Luftangriffe auf Libyen Gaddafi missbraucht Zivilisten als Schutzschilde

Die Alliierten haben eine neue Welle ihrer Luftangriffe auf die libysche Armee geflogen, Gaddafi verschärft seinen Kampf um die Rebellenhochburg Misurata. Wie schon in Tripolis setze er dort menschliche Schutzschilde ein, sagen seine Gegner.

AP

Tripolis/Misurata - Seit Wochen ist Misurata umkämpft, doch am Montag wurde die Lage in der Stadt im Westen Libyens noch dramatischer: Anhänger der Rebellen berichteten, dass Regierungstruppen Bewohner aus umliegenden Dörfern in den 200 Kilometer von Tripolis entfernt liegenden Ort bringen. Sie sollten den Truppen des Diktators Muammar al-Gaddafi offenbar als Schutzschilde gegen neuerliche Luftangriffe der "Operation Odyssey Dawn" dienen.

Der Augenzeuge behauptete zudem, in der Stadt würden sich als Zivilisten verkleidete Regierungssoldaten aufhalten, die bewaffnet seien. Misurata ist demnach von Truppen Gaddafis umzingelt. Die Versorgung mit Trinkwasser sei abgeschnitten. Allein am Sonntag seien bei Kämpfen mit den Gaddafi-Truppen mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Die Angaben des Rebellen konnten noch nicht von einer unabhängigen Quelle bestätigt werden.

Britische Truppen hatten in der Nacht zu Montag einen geplanten Angriff in Libyen wegen einer möglichen Gefährdung von Zivilisten abgebrochen. "Tornado"-Jets hätten einen libyschen Luftabwehrstützpunkt angreifen wollen, die Aktion sei dann aber gestoppt worden, weil Informationen vorgelegen hätten, dass Zivilisten anwesend gewesen seien, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Die Entscheidung zeige die "Verpflichtung des Vereinigten Königreichs, die Zivilbevölkerung zu schützen", hieß es. Das libysche Regime wirft der westlichen Streitmacht vor, bei ihren Angriffen keine Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen.

Um die Flugverbotszone durchzusetzen, starteten die Alliierten am Montag die zweite Welle ihrer Luftangriffe. Ab Montag will das Bündnis die Nachschublinien der Truppen des Gaddafi unterbrechen.

Am Sonntagabend hatten die Kampfflieger auch ein zur Residenz von Gaddafi gehörendes Gebäude in Tripolis angegriffen. Es wurde weitgehend zerstört. Der Stützpunkt im Stadtteil Bab al-Asisija wurde offenbar als Ziel gewählt, weil dort Kasernen und Luftabwehrbatterien sein sollen.

"Angriff auf Gaddafi nicht ausgeschlossen"

Gaddafi selbst sei nicht Ziel der Angriffe der Alliierten, stellte das Pentagon klar. "Er steht nicht auf der Zielliste", sagte Admiral Gortney. Auch US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärte, ein gezielter Militärangriff auf Gaddafi sei unklug. Es sei wichtig, sich an das Mandat des Uno-Sicherheitsrates zu halten, das den Schutz von Zivilisten vor Angriffen der Regierungstruppen vorsehe. "Wenn wir anfangen, zusätzliche Ziele hinzuzufügen, wird das Probleme geben."

Der britische Außenminister William Hague äußerte sich dagegen anders. Er schloss einen direkten Angriff auf den libyschen Staatschefs nicht aus. "Ich werde nicht über die Ziele spekulieren ... Das hängt von den Umständen zu bestimmten Zeitpunkten ab", sagte Hague am Montag in einem Interview des Senders BBC. Er werde keine Details bekanntgeben, wer oder was Ziel der Angriffe sei.

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagte, ein Angriff auf Gaddafi sei "eventuell eine Möglichkeit". Es hänge davon ab, ob Zivilisten dabei außer Gefahr bleiben könnten, sagte Fox im Gespräch mit der BBC.

