Parlament in London Britische Politiker bekommen psychologischen Notdienst

Berufspolitiker stehen unter Dauerstress - und kämpfen oft mit Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Leiden. Im britischen Parlament kümmert sich schon bald ein neuer medizinischer Service um die mentalen Leiden von Tories, LibDems und Co.
Britisches Parlament (Archivbild): Soforthilfe für die Abgeordneten in Sicht

Britisches Parlament (Archivbild): Soforthilfe für die Abgeordneten in Sicht

Foto: HANDOUT/ AFP

London - Die Ärzte im House of Commons schlagen Alarm: Immer mehr Mitglieder des britischen Parlaments quälen sich mit psychischen Problemen durch den Politikeralltag. Von Schlaflosigkeit, über Angstattacken bis zu handfesten Depressionen reicht die Bandbreite der Erkrankungen. Ein neuer Service soll nun Abhilfe schaffen: Laut der britischen "Times"  können sich die Parlamentarier in Zukunft vor Ort psychologisch beraten lassen.

Schon bald wird ein beratender Experte für mentale Erkrankungen seine Arbeit im Parlament aufnehmen. Dieser soll die erkrankten Politiker zudem an andere Fachleute weitervermitteln.

Die neue Einrichtung ist eine Reaktion auf eine Entscheidung vom Montag: Das Parlament hat Anfang der Woche eine Regelung gekippt, wonach Parlamentarier nach längerer psychischer Erkrankung ihren Sitz verlieren können.

Von vielen Abgeordneten wird dieser neue Ansatz als längst überfällig begrüßt: "Es ist als Politiker nicht leicht, zum Hausarzt zu gehen und über die eigenen mentalen Probleme zu reden", zitiert die "Times" Kevan Jones, der für die Labour-Partei im Parlament sitzt. Entsprechend würden sie auch nicht oft genug an Fachleute verwiesen. Hier helfe der neue Service ab. Jones hatte im vergangenen Jahr zum ersten Mal über die Depression gesprochen, an der er nach eigenen Angaben im Jahr 1996 gelitten hatte. Damals habe er nicht einmal mit seiner Familie über das Leiden geredet.

"Politik ist ein hartes Geschäft. Auch ich selbst teile gerne aus. Aber zuzugeben, dass man Hilfe braucht, ist kein Zeichen von Schwäche", so Jones weiter.

25.000 Pfund pro Jahr bisher genehmigt

Vor drei Jahren hatte ein anderer Fall die britische Politikszene aufhorchen lassen. Der Tory-Politiker David Ruffley überlebte den Sturz vor einen Zug mit viel Glück und nur leichten Verletzungen. Offiziell wird der Vorfall nicht als Suizidversuch gehandelt. Bei Ruffley wurde jedoch eine Depression diagnostiziert. Er wurde vom Dienst freigestellt, hat sich seitdem jedoch von der Erkrankung erholt. Mehrere weibliche Politikerinnen hatten während einer Debatte im Juni 2012 über ihre Erfahrungen mit postnataler Depression berichtet.

John Thurso, Sprecher des Komitees für die Privilegien der Parlamentarier, sagte: "Der Job bringt viele Vorzüge, aber auch viel Stress mit sich. Es ist daher nur angemessen, dass wir mit dieser Initiative die Hilfe vermitteln, die dringend gebraucht wird."

Bisher hat das Parlament für die Beratung vor Ort ein relativ überschaubares Budget von 25.000 Pfund (etwa 29.000 Euro) pro Jahr genehmigt.

jok
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