Schulen in Los Angeles geschlossen Anschlagsdrohung war Fehlalarm

Los Angeles hat wegen einer Droh-Mail alle öffentlichen Schulen geschlossen, für rund 640.000 Schüler fiel der Unterricht aus. Doch bei der Nachricht handelte sich um einen schlechten Scherz. Jetzt verteidigt sich die Polizei gegen Kritik an ihrer "Überreaktion".


Die per E-Mail verschickte Anschlagsdrohung gegen Schulen in Los Angeles hat keinen ernstzunehmenden terroristischen Hintergrund. Das FBI habe mitgeteilt, dass die Nachricht nicht glaubwürdig sei, sagte der Bürgermeister der Stadt, Eric Garcetti, bei einer Pressekonferenz.

Zuvor hatte bereits der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses, Adam Schiff via Twitter mitgeteilt: "Einer vorläufigen Bewertung zufolge war es ein schlechter Scherz, um Schulbezirke in großen Städten zu stören." Die Ermittlungen dauerten aber noch an, schrieb Schiff. In den kommenden Tagen werde man mehr Informationen haben.

Rund 640.000 Schüler vom Vorschulalter bis zur zwölften Jahrgangsstufe waren vor Schulbeginn um 8 Uhr morgens aufgefordert worden, nicht zum Unterricht zu kommen. Wer bereits auf dem Weg war, wurde beim Eintreffen in der Schule wieder nach Hause geschickt.

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Los Angeles: "Die Schule bleibt heute geschlossen"
Die Rede war von einer "ernsthaften Terrorbedrohung": Der Autor der E-Mail kündigte unter anderem den Einsatz von Nervengas, Schusswaffen und Bomben an. Nach Angaben der Schulbehörde wurde die Nachricht von einem Computer gesendet, der eine IP-Adresse in Deutschland genutzt haben soll. Dies bedeutet aber nicht, dass sich der Verfasser tatsächlich in Deutschland aufgehalten hat.

Alle rund 900 Schulen im Bezirk Los Angeles wurden nach möglichen Sprengsätzen oder Waffen durchsucht, wie der Leiter der Schulaufsicht, Ramon Cortines, mitteilte. Am Montag werden alle Einrichtungen demnach wieder öffnen.

"Sie war haarsträubend"

In New York hatten die Behörden eine ähnliche E-Mail mit Drohungen bekommen. Der Autor behauptete, ein Schüler zu sein, der unter Hänseleien gelitten habe. Er drohte, gemeinsam mit 138 Mitstreitern gnadenlos sämtliche Schüler in der Stadt zu massakrieren. "Und es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt."

Im Gegensatz zu Los Angeles stuften die Behörden in New York die Nachricht jedoch als nicht glaubwürdig ein. Die Schulen blieben geöffnet, der Unterricht fand wie geplant statt. Polizeichef William Bratton bezeichnete die Maßnahmen in Los Angeles als "Überreaktion" und warnte vor Panikmache. Der Absender wirke auf ihn wie jemand, der zu viele Folgen der TV-Serie "Homeland" gesehen habe. Bratton hatte einst selbst die Polizeibehörde in Los Angeles geführt.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sagte, die Drohung habe "nichts Glaubwürdiges" enthalten. "Sie war haarsträubend."

Während einer Pressekonferenz verteidigte der Polizeichef von Los Angeles sein Vorgehen. Im Nachhinein sei es leicht, eine Entscheidung zu kritisieren, sagte Charlie Beck. Er habe die Drohung nicht zuletzt wegen der zahlreichen Schießereien an US-Schulen und dem jüngsten Anschlag in San Bernardino sehr ernst genommen.

New York und Los Angeles sind die beiden größten Schulbezirke in den USA. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, man werde weder die Entscheidung aus der einen Stadt, noch aus der anderen kritisieren.

aar/AP/Reuters/dpa



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