Hague äußerte sich mit Blick auf den von Libyen zum zweiten Mal angekündigte Waffenruhe skeptisch. Gaddafi werde "nach seinen Handlungen, nicht seinen Worten" bewertet. "Wir werden beobachten, ob sie eine Waffenruhe einhalten und tatsächlich mit den Kämpfen aufhören - wir werden das über den ganzen Tag beobachten."

als/dpa/AFP/Reuters

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Seite 1
realistano 18.03.2011
1.
Zitat von sysopFlugverbotszone, Luftangriffe und andere "erforderliche Maßnahmen" zum Schutz von Zivilisten: Der Uno-Sicherheitsrat hat massive militärische Aktionen gegen Libyen beschlossen. Eine richtige Entscheidung?
Wenn das das Leben von unschuldige Menschen rettet und die zivile Bevölkerung vor grausame Massakrierung schützt,dann ausdrücklich Ja!
berther 18.03.2011
2.
Zitat von sysopFlugverbotszone, Luftangriffe und andere "erforderliche Maßnahmen" zum Schutz von Zivilisten: Der Uno-Sicherheitsrat hat massive militärische Aktionen gegen Libyen beschlossen. Eine richtige Entscheidung?
Genau betrachtet ist das bereits eine Kriegshandlung. Die Frage ist : Wie soll das durchgesetzt werden ? Geht auch nur mit Waffengewalt. Darin steckt wiederum der Zündfunke für eine weiteren Krieg , am Ende mit allen möglichen empörten islamischen Staaten. Viel Spaß.
anathema 18.03.2011
3. "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!"
Zitat von sysopFlugverbotszone, Luftangriffe und andere "erforderliche Maßnahmen" zum Schutz von Zivilisten: Der Uno-Sicherheitsrat hat massive militärische Aktionen gegen Libyen beschlossen. Eine richtige Entscheidung?
So wie der UNO-Sicherheitsrat es sieht und beschlossen hat, scheint er Handlungsbedarf – nach langem Abwarten - für dringend geboten zu sehen. Dabei muss er sich bewusst gewesen sein, dass er schwerwiegend in die inneren Angelegenheiten eines de facto souveränen Staates eingreift. Ein mögliches Resultat könnte am Ende aber auch sein, dass durch die beschlossenen Maßnahmen der Bürgerkrieg sich in die Länge ziehen könnte mit einer entsprechend größeren Zahl an Opfern. Denn beendet wird dieser Bürgerkrieg durch diesen UN-Beschluss auf keinen Fall. Eine Alternative wäre vielleicht gewesen, wenn er die Evakuierung der in Bedrängnis geratenen Aufständischen beschlossen und ihnen Asyl weltweit gewährt hätte! Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! (= Was auch immer du tust, handle umsichtig und schaue auf das Ende!)
realistano 18.03.2011
4.
Zitat von anathemaSo wie der UNO-Sicherheitsrat es sieht und beschlossen hat, scheint er Handlungsbedarf – nach langem Abwarten - für dringend geboten zu sehen. Dabei muss er sich bewusst gewesen sein, dass er schwerwiegend in die inneren Angelegenheiten eines de facto souveränen Staates eingreift. Ein mögliches Resultat könnte am Ende aber auch sein, dass durch die beschlossenen Maßnahmen der Bürgerkrieg sich in die Länge ziehen könnte mit einer entsprechend größeren Zahl an Opfern. Denn beendet wird dieser Bürgerkrieg durch diesen UN-Beschluss auf keinen Fall. Eine Alternative wäre vielleicht gewesen, wenn er die Evakuierung der in Bedrängnis geratenen Aufständischen beschlossen und ihnen Asyl weltweit gewährt hätte! Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! (= Was auch immer du tust, handle umsichtig und schaue auf das Ende!)
Hätten die Deiner Meinung nach die Bengasianer evakuieren und nach Deutschland transportieren lassen , mit Sicherheit sind die Deutschen dagegen, oder die Bengasianer ans Messer von Tyrann Gaddafi liefern und auf die Souveranität Lybiens achten sollten , ich begrüße die Enschdeidung der UN Resolution, auf jeden Fall die bessere Lösung.
durchfluss 18.03.2011
5. Na also...
Krieg gestoppt ohne dass ein Flugzeug abheben musste. Peinlich für Westerwelle.
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