Luftkrieg in Libyen General Maggie ruft zum Kampf

Sie hat 4000 Flugstunden absolviert, lenkte die Präsidentenmaschine "Air Force One" und servierte an Thanksgiving Truthahn auf dem Stützpunkt Ramstein: Margaret Woodward kommandiert die US-Kampfjets über Libyen - die erste Frau, die einen Luftkrieg koordiniert.

USAF

Hamburg - Ihr Herz hüpft vor Freude, wenn sie ein Tankflugzeug sieht. "So wie Autofans einen 57er Chevrolet anschmachten", schwärme sie eben für Militärflieger, sagte Margaret Woodward in einem Interview. Mit 23 Jahren trat sie in die US-Luftwaffe ein. Heute ist sie 51 und kommandiert die amerikanischen Kampfjets für den Libyen-Einsatz. Seit Beginn der Operation "Odyssey Dawn" am 19. März ist Woodward verantwortlich für alle Luftangriffe der USA über dem nordafrikanischen Land.

Im Gegensatz zu den anderen Top-Kommandeuren des Luftkriegs gibt es nicht mal einen Wikipedia-Eintrag über Woodward, das letzte längere Zeitungsinterview liegt Jahre zurück. Welche Rolle spielt die Amerikanerin in der Militäroperation gegen Muammar al-Gaddafi?

Die Angriffe der USA, die gemeinsam mit einem Dutzend Staaten den Luftraum über Libyen sichern und den Diktator zum Rückzug zwingen sollen, werden von Stuttgart aus geleitet: dem Hauptsitz von Africom, dem Afrika-Kommando des Pentagons. Oberster Chef des Regionalkommandos ist US-General Carter Ham. Ihm unterstellt ist der Chef der US-Marine in Europa und Afrika, Admiral Samuel J. Locklear, der von der "USS Mount Whitney" im Mittelmeer aus vor Libyen operiert.

Generalmajor Woodward ist die Dritte im Bunde gegen Gaddafis Truppen - als Befehlshaberin der US-Luftwaffe Afrika (die 17. Luftflotte der US Air Force), die ebenfalls Africom unterstellt ist. Auf dem Stützpunkt Ramstein koordiniert sie die militärischen Ziele für amerikanische Luftschläge, schickt Tarnkappenbomber und Kampfjets nach Libyen, um Stellungen der Gaddafi-Truppen attackieren zu lassen.

Truthahn in Ramstein

Vor ein paar Tagen stattete sie der "Mount Whitney" einen Besuch ab. Auf den offiziellen Fotos des militärischen Spitzentreffens ist sie die einzige Frau. Sie lacht ein breites All-American-Smile - wie auf den meisten von ihr bekannten Bildern. Eines zeigt sie auf Facebook beim Thanksgiving-Dinner in Ramstein, mit Schürze, den Soldaten Truthahn servierend. Auf einem anderen eskortiert sie mit wehendem Haar und in Uniform George W. Bush zur "Air Force One". Mehrere Jahre kommandierte sie die Piloten der Präsidentenmaschine.

Ein Luftwaffen-Oberst erzählte einem Newsportal in Arizona: "Das ist absolut echt, das ist Maggie Woodward - sie sieht das Leben positiv." Ihr Leben, das sind Kampfeinsätze. Dass sie von Anfang an in Kriegen dabei sein wollte, machte Woodward in einem anderen Zeitungsinterview klar. Sie habe "darunter gelitten", dass Frauen in den Achtzigern, als sie sich für die Air Force verpflichtete, noch nicht für Kriegskommandos zugelassen waren. "Glücklicherweise wurde die Regelung abgeschafft."

"Maggie" steht sogar auf dem Namensschild einiger der Militäruniformen ihrer Army-Laufbahn: Woodward studierte am National War College und bildete Kampfpiloten aus. Sie flog Tankflugzeuge bei der US-Invasion in Panama 1989 und im Balkankrieg, befehligte Tankflieger-Einheiten im Irak und in Afghanistan. Mittlerweile hat sie mehr als 3800 Flugstunden gesammelt.

