London/Rom Massendemonstrationen gegen Irak-Krieg

Die pro-amerikanische Politik des britischen Premiers Tony Blair stößt nicht nur in der Labour-Partei zunehmend auf Widerstand, sondern auch bei den Wählern. In London demonstrierten 250.000 Menschen gegen die Irak-Politik ihres Regierungschefs. Zehntausende gingen in Rom auf die Straße.


London - Wie schon beim Golfkrieg bringt der drohende Krieg gegen den Irak die Menschen auf die Straße. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich in London mehr als 250.000 Menschen an der ersten großen Massendemonstration gegen die Irak-Politik von Premierminister Tony Blair. "Stoppt den Krieg" und "Kein Blut für Öl" stand auf den Plakaten der Protestierer, die aus allen Landesteilen in die britische Hauptstadt gekommen waren. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl auf mehrere Zehntausend.

Zu der Demo aufgerufen hatten mehrer Organisationen: Friedensgruppen, Gewerkschaften, Kirchen und moslemischen Verbänden. Gemeinsam zogen sie im Regierungsviertel Whitehall am Amtssitz Downing Street vorbei zum Hyde Park. Der Verkehr in der Innenstadt kam teilweise zum Erliegen.

Mehrere Labour-Abgeordnete solidarisierten sich mit den Demonstranten. Sie hatten sich bereits im Unterhaus offen gegen die Irak-Politik Blairs gestellt. "Von dieser Demonstration aus wird die Botschaft an die ganze Welt ausgehen, dass Tony Blair nicht die britische Bevölkerung vertritt. Er spricht für die Beziehungen mit US-Präsident George W. Bush", sagte der linke Labour-Abgeordnete Jeremy Corbyn.

Sein Parteikollege Tam Dalyell warnte die Regierung auf der Abschlusskundgebung davor, "wie im Schlaf auf eine Katastrophe zuzusteuern". Eine Militärinvasion des Irak würde die Welt nach seiner Ansicht in die gefährlichste Krise seit dem Kuba-Konflikt 1962 stürzen.

Nach Einschätzung der Veranstalter war die Veröffentlichung des Regierungs-Dossiers über das Waffenarsenal des Irak kontraproduktiv für Blair. Seither sei die Opposition der Briten gegen einen Irak-Krieg noch gewachsen, hieß es.

Auch in Rom gingen Zehntausende Menschen auf die Straßen, um gegen den drohenden Irak-Krieg zu demonstrieren. Nach Angaben der veranstaltenden Kommunisten waren es mehr als 100.000 Menschen.



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