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U-Bahn in London Selbst gebaute Bombe war Grund für Explosion

Das Feuer in einer Londoner U-Bahn ist laut Scotland Yard durch eine selbst gebaute Bombe verursacht worden. Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag wurden mindestens 22 Menschen verletzt.

Bilder im Internet zeigten eine Supermarkttüte und einen weißen Behälter, aus dem Drähte herausschauten. Inzwischen ist sich Scotland Yard sicher, dass es sich bei dem Sprengsatz in der Londoner U-Bahn um eine selbst gebaute Bombe handelte. Die Polizei stuft den Vorfall, bei dem 22 Menschen verletzt wurden, als "terroristischen Akt" ein. Keines der Opfer schwebt in Lebensgefahr.

Medienberichten zufolge explodierte der Sprengsatz nicht komplett. Das berichtet "Sky News" unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Hunderte Kriminalbeamte sind derzeit mit den Ermittlungen beschäftigt. Die Polizei wird nach eigenen Angaben vom Inlandsgeheimdienst MI5 unterstützt.

Die Bundesregierung zeigte sich besorgt und sprach den Briten ihr Mitgefühl aus. "In dieser schwierigen Situation stehen wir an der Seite unserer britischen Freunde", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Auch US-Präsident Donald Trump verurteilte den Vorfall in London: Es handle sich um einen Angriff eines "Verlierer-Terroristen". Das Internet sei das wesentliche Mittel zur Rekrutierung der Terroristen, schrieb Trump in einem zweiten Tweet. Es (dabei wird nicht ganz klar, was er meint, Anm. d. Red.) müsse abgeschnitten und besser genutzt werden.

Die britische Premierministerin Theresa May kündigte an, dass es im Laufe des Tages ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats geben soll. Ihre Gedanken seien bei den Verletzten und den Einsatzkräften, die auf diesen "terroristischen Akt" reagieren würden, schrieb sie bei Twitter.

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Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer "Feuerwand". Ein Mann sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe ein lautes "Woosh"-Geräusch gehört und dann ein Gepäckstück in Flammen aufgehen sehen. Ein anderer Mann erzählte der BBC, er habe in dem brennenden Waggon gesessen. Es habe sich angefühlt, als sei ein Feuerball über seinen Kopf hinweggerollt. Sein Haar sei völlig verbrannt.

Viele Fahrgäste rannten den Berichten zufolge aus dem vollbesetzten Wagen auf dieselbe Tür zu. Dabei sollen einige Menschen in Panik über andere hinweggetrampelt und aus der U-Bahn-Station geflohen sein.

Fotostrecke

Vorfall in U-Bahn: Antiterroreinsatz in London

Foto: KEVIN COOMBS/ REUTERS

Mehrere Menschen erlitten Verbrennungen im Gesicht. Der Londoner Rettungsdienst teilte mit, man habe ein Spezialteam geschickt. Von der Feuerwehr hieß es, sie sei mit sechs Einsatzwagen und rund 50 Rettungskräften vor Ort. Die oberirdische Metro-Haltestelle Parsons Green wurde weiträumig gesperrt. Die U-Bahn zwischen Earls Court und Wimbledon in der District Line, die über Parsons Green fährt, wurde nach Angaben der Betreibergesellschaft ausgesetzt.

Bürgermeister verurteilt die Tat

Bürgermeister Sadiq Khan schrieb in einer Erklärung: "Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören." London werde sich niemals vom Terror besiegen lassen. An die Bürger appellierte er, ruhig und zugleich wachsam zu bleiben.

Großbritannien und insbesondere London sind seit Jahren immer wieder Ziel von Terroranschlägen. Allein in diesem Jahr gab es in der britischen Hauptstadt vier Anschläge:

  • Im März war ein Attentäter auf der Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben.
  • Im Mai hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Bombenanschlag nach einem Konzert der Sängerin Ariana Grande in Manchester 22 Menschen getötet, darunter etliche Kinder. Der IS gab an, hinter dem Anschlag zu stehen.
  • Anfang Juni starben bei einem islamistischen Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge acht Menschen.
  • Im Juni raste ein Mann mit einem Lieferwagen in eine Menschenansammlung in der Nähe eines muslimischen Gebetshauses. Ein Mensch wurde getötet, weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter soll aus Hass gegen Muslime gehandelt haben.
vks/dpa/Reuters
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