Luftabwehr Polen stationiert Raketen an russischer Grenze

Es ist ein Relikt der Ära Bush: Die USA liefern Polen Luftabwehrraketen vom Typ Patriot. Jetzt hat das Land einen neuen Standort bestimmt. Die Raketen und das zugehörige Personal von rund hundert US-Soldaten sollen nicht mehr bei Warschau stationiert werden - sondern nahe der russischen Grenze.

Abwehrsystem mit Patriot-Rakete (in Japan): Altlast des einst geplanten Raketenschilds
REUTERS

Abwehrsystem mit Patriot-Rakete (in Japan): Altlast des einst geplanten Raketenschilds


Warschau - Nahe der russischen Grenze will Polen Luftabwehrraketen vom Typ Patriot stationieren. Das teilte das Verteidigungsministerium mit. Als Standort sei Morag nordwestlich von Olsztyn vorgesehen, sagte ein Sprecher. Er bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Gazeta Wyborcza". Die Raketen werden von den USA geliefert, die zudem rund hundert Soldaten Personal stellen.

Die erste Einheit soll im April - zunächst für begrenzte Zeit - nach Morag, rund 70 Kilometer vom russischen Staatsgebiet entfernt, verlegt werden. Von 2012 an sollen die Raketen und die Soldaten dann ständig stationiert bleiben. Ursprünglich sollten die Raketen nahe Warschau aufgestellt werden.

Verteidigungsminister Bogdan Klich versicherte der Zeitung, ausschlaggebend für die Ortsänderung seien nicht strategische Gründe gewesen. "In Morag konnten bessere Bedingungen für die US-Soldaten sowie eine optimale technische Basis für die Ausrüstung angeboten werden."

Washington hatte Polen im August 2008 die Patriot-Raketen als Gegenleistung für eine Zustimmung zum damals geplanten US-Raketenabwehrschild in Mitteleuropa in Aussicht gestellt.

US-Präsident Barack Obama verzichtete zwar auf das Rüstungsprojekt seines Amtsvorgängers George W. Bush. Doch Polen hielt ungeachtet dessen an der Forderung nach der Patriot-Stationierung fest. Im Dezember wurde dazu ein polnisch-amerikanisches Abkommen unterzeichnet, das die rechtliche Basis für den längerfristigen Aufenthalt der US-Soldaten in Polen geschaffen hat.

ore/dpa/AP



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