SPIEGEL ONLINE

May über U-Bahn-Attacke Explosion sollte "enorme Schäden" anrichten

Die Polizei fahndet nach dem Terroranschlag in einer Londoner U-Bahn nach den Tätern. Laut Premierministerin May hätte es noch weit mehr Opfer geben können.

Zum vierten Mal in diesem Jahr ist London am Freitag Ziel eines Anschlags geworden. Mindestens 22 Menschen wurden bei einer Explosion in einer U-Bahn verletzt. Nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May sollte der Sprengsatz "enorme Schäden" anrichten. Sie sprach von einem "feigen Angriff".

Die Polizei stuft den Vorfall inzwischen als "terroristisch" ein. Nach den Tätern wird noch gefahndet. Dennoch werde nach dem Treffen des höchsten britischen Sicherheitskomitees, dem sogenannten Cobra, die Terrorwarnstufe vorerst nicht erhöht, sagte May. Die Lage wird dem Inlandsgeheimdienst MI5 zufolge derzeit als "ernst" ("severe") eingestuft, es ist die zweithöchste von insgesamt fünf Terrorwarnstufen in Großbritannien.

May kündigte an, den oder die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "Die Polizei tut alles, um die Täter zu identifizieren", sagte sie der BBC. Sie appellierte an die Bevölkerung, sich möglichst normal ihrem Alltag zu widmen.

Mitten im Berufsverkehr im westlichen Zentrum Londons war am Freitagmorgen ein selbst gebauter Sprengsatz in einer U-Bahn explodiert. Noch Stunden später herrschte Ausnahmezustand an der Haltestelle Parsons Green. Die Straßenzüge um den oberirdischen Bahnhof im Zentrum der Metropole waren weiträumig abgesperrt, Hubschrauber kreisten am Himmel. Spürhunde suchten jeden Zentimeter vor dem Bahnhof ab.

In sozialen Netzwerken kursieren Fotos eines brennenden weißen Eimers, der in einer Supermarkttüte steckt. Die Bombe ist wahrscheinlich nicht wie geplant hochgegangen, spekulieren britische Medien unter Berufung auf Polizeikreise - sonst hätte es womöglich mehrere Todesopfer gegeben.

"Wenig hilfreich"

Für Verärgerung bei den Sicherheitskräften sorgte US-Präsident Donald Trump. Er schrieb am Freitag bei Twitter, die mutmaßlichen Attentäter seien im Vorfeld "im Visier von Scotland Yard" gewesen. Es sei notwendig, "proaktiv" gegen die Extremisten vorzugehen, fügte er hinzu.

Die Londoner Polizei bezeichnete den Kommentar des US-Präsidenten als "nicht hilfreiche Spekulation". Nick Timothy, der frühere Stabschef von Premierministerin May, zeigte sich überzeugt, dass Trump nicht wisse, wovon er rede. Ob die Anmerkung des US-Präsidenten zutreffe oder nicht - sie sei "so wenig hilfreich" vom Präsidenten eines Landes, mit dem Großbritannien in der Geheimdienstarbeit kooperiere, ließ er via Twitter wissen.

In einem ersten Tweet hatte Trump geschrieben, es handle sich um einen Angriff eines "Verlierer-Terroristen". Das Internet sei das wesentliche Mittel zur Rekrutierung der Terroristen, schrieb Trump in einem zweiten Tweet. Es (dabei wird nicht ganz klar, was er meint, Anm. d. Red.) müsse abgeschnitten und besser genutzt werden.

Fotostrecke

Vorfall in U-Bahn: Antiterroreinsatz in London

Foto: KEVIN COOMBS/ REUTERS

Großbritannien und insbesondere London sind seit Jahren immer wieder Ziel von Terroranschlägen. Allein in diesem Jahr gab es vier Anschläge:

  • Im März war ein Attentäter auf der Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben.
  • Im Mai hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Bombenanschlag nach einem Konzert der Sängerin Ariana Grande in Manchester 22 Menschen getötet, darunter etliche Kinder. Der IS gab an, hinter dem Anschlag zu stehen.
  • Anfang Juni starben bei einem islamistischen Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge acht Menschen.
  • Im Juni raste ein Mann mit einem Lieferwagen in eine Menschenansammlung in der Nähe eines muslimischen Gebetshauses. Ein Mensch wurde getötet, weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter soll aus Hass gegen Muslime gehandelt haben.

Anmerkung: In einer früheren Version schrieben wir, dass London in diesem Jahr zum fünften Mal Ziel eines Anschlags wurde. Richtig ist, dass die britische Hauptstadt zum vierten Mal Opfer einer Attacke wurde. Ein weiterer Anschlag ereignete sich in Manchester.

vks/dpa/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.