Anschlag in London Attentäter wollten mit Lkw angreifen

Es hätte womöglich noch mehr Tote gegeben: Der jüngste Terroranschlag in London sollte laut Ermittlern ursprünglich mit einem Lkw verübt werden - doch die Attentäter scheiterten an einer Banalität.

Mit diesem weißen Lieferwagen verübten die Attentäter den Anschlag
Metropolitan Police London/ AP/ DPA

Mit diesem weißen Lieferwagen verübten die Attentäter den Anschlag


Knapp eine Woche nach dem Anschlag auf der London Bridge und am Borough Market mit acht Toten und 48 Verletzten gibt Scotland Yard weitere Details zu Vorbereitung und Ablauf der Bluttat bekannt. Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass die Terrorattacke anscheinend mit einem massigen Lkw statt mit einem Lieferwagen verübt werden sollte, um noch mehr Menschen zu töten.

Die Online-Anmietung des 7,5-Tonners am Morgen des 3. Juni sei aber gescheitert, weil es Probleme mit der Zahlmethode gegeben habe.

Die Täter hätten daraufhin auf einen kleineren Transporter zurückgegriffen, den sie per Handy buchten. Mit diesem fuhren sie dann am Abend mehrmals über die London Bridge, machten schließlich noch einmal an ihrem Ende kehrt und fuhren zurück auf die Brücke. Dort raste der Transporter dann auf den Gehweg, rammte mehrere Passanten und verletzte drei von ihnen tödlich.

Anschließend rannten die mit 30 Zentimeter langen Keramikmessern bewaffneten Männer zum Borough Market und erstachen dort nach dem Zufallsprinzip fünf Menschen. Wenige Minuten später wurden Rachid Redouane, Khuram Shazad Butt und Joussef Zaghba von Polizisten erschossen. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Die bislang detaillierteste Schilderung der Polizei zum Anschlag beantwortet einige offene Fragen. So war zum Beispiel lange unklar, wie viele der Opfer mit dem Lieferwagen und wie viele durch Messerstiche getötet worden waren.

Molotow-Cocktails im Laderaum des Lieferwagens

Wäre ihr eigentlicher Plan eines Lkw-Anschlags aufgegangen, "hätten die Folgen noch schlimmer sein können", sagte der Chef-Ermittler der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard, Dean Haydon. In den vergangenen Monaten waren in Europa mehrere Anschläge mit Lkw verübt worden. Im Juli raste ein Attentäter im französischen Nizza in eine Menschenmenge, und auch beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche im Dezember nutzte der Täter einen Lkw als tödliche Waffe.

Die Londoner Ermittler fanden im Laderaum des Lieferwagens nach eigenen Angaben zudem zwei Schweißbrenner und 13 Weinflaschen, die offenbar mit brennbarer Flüssigkeit gefüllt waren. Es handelte sich dabei anscheinend um Molotowcocktails. Womöglich habe es einen Plan B gegeben, wonach die Täter die Brandsätze nach den Messerattacken zünden wollten, sagte Haydon.

Außerdem wurden im Transporter Bürostühle und andere Dinge gefunden, die den Familien der Täter nach Vermutung der Polizei vorgaukeln sollten, dass der Lieferwagen für einen harmlosen Umzug genutzt wurde.

Das besondere Augenmerk der Ermittler gilt nun den drei pinkfarbenen Keramikmessern samt ihren mit Klebeband umwickelten Griffen, die bei der Attacke eingesetzt wurden. Chefermittler Haydon richtete einen öffentlichen Appell an mögliche Zeugen: "Wir arbeiten rund um die Uhr, um zu verstehen, was diese Männer vor dem Anschlag getan haben, aber wir müssen mehr über diese ungewöhnlichen Messer erfahren." Wo die Waffen herkommen und wo sie verkauft wurden, könne zu einer heißen Spur führen.

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Terroranschlag: Großeinsatz in der Londoner Innenstadt

Im Nachgang des Anschlags wurden laut Scotland Yard bislang 262 Menschen aus 19 Ländern vernommen. Es habe 20 Festnahmen gegeben, die bislang letzte erst an diesem Samstagmorgen. Sieben Verdächtige seien immer noch in Gewahrsam.

Zwölf Gebäude in den Stadtteilen Barking und Ilford seien bislang durchsucht worden, hieß es weiter. An einer der Adressen habe Redouane im April eine Wohnung angemietet, die von den Tätern offensichtlich als Unterschlupf genutzt worden sei. In der Wohnung fanden die Ermittler nach eigenen Angaben einen aufgeschlagenen Koran - auf der offenen Seite ging es demnach um den "Märtyrertod".

Der Anschlag in London war das dritte große Attentat in Großbritannien binnen drei Monaten. Zuvor hatte es bereits Angriffe in Manchester und in Londons Regierungsviertel Westminster gegeben.

lgr/dpa/AFP

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