Ihr Libyen-Job sei "ein Versehen", schreibt ein Analyst

Ihr militärischer Schwerpunkt liegt, liest man ihre Vita, in der Organisation von Logistik und im "Refuelling" von Kriegsfliegern, also der Treibstoffversorgung von Kampfjets in der Luft. Der amerikanische Militär-Analyst Tom Ricks warf in seinem Blog die Frage auf, ob Woodward überhaupt geeignet sei für den Libyen-Job und deutete an, die neue Aufgabe sei ihr "versehentlich" übertragen worden.

Schließlich habe das 2007 eingerichtete Africom bislang vor allem humanitäre Hilfe auf dem Kontinent koordiniert, etwa den Abwurf von Hilfsgütern über Uganda. Ein Kriegseinsatz sei bei Woodwards Amtsantritt im Sommer 2010 längst nicht absehbar gewesen. In der Tat soll Africom laut Satzung afrikanische Regierungen bei Einsätzen und bei der Ausbildung von Soldaten unterstützen, und im Bereich der Entwicklungshilfe die Zusammenarbeit mit anderen US-Einrichtungen verbessern.

Ein Mitarbeiter von Woodward aus der Zeit, als sie noch als Protokollchefin im US-Verteidigungsministerium arbeitete, wies derlei Vermutungen in der "Bloomberg Businessweek" zurück: "Sie ist die Richtige, sie ist smart und hat viel Erfahrung." Zudem bringe sie etwas mit, das auf Kommando-Ebene selten sei: "Sie kann sich gut auf Menschen einstellen."

Zu ihrer Amtseinführung in Ramstein sagte Woodward: "Ich glaube, dass wir mit unserer Präsenz in Afrika verhindern können, dass Probleme zu Krisen werden, Krisen zu einem Konflikt führen." Dass die Luftschläge in dem jetzt stattfindenden Konflikt möglichst reibungslos ablaufen und schnell erfolgreich sind, ist nicht nur im Interesse der Aufständischen, sondern würde auch den Haushalt der US-Regierung schonen: Allein der über Rebellengebiet zerschellte F-15-Jet, dessen Piloten sich per Schleudersitz retten konnten, kostete dem Pentagon zufolge 60 Millionen Dollar.

Der Einsatz eines B-2-Bombers schlägt mit etwa 10.000 Dollar pro Stunde zu Buche, rechnete das Ministerium vor. Der gesamte Einsatz zur Sicherung des libyschen Luftraums verschlang bislang mehr als 600 Millionen Dollar - allein in der ersten Woche.

insgesamt 106 Beiträge
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outdoor 30.03.2011
1. Jubeln
Und sollen wir jetzt jubeln, weil eine Frau das Bombardieren leitet? Verstehe die Intention des Artikels nicht.
christoph. 30.03.2011
2. Menschliches Antlitz
Da kriegt der Krieg doch irgendwie ein menschliches Antlitz. Ich als Bombardierter würde mich in meinem letzten Augenblick, bevor das Uran-Geschoss einschlägt, freuen, dass der Angriff von einer so netten Frau befohlen wurde.
asimo 30.03.2011
3. und, macht das den Krieg anders?
Zitat von sysopSie hat 4000 Flugstunden absolviert, lenkte die Präsidentenmaschine "Air Force One" und servierte*an Thanksgiving Truthahn auf dem Stützpunkt Ramstein:*Margaret Woodward*kommandiert die US-Kampfjets über Libyen - die erste Frau, die einen Luftkrieg koordiniert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753849,00.html
Und, macht das den Krieg anders? Krieg bleibt Krieg.
imation, 30.03.2011
4. Quote?
Hat sie den Posten wegen ihren Leistungen oder einer Quote bekommen?
Baracke Osama, 30.03.2011
5. --
Zitat von sysopSie hat 4000 Flugstunden absolviert, lenkte die Präsidentenmaschine "Air Force One" und servierte*an Thanksgiving Truthahn auf dem Stützpunkt Ramstein:*Margaret Woodward*kommandiert die US-Kampfjets über Libyen - die erste Frau, die einen Luftkrieg koordiniert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753849,00.html
Emanzipation setzt sich auch auf dem Schlachtfeld durch. Stolz wird diese Frau ihren Enkelkindern von ihren Heldentaten erzählen, wie sie unschuldigen Nationen Elend und Verderben gebracht haben.
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