Anschlag in London Täter wurde "vom internationalen Terrorismus inspiriert"

Er tötete drei Menschen, ehe er selbst erschossen wurde: Scotland Yard hat die Identität des Täters nach dem Anschlag in Londons Regierungsviertel geklärt, sie geht von einem islamistischen Hintergrund aus.


Der schnelle Überblick

Nach dem Anschlag am britischen Parlament in London hat sich die Polizei erstmals zu dem getöteten Attentäter geäußert, hielt sich mit Angaben zu dem Mann aber zurück. Scotland Yard geht davon aus, dass die Identität des Täters geklärt ist, und "dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte ein Sprecher. Man gehe von einem islamistischen Hintergrund aus. Weitere Details zu dem Mann wollte der Sprecher zunächst nicht nennen.

Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Zuvor hatte die Polizei bereits mitgeteilt, sie gehe von einem Einzeltäter aus.

Nach jüngsten Angaben tötete der Angreifer drei Menschen. Dabei handelt es sich um einen 48-jährigen Polizisten und zwei Passanten. Zunächst war von vier Opfern die Rede gewesen. Mindestens 40 Menschen sind verletzt worden, 29 kamen ins Krankenhaus.

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Angriff beim Parlament: Großeinsatz im Zentrum von London

Nach Polizeiangaben und Medienberichten hat sich im Zentrum Londons Folgendes abgespielt:

  • Am Nachmittag tötete der Attentäter mit seinem grauen Hyundai zunächst auf der Westminster Bridge zwei Personen und verletzte mehrere Menschen, unter ihnen drei Polizisten. Danach krachte das Auto in den Zaun des Parlaments. Mindestens zehn Verletzte wurden auf der Brücke von Notärzten versorgt.
  • Der Täter verließ daraufhin sein Fahrzeug und griff auf dem Parlamentsgelände einen Polizisten mit einem Messer an, der Polizist starb an den Folgen seiner Verletzungen. Der Angreifer wurde von anderen Polizisten erschossen.
  • Der britische Staatssekretär Tobias Ellwood kümmerte sich nach dem Anschlag um den angegriffenen Polizisten. Er gab Mund-zu-Mund-Beatmung und versuchte, dessen Blutungen zu stillen - letztlich erfolglos. Dafür wurde Ellwood in britischen Medien als Held gefeiert.
  • Drei französische Schüler wurden bei den Angriffen verletzt. Das teilten die französischen Behörden mit.
  • Eine Frau stürzte von der Brücke in die Themse, Rettungskräfte konnten sie bergen und medizinisch versorgen.
  • Ob auch Deutsche unter den Opfern sind, ist noch unklar.

Das Areal um das Parlament in London war auch am späten Abend noch abgesperrt, Hubschrauber kreisten noch über dem Regierungsviertel. Der Anschlag von London wurde auf den Tag genau ein Jahr nach den Terrorattacken von Brüssel verübt, bei denen islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen mit sich in den Tod gerissen und mehr als 300 weitere verletzt hatten.

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Attacke im Herzen Londons: Die Welt trauert mit Großbritannien

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel gesagt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens" stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden."

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Angriff beim Parlament: Großeinsatz im Zentrum von London

Premierministerin May kündigte an, dass die Terrorwarnstufe trotz des Doppelanschlags nicht erhöht wird. Den Anschlag bezeichnete sie als "krank und verkommen". Das Leben werde wie gewohnt weitergehen. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer." Nach der aktuellen Warnstufe in Großbritannien gilt ein Anschlag bereits als "sehr wahrscheinlich".

Die Polizei rief Zeugen auf, Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Zugleich bat sie Augenzeugen um Zurückhaltung. Sie sollten keine Bilder und Videos von Verletzten in Umlauf bringen.

Als Reaktion auf die mutmaßlichen Terrorangriffe hat das Regionalparlament in Schottland die für Mittwochabend vorgesehene Abstimmung über ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum verschoben.

max/dpa

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