Loya Jirga Islamisches Scharia-Recht für Afghanistan

Die konservativen Kräfte haben sich auf der Großen Stammesversammlung in Afghanistan durchgesetzt. Die Rechtsprechung wird künftig gemäß der islamischen Scharia geschehen.


Afghanistan: Tumulte auf der Loya Jirga (Tagungszelt im Hintergrund)
AP

Afghanistan: Tumulte auf der Loya Jirga (Tagungszelt im Hintergrund)

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat sich damit den Forderungen der konservativen Kräften gebeugt. "Unsere Gesetze sollten auf der islamischen Rechtsprechung basieren", sagte er vor den Delegierten der Loya Jirga in Kabul. Neben der Scharia beschloss die Ratsversammlung, das Land bis zu den Parlamentswahlen in anderthalb Jahren von einer "Islamischen Übergangsregierung" führen zu lassen. Das kündigte Karzai am Montagabend an.

Einflussreiche religiöse Führer hatten in den vergangenen Tagen die Ausrufung einer islamischen Republik gefordert. Der fundamentalistische afghanische Milizenführer Abdul Rasal Sajaf hatte vor zwei Tagen gesagt, Karzai könne der Unterstützung des Volkes sicher sein, solange sich seine Regierung an die Scharia halte.

Karzai gab am Montag zudem seinen Plan auf, von der Loya Jirga ein Übergangsparlament bis zu Wahlen in eineinhalb Jahren bestimmen zu lassen. Stattdessen sollten acht Regionen des Landes je vier bis fünf Repräsentanten wählen, die in Kabul unter anderem die geplanten allgemeinen Wahlen vorbereiten sollten.

Der neue afghanische Präsident gab auch die Schaffung verschiedener Kommissionen bekannt, die sich um die Probleme des Wiederaufbaus kümmern sollen. Dazu gehören die Heimkehr von Flüchtlingen, der Wiederaufbau des Rundfunk- und Fernsehnetzes und des Bankwesens.

Zuvor hatten rund eintausend Delegierte aus Protest die ihrer Auffassung nach nur schleppend vorangehenden Beratungen verlassen. "Es gibt keinen Grund, zu bleiben und langweiligen Reden zuzuhören - darum gehen wir", sagte Sajed Nimatullah, einer der rund 1600 Delegierten. "Karzai sollte hier sein und über wichtige Dinge wie das neue Parlament sprechen."

Die Loya Jirga war am Dienstag vergangener Woche zusammengekommen, um über eine neue Übergangsregierung und die Zusammensetzung des Parlaments zu entscheiden. In 18 Monaten soll ein frei gewähltes Parlament die Geschicke des Landes lenken.



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