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Syrien-Konflikt: Israel in Alarmbereitschaft

Foto: Uriel Sinai/ Getty Images

Nach Luftschlägen in Syrien Israel wappnet sich für Gegenangriffe

Israel ist nach den Luftangriffen auf Syrien in Alarmbereitschaft. Die Regierung in Jerusalem bereitet sich auf Reaktionen vor und hat die Armee zu Wachsamkeit aufgerufen. Besonders diplomatische Vertretungen im Ausland könnten bedroht sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tel Aviv - Die Angst vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Syrien wächst. Israel bereitet sich nach den Luftangriffen auf das Nachbarland auf mögliche Reaktionen vor.

Die Armee-Einheiten entlang der Grenze seien zu größter Wachsamkeit aufgerufen, meldete der israelische Rundfunk am Montag. Der Luftraum im Norden Israels ist bis Donnerstag für zivile Flugzeuge gesperrt. Zwei Batterien des Luftabwehrsystems "Iron Dome" (zu Deutsch: Eisenkuppel) wurden im nördlichen Landesteil in Position gebracht.

Israelische Kampfjets hatten in der Nacht zu Sonntag nach Medienberichten ein militärisches Entwicklungszentrum nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Israel hat dies allerdings bislang nicht offiziell bestätigt. Syrien hatte den Angriff als israelische Kriegserklärung bezeichnet und mit Vergeltung gedroht.

Nach Informationen der "New York Times" sind bei dem Angriff Dutzende syrische Elitesoldaten getötet worden, die nahe dem Präsidentenpalast stationiert waren. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, die der Opposition nahesteht, berichtete von mindestens 42 Toten. Zudem sei das Schicksal von 100 weiteren Soldaten bislang ungeklärt. Für die Angaben gab es aus Syrien zunächst keine offizielle Bestätigung.

Israelische Militärs rechnen dem Rundfunk zufolge allerdings nicht mit einem syrischen Gegenangriff, weil das Regime von Baschar al-Assad zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt sei. Dennoch stelle die Armee sich auf eine mögliche Reaktion der libanesischen Hisbollah und sogar Irans ein.

Geheime Botschaft an Assad?

Der Angriff galt nach Medienberichten einer Lieferung iranischer Raketen des Typs Fateh-110 an die mit Israel verfeindete Hisbollah. Teheran dementierte am Montag, dass das angegriffene Waffenarsenal aus Iran stamme. "Das ist reine Propaganda und psychologischer Krieg, denn Syrien braucht keine militärische Unterstützung aus Iran und kann sich eigenständig verteidigen", sagte der Vizekommandeur der iranischen Streitkräfte, Massud Dschsajeri.

Israel habe im Bemühen um eine Beruhigung der Lage eine "geheime Botschaft" an Assad übermittelt, berichtet die israelische Zeitung "Jediot Achronot " am Montag. Die Regierung in Jerusalem habe demnach keine Absicht, sich in den Bürgerkrieg in Syrien einzumischen.

Die regierungsnahe Zeitung "Israel Hajom " meldet zudem, in den kommenden Tagen rechne man nicht mit neuen israelischen Angriffen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu halte sich in China auf und die Erfahrung lehre, "dass man keinen Krieg beginnt, wenn der Regierungschef abwesend ist". Gegenwärtig befürchte man vor allem mögliche Anschläge auf israelische Vertretungen im Ausland.

Das syrische Fernsehen berichtete am Montag, Damaskus habe es palästinensischen Gruppierungen erlaubt, Israel von den Golanhöhen aus anzugreifen. Israel hatte das Gebiet 1967 während des Sechstagekriegs erobert. Die Grenze wurde von der syrischen Armee streng überwacht und galt in Israel bislang als relativ sicher.

EU und Russland mahnen zur Zurückhaltung

Die Europäische Union ist besorgt über die Lage in Syrien - vermeidet jedoch eine Verurteilung Israels. "Wir sehen mit großer Sorge die jüngsten Ereignisse in und um Syrien herum, die die Region in einen zunehmend gewaltsamen und sich ausweitenden Konflikt zu ziehen drohen", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. "Wir fordern alle Beteiligten auf, nichts zu tun, was die ohnehin schon sehr fragile Lage in der Region verschärfen könnte."

Auch Moskau warnt: "Das weitere Schüren von militärischen Konfrontationen erhöht das Risiko neuer Spannungsherde dramatisch; nicht nur in Syrien, sondern auch im Libanon", hieß es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums.

US-Präsident Barack Obama bringen die israelischen Luftangriffe in Bedrängnis. Die Republikaner und eigene Berater fordern ihn zu Taten auf. Der republikanische Senator John McCain etwa forderte ihn zu "durchschlagendem Handeln" gegen Syrien auf - will heißen: einen Militärschlag. Doch Obama zögert.

kgp/dpa