Luftangriffe Nato-Rakete traf Bus: 23 Tote

Die Rakete soll beim Einschlag an einer Brücke bei Pristina einen Bus getroffen haben. Das jedenfalls meldet die amtliche jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug. Die Nato weiß davon offiziell noch nichts - sie habe ihre Angriffe auf Kommunikationseinrichtungen geflogen, hieß es in Brüssel.


Belgrad/Brüssel - Die Nato-Rakete, so Tanjug, habe am Samstag nachmittag den Bus im Kosovo direkt getroffen. Dabei seien mindestens 23 Insassen ums Leben gekommen. Die Rakete schlug der Agentur zufolge an der Brücke in Luzani, 20 Kilometer nördlich von Pristina, ein.

Eine Hälfte des Busses sei dann von der beschädigten Brücke abgestürzt. Im kurz darauf erfolgten zweiten Angriff sei ein herbeieilendes Ambulanzfahrzeug getroffen und einer der Ärzte verletzt worden.

Dazu sagte der für militärische Informationen zuständige deutsche Oberst Konrad Freytag in Brüssel, dem Bündnis lägen keine Hinweise vor. Es gebe dagegen Berichte, nach denen im Süden des Kosovo serbische Polizeieinheiten weiter Häuser zerstörten. Bei Kämpfen mit der Untergrundarmee UCK im Südwesten gebe es starke Verluste auf beiden Seiten.

Die Nato setzt ihre bisher schwersten Luftangriffe mit der systematischen Zerstörung des Kommunikationsnetzes der jugoslawischen Armee fort. Ziel ist es nach Angaben von Nato-Sprechern, die Funkkontakte der serbischen Sicherheitskräfte mit ihren Zentralen in Belgrad abzuschneiden und den Nachschub mit Treibstoff, Ersatzteilen und Lebensmitteln zu unterbinden.

Eine jugoslawische Flugabwehr-Rakete über Belgrad scheint ihr Ziel zu treffen.
DPA

Eine jugoslawische Flugabwehr-Rakete über Belgrad scheint ihr Ziel zu treffen.

In der der Nacht zum Samstag seien insgesamt 600 Einsätze von Nato-Flugzeugen geflogen worden, sagte der für Informationspolitik bei der Nato zuständige Direktor, Peter Daniel. Alle Maschinen seien sicher zurückgekehrt.

Diesmal seien Radio- und Relaisstationen an sieben verschiedenen Standorten angegriffen worden. Auch seien neben sieben Brücken wieder Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Geschützstellungen und Kommandoeinrichtungen Ziele der Flugzeuge gewesen und unter Feuer genommen.

Dennoch, so Daniel, gebe es auch weiterhin keine detaillierten Pläne für einen Kampfeinsatz von Bodentruppen im Kosovo.



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