Luftschlag in Syrien Trump verprellt seine treuesten Anhänger

In der Syrienkrise kann sich Donald Trump als Macher präsentieren, beeindruckt sogar den politischen Gegner. Seine engsten Anhänger jedoch fühlen sich betrogen - eine Gefahr für den Präsidenten.
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

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Der US-Luftangriff auf eine syrische Militärbasis bringt eine völlig neue Erfahrung für Donald Trump mit sich. Zum ersten Mal erlebt der Präsident auf der offiziellen Ebene eine breite, parteiübergreifende Zustimmung für eine seiner Amtshandlungen.

Führende Republikaner und Demokraten loben den Raketenangriff auf einen Stützpunkt der Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Trumps Entscheidung sei ein "richtiger Schritt", eine "angemessene Reaktion" auf die Nervengiftattacke auf Zivilisten in Chan Scheichin. Auch wenn viele Demokraten zerknirscht eine Zustimmung des Kongresses für mögliche weitere Luftschläge einfordern: in der Sache überwiegt das Wohlwollen.

Der Luftschlag mit 59 Tomahawk-Marschflugkörpern in der Nacht zum Freitag hat geschafft, was Trump in den ersten Chaoswochen seiner Präsidentschaft nicht gelungen ist. Kurzzeitig kann er Blamagen um den gescheiterten Einreisebann für Muslime oder die geplatzte Gesundheitsreform kaschieren.

Für den Augenblick bestimmen ausnahmsweise mal nicht Rücktritte aus seinem Team oder Vetternwirtschaft-Vorwürfe die Schlagzeilen - sondern Trumps Performance als Oberbefehlshaber der US-Armee steht im Mittelpunkt.

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Gleichzeitig hat sich Trump in eine riesige Glaubwürdigkeitsfalle manövriert, die vor allem außerhalb der professionellen Politikblase, im harten Kern seiner Anhängerschaft, Spuren hinterlässt. Trump-Fans wenden sich ab, reagieren empört auf Trumps radikalen Kurswechsel, werfen ihm Wortbruch vor.

Denn bis zu dem Angriff von Chan Scheichin, bei dem ganze Familien ausgelöscht wurden, galt Trump als Gegner einer militärischen Intervention in Syrien.

"Don't attack Syria", brüllte Trump jahrelang in jedes Mikrofon. "Wir müssen uns aus Syrien raushalten, und aus allen anderen Ländern, die uns hassen", twitterte Trump 2013, oder er warnte vor einer "globalen Hölle", die nach einem Syrieneinsatz drohe.

Trumps Leitspruch im Wahlkampf, "America First", propagierte auch eine Abkehr der USA von ihrer Rolle als militärische Schutz- und Eingriffsmacht. Der Luftschlag in Syrien bricht nun mit diesem zentralen Motiv.

Fans fühlen sich getäuscht

Ein Teil von Trumps treuesten Anhängern, die im Wahlkampf aggressiv für ihn trommelten, fühlt sich deshalb getäuscht. Websites und Kommentatoren, die sonst stets als Parolenlautsprecher zur Seite standen, verurteilten den Luftschlag scharf.

"Mr. President, mutieren Sie nicht zu Bush III", schreibt die konservative Seite Daily Caller. "Radieren ein paar Bilder unschuldiger Toter wirklich alle Logik aus, die Sie im Wahlkampf an den Tag gelegt haben?"

Paul Joseph Watson, Autor für die ultrarechte Verschwörungstheorie-Seite Infowars, twitterte: "Ich bin offiziell RAUS aus dem Trump-Zug." Die rechtskonservative Publizistin und bisherige Trump-Unterstützerin Ann Coulter zeigte sich fassungslos, warf Trump eine Abkehr seiner Prinzipien vor.

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"Ich möchte mein Geld zurück, du bescheuerter Idiot"

Auf dem rechtspopulistischen Portal Breitbart kommentieren Zehntausende, darunter viele, die mit Trump brechen wollen. "Trump schuldet uns eine Erklärung. Das ist nicht, wofür ich ihn gewählt habe", schreibt einer, "90 Prozent von uns haben ihn nicht deshalb gewählt", antwortet ein anderer Nutzer, und an Trump gerichtet: "Ich möchte mein Geld zurück, du bescheuerter Idiot."

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump seine Anhänger verprellt. Erste Ernüchterungstendenzen waren bereits zu beobachten, nachdem Details seiner Gesundheitsreform bekannt wurden. Das Gesetz sollte Bürger mit niedrigen Einkommen benachteiligen - jene Gruppe, in der Trump bei der US-Wahl besonders gepunktet hatte.

Der Luftschlag in Syrien ist jedoch um ein Vielfaches greifbarer als komplizierte Paragrafen. Er könnte nachhaltig an der Substanz der verbliebenen Trump-Euphorie kratzen.

Im Augenblick muss Trump keine Wahl gewinnen, der Widerstand hat also erst mal keine direkte Konsequenz für ihn. