittler von Scotland Yard haben in den vergangenen Tagen Wohnungen durchsucht, Verdächtige festgenommen und mit Bekannten des 52-jährigen Attentäters gesprochen. Beweise für eine Verbindung zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder zu al-Qaida haben sie dabei nach eigenen Angaben nicht gefunden.

Es gebe auch keinen Beleg dafür, dass sich Masood im Gefängnis radikalisiert habe, teilte die Polizei am Montag mit. Masood habe aber eindeutig ein "Interesse am Dschihad" gehabt.

Der IS hatte den Anschlag einen Tag nach der Tat für sich reklamiert. Bereits aus der Propaganda des IS unmittelbar nach der Tat sei zu erkennen gewesen, dass die Gruppe von dem Anschlag überrascht worden sei, sagte der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King's College. "Der Anschlag passte zwar in das von ihr propagierte Muster, und er war zweifellos dschihadistisch motiviert, aber vom Attentat selbst hatte die Gruppe keine Ahnung."

Die Zeitung "Daily Telegraph" hatte am Montag unter Berufung auf den britischen Inlandsgeheimdienst MI5 berichtet, gegen Masood sei bereits im Jahr 2010 im Zusammenhang mit einem geplanten Anschlag auf einen Armeestandort in Luton nördlich von London ermittelt worden. Der 52-Jährige habe möglicherweise Kontakte zu vier von dem Terrornetzwerk al-Qaida inspirierten Männern gehabt, die 2013 für den Komplott verhaftet worden seien. Danach habe man ihn aus den Augen verloren.

Trauernde Polizisten in London
DPA

Trauernde Polizisten in London

Masoods Mutter verurteilte die Tat ihres Sohnes deutlich. "Seit ich erfahren habe, dass mein Sohn dafür verantwortlich war, habe ich viele Tränen für die Menschen vergossen, die in diesen entsetzlichen Vorfall verwickelt wurden", teilte sie mit. Sie sei zutiefst schockiert, traurig und wie betäubt. "Ich möchte absolut deutlich machen, damit es keine Zweifel geben kann, dass ich weder seine Tat billige noch den Glauben unterstütze, der ihn dazu gebracht hat, diese Gräueltat zu begehen."

Bereits vergangene Woche hatte die Polizei mitgeteilt, der Attentäter sei in Großbritannien als Adrian Russell Ajao geboren worden. Er sei später zum Islam konvertiert und habe seinen Namen geändert. Nun wurden weitere Details bekannt: So soll ihn seine zweite Frau nur drei Monate nach ihrer Hochzeit 2004 verlassen haben. Er sei gewalttätig gewesen und habe sie kontrollieren wollen, sagte ein Verwandter britischen Medien.

Tatorte in London
SPIEGEL ONLINE / GoogleEarth

Tatorte in London

Masood war am vergangenen Mittwoch mit seinem Auto gezielt in Dutzende Fußgänger auf der Westminster-Brücke gefahren. Er tötete drei Menschen, anschließend erstach er einen Polizisten vor dem Parlament. Kurz darauf wurde Masood von Sicherheitskräften erschossen. 50 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der Angriff hat laut den Ermittlern nur 82 Sekunden gedauert. Masood sei mit bis zu 122 Stundenkilometern über die Brücke gefahren.

Zwei Verdächtige, die im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden waren, waren am Montag noch in Haft: Ein 30-Jähriger und ein 58-Jähriger, die am Sonntag beziehungsweise Donnerstag bei Razzien in Birmingham gefasst worden waren. Neun weitere Menschen, die nach dem Anschlag zeitweise festgehalten worden waren, sind wieder auf freiem Fuß.

brk/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.