Nordirland Frau durch Schüsse getötet - Polizei spricht von "terroristischem Vorfall"

Am Rande der nordirischen Stadt Londonderry ist es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Dabei wurde eine 29-jährige Frau erschossen. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

JESS LOWE/ EPA-EFE/ REX

In der Stadt Londonderry in Nordirland ist in der Nacht zu Freitag eine junge Frau erschossen worden. Der Tod der 29-Jährigen in der Wohnsiedlung Creggan werde als "terroristischer Vorfall" eingestuft, teilte die Polizei bei Twitter mit. Es seien Mordermittlungen eingeleitet worden.

Zuvor hatte die Polizei darüber informiert, dass in Creggan Brandsätze geschleudert und mehrere Schüsse abgefeuert worden seien. Auf Bildern waren brennende Autos, gepanzerte Einsatzfahrzeuge der Polizei und schwer bewaffnete Sicherheitskräfte zu sehen.

Zu den Hintergründen machten die Behörden bisher keine Angaben. Es ist unklar, ob die Unruhen im Zusammenhang mit dem Osterwochenende stehen, das traditionell für politische Kundgebungen genutzt wird.

Reaktionen aus der Politik

Die Vorsitzende der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), Arlene Foster, verurteilte "sinnlose" Gewalt. Diejenigen, die in den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren Schusswaffen in Nordirlands Straßen gebracht hätten, hätten falsch gelegen, sagte sie. "2019 ist es genauso falsch."

Die Vizevorsitzende der nationalistischen Sinn Féin, Michelle O'Neill, sagte über den Tod der jungen Frau. "Das war ein Angriff auf die Gemeinschaft, ein Angriff auf den Friedensprozess und auf das Karfreitagsabkommen." Das Karfreitagsabkommen von 1998 hatte den Nordirland-Konflikt beendet.

Polizeieinsatz in Creggan
Niall Carson/PA/ AP

Polizeieinsatz in Creggan

Londonderry hat rund 85.000 Einwohner und liegt im äußersten Nordwesten der nordirischen Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Seit Jahresbeginn sind in der Stadt wiederholt Sprengsätze explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hätte. Einer davon detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war. Kurz darauf bekannte sich eine Gruppe namens "Neue IRA" zu dem Anschlag. Die Nationalisten lehnen das Karfreitagsabkommen ab und haben in den vergangenen Jahren immer wieder sporadisch Anschläge verübt.

Die IRA, die jahrzehntelang gewaltsam für eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien gekämpft hatte, schwor der Gewalt 2005 offiziell ab.

Zuletzt waren im Zuge der Brexit-Verhandlungen die Sorgen gewachsen, dass die drohende Einführung von Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und der auch künftig zur EU gehörenden Republik Irland wieder zu verstärkter Gewalt in der Ex-Bürgerkriegsregion führen könnte. In dem über Jahrzehnte währenden Konflikt standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiterhin zu Großbritannien gehören wollen.

aar/dpa/AFP



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