Luftangriffe Nato zerstört Munitionsdepots von Gaddafi

Die Waffen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi dezimieren sich: Nato-Jets zerstörten Munitionsdepots und Panzer des Regimes. Spaniens Ex-Premier Aznar kritisierte die Angriffe - und nannte den Despoten einen "extravaganten Freund".

Französischer Kampfjet der Nato-Truppen: 1146 Einsätze seit Beginn der Mission
AFP

Französischer Kampfjet der Nato-Truppen: 1146 Einsätze seit Beginn der Mission


Brüssel - Die Zahlen lagen leicht unter denen des Vortags: 144 Einsätze sind Nato-Flugzeuge am Samstag in Libyen geflogen, 42 davon waren Bombardements. Das teilte die Militärallianz am Sonntag in Brüssel mit. Bei den Angriffen hätten die Flugzeuge zwei Munitionsdepots nahe der Hauptstadt Tripolis zerstört. Auch in der Nähe der Städte Al-Sintan, Misurata und Sirte seien Panzer und Depots vernichtet worden. Seit Beginn der Nato-Mission am 31. März hat das Bündnis nach eigenen Angaben 1146 Kampfeinsätze geflogen.

Die von Aufständischen gehaltene Stadt Adschadabija wurde durch Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi beschossen. Nachdem die Rebellen am Samstag über Adschdabija hinaus bis in die Vororte der westlich gelegenen Ölstadt Brega vorgedrungen waren, mussten sie offenbar den Rückzug antreten.

Auch aus Misurata wurden am Wochenende heftige Gefechte gemeldet. Menschenrechtler und Kämpfer der Rebellen berichteten, bei den Angriffen seien erneut international geächtete Streubomben zum Einsatz gekommen. Die libysche Regierung wies die Vorwürfe zurück. Das Land habe diese Waffen nicht in seinem Arsenal, "und kein einziger Libyer ist daran ausgebildet worden", sagte der libysche Generalmajor Saleh Abdullah Ibrahim.

Rebellenkämpfer im Osten zählten bei Kämpfen zwischen Brega und Adschdabija allein am Samstag mindestens sieben Tote und 27 Verletzte. In Bengasi forderte ein Sprecher des Übergangsrats der Rebellen, man dürfe angesichts der Lage in Misurata nicht mehr zögern. "Wir sehen keinerlei Schutz der Zivilbevölkerung", sagte ein Arzt in Misurata. "Nato-Luftangriffe sind nicht genug, und der Beweis ist, dass täglich Zivilpersonen getötet werden."

Die Nato teilte mit, dass zusätzliche Präzisionswaffen benötigt würden, um zivile Opfer zu vermeiden. Der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet wies jedoch Äußerungen eines Nato-Vertreters zurück, wonach die Allianz nicht über genügend Kampfjets verfügt. "Es gibt keinen Mangel an Flugzeugen, sondern ein Manko bei der Identifikation mobiler Kampfziele", sagte Longuet in einem Interview mit der Tageszeitung "Le Parisien". Die Koalition sei aber in der Lage jegliche logistische Versorgung der Truppen Gaddafis zum Osten hin zu brechen.

Aznar kritisiert Luftangriffe

Für Verwunderung sorgte der frühere spanische Ministerpräsident José María Aznar. Der konservative Politiker kritisierte laut Medienberichten vor Studenten in New York die Luftangriffe der Nato. Gaddafi habe den Kampf des Westens gegen den Terror unterstützt. Die USA und andere westliche Staaten würden nun den libyschen Rebellen helfen, obwohl sie nicht wüssten, wer sich dahinter verberge. Aznar sagte außerdem: "Gaddafi ist ein extravaganter Freund, aber er ist ein Freund."

Aznar hatte bei einem Libyenbesuch vor acht Jahren von Gaddafi ein Rassepferd geschenkt bekommen. Die konservative Volkspartei (PP) hüllte sich zu den Äußerungen ihres früheren Parteichefs in Schweigen. Sie hatte die Beteiligung Spaniens an der militärischen Intervention in Libyen im Parlament gebilligt. Aznars Nachfolger José Luis Rodríguez Zapatero sagte: "Ein Ex-Regierungschef darf nicht die Entscheidungen des Parlaments infrage stellen. Ansonsten ist mir egal, wer Aznars Freund ist."

dab/dapd/dpa

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Seite 1
Antaris, 17.04.2011
1. Nato führt einen Angriffskrieg.
Unglaublich, wie jedes Vorgehen der Nato im Spiegel 'bejubelt' wird. Wer die Wahrheit kennen will, muss sich leider an anderen Stellen informieren. http://haraldpflueger.com/de/blog/libyen/22888-nato-setzt-uran-waffen-gegen-zivilisten-ein.html
tob93 17.04.2011
2. Richtiger Schritt
Da tut sich ja mal was bei der Nato und dieser Angriff ist sogar genau richtig. Anstatt einen Kollateralschaden an unschuldigen Zivilisten in Kauf zu nehmen, zerstört man die Waffen. Die Regime Verteidiger können sich ja dann mit Stöckchen und Steinen wehren, wenn sie unbedingt immer noch Kriegstreiberei betreiben möchten.
G-Kid 17.04.2011
3. Pressefreiheit
Zitat von AntarisUnglaublich, wie jedes Vorgehen der Nato im Spiegel 'bejubelt' wird. Wer die Wahrheit kennen will, muss sich leider an anderen Stellen informieren. http://haraldpflueger.com/de/blog/libyen/22888-nato-setzt-uran-waffen-gegen-zivilisten-ein.html
Alles klar, wenn jemand mal die Wahrheit sagt, wird der Link blockert. Es stimmt schlimm mit unserer Pressefreiheit!
schwarzer Schmetterling, 17.04.2011
4. Sorry - SPON
Zitat von sysopDie*Waffen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi dezimieren sich: Nato-Jets zerstörten Munitionsdepots und Panzer des Regimes. Spaniens Ex-Premier Aznar kritisierte die Angriffe - und nannte den Despoten einen "extravaganten Freund". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757591,00.html
aber ihr seid eigentlich KEINE Kriegsberichterstatter. In der Tgesschau jubelte eben ein deutscher Reporter, dass die Rebellen endlich schwere Waffen bekommen haben. Wäre in klarer Bruch der UN-Resolution, der da bejubelt wird. Allerdings verständlich - schliesslich gehen unseren Luftjägern ja gerade die Pfeile aus.
recardo, 17.04.2011
5. .
Befremdlich fand ich den Aznar schon immer, der hatte schliesslich jahrelang für das spanische Wirtschaftsmodel gestanden, das am Ende in ihre Krise führte; aber das schlägt nun wirklich das Fass den Boden aus: der ist mit Gaddafi befreundet, als ehemals demokratisch gewählter Politiker einen Diktator seinen Freund zu nennen zeigt wohl nur, dass der Herr Aznar selbst nicht so sehr an eine demokratische Regierungsform glaubt; denn die vertritt man überall und immer und ganz besonders als gewählter Politiker.
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