SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. Februar 2013, 16:20 Uhr

Luftangriff auf Syrien

Assad wirft Israel Destabilisierung vor

Die Spannungen zwischen Syrien und Israel nehmen zu: Der syrische Staatschef Assad warf dem Nachbarstaat vor, sein Land schwächen zu wollen. Israels Regierung räumte zum ersten Mal indirekt ein, für den Luftangriff in Syrien vor vier Tagen verantwortlich zu sein.

Hamburg/Damaskus - Syriens Präsident Baschar al-Assad hat Israel vorgeworfen, sein Land destabilisieren zu wollen. Der israelische Luftangriff in Syrien vor vier Tagen "entlarvt die wahre Rolle, die Israel in Zusammenarbeit mit feindlichen ausländischen Kräften und deren Agenten auf syrischem Boden spielt", sagte Assad am Sonntag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Israel wolle Syrien "destabilisieren und schwächen".

Assad kam in Damaskus mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili zu Beratungen über die Krise in Syrien zusammen. Sein Land sei in der Lage, sich "jeder Aggression zu widersetzen", sagte Assad bei dem Treffen.

Ziel der israelischen Kampfjets war am vergangenen Mittwoch offenbar ein Konvoi mit syrischen Waffen für die israelfeindliche Hisbollah-Miliz im Südlibanon. Das zumindest wurde aus den USA berichtet. Dagegen meldeten syrische Staatsmedien, der Angriff habe einem militärischen Forschungszentrum in der Nähe von Damaskus gegolten. Zwei Menschen seien dabei getötet, fünf weitere verletzt worden.

Zerstörte Autos, Lastwagen und Militärfahrzeuge

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak deutete am Sonntag erstmals an, dass seine Regierung für den Luftangriff in Syrien verantwortlich gewesen sei. Er könne den Zeitungsberichten dazu nichts hinzufügen, sagte Barak auf der Sicherheitskonferenz in München und fügte hinzu: "Wenn wir etwas gesagt haben, dann meinen wir es auch - und wir haben gesagt, dass wir nicht denken, dass es erlaubt sein sollte, fortgeschrittene Waffensysteme in den Libanon zu bringen."

Das syrische Staatsfernsehen sendete Aufnahmen des Forschungszentrums, das Ziel des Luftangriffs gewesen sein soll. Die am Samstagabend ausgestrahlten Fotos zeigen zerstörte Autos, Lastwagen und Militärfahrzeuge. In einem Gebäude sind die Fenster zu Bruch gegangen, die Außenfassade blieb jedoch unversehrt.

Der syrische Botschafter im Libanon, Ali Abdul-Karim Ali, hatte kurz nach dem Angriff gesagt, Damaskus habe "die Option und die Fähigkeiten, einen überraschenden Vergeltungsschlag zu führen". Zeit und Ort dafür zu bestimmen, sei Sache der zuständigen Behörden. Syrische Oppositionsvertreter sagten hingegen, Assad sei zu schwach, um auf den Luftangriff reagieren zu können.

Mit Protesten gegen die syrische Regierung hatte im März 2011 in Daraa ein Konflikt begonnen, der sich rasch auf das ganze Land ausbreitete. In dem Bürgerkrieg starben bisher schätzungsweise 60.000 Menschen. Hunderttausende sind in die Nachbarstaaten Jordanien, die Türkei, den Libanon und den Irak geflohen.

son/afp/AP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung