Luftangriffe im Jemen Kampfjets bombardieren Ortschaft im Süden

Im Jemen ist kein Ende der Gewalt abzusehen: Kampfjets haben nach Angaben von Augenzeugen eine Ortschaft im Süden beschossen. Das Dorf wird von Aufständischen besetzt. Hunderte Menschen wurden verletzt, als Präsident Salihs Truppen wahllos in eine Menge von Demonstranten feuerten.

Sicherheitskräfte gehen gegen Regierungsgegner vor: Der Jemen versinkt im Chaos
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Sicherheitskräfte gehen gegen Regierungsgegner vor: Der Jemen versinkt im Chaos


Sanaa - Der Jemen versinkt immer tiefer im Chaos: In der Stadt Sindschibar setzt die Armee jetzt Kampfflugzeuge gegen mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerkes al-Qaida ein. Das meldete der Nachrichtensender al-Arabija.

Nach Angaben von Augenzeugen ließ die Regierung die von Aufständischen gehaltene Ortschaft Sindschibar aus der Luft beschießen. Bewohner erklärten, sie hätten am Südrand des Ortes Kampfjets in der Luft gesehen und laute Explosionen gehört. Soldaten hatten bis in den Morgen versucht, die Aufständischen aus Sindschibar zu vertreiben. Mindestens vier Kämpfer kamen ums Leben, wie ein Krankenhausmitarbeiter erklärte.

Im südjemenitischen Tais schossen Sicherheitskräfte unterdessen auf Demonstranten. Nach Angaben von Augenzeugen stürmten sie am Montag ein Camp von Regierungsgegnern, mindestens 20 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Einheiten der Republikanischen Garde von Präsident Ali Abdullah Salih hätten wahllos in die Menge gefeuert, sagte der Leiter eines Feldlazaretts in Tais, Sadek al-Schugaa, der nach eigenen Angaben den Überfall beobachtete.

Die Soldaten seien vor Morgengrauen mit Panzern auf den zentralen Platz vorgerückt, auf dem die Demonstranten ihre Zelte errichtet hatten, erklärte al-Schugaa. Tais ist ein Zentrum der seit Anfang Februar andauernden Proteste gegen Salih.

Internationale Helfer verschleppt

Die Polizei war mit scharfer Munition, Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vorgegangen, die für eine Freilassung inhaftierter Regierungsgegner auf die Straße gegangen waren. Die Volksaufstände gegen die Regierung im Jemen halten seit Wochen an.

Kritiker werfen Präsident Salih vor, mit der Tatenlosigkeit der Regierung die Ängste des Westens vor einer Machtübernahme von Extremisten schüren zu wollen, die der Staatschef für den Fall seines Abgangs prophezeit hatte.

Die Proteste gegen Präsident Salih hatten vor vier Monaten begonnen. Seither sind durch die Auseinandersetzung zwischen den Regierungstruppen und den meist jungen Demonstranten nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 300 Menschen getötet worden.

Der Konflikt erhielt vor einer Woche eine neue Dimension, als die Armee das Feuer auf die Residenz eines Stammesführers der Haschid in der Hauptstadt Sanaa eröffnete. Seither wird in dem Bezirk rund um das Haus von Scheich Sadik al-Ahmar geschossen. Am Wochenende waren drei französische Mitglieder einer Hilfsorganisation in der Provinz Hadhramaut verschleppt worden.

Reuters/dapd/AFP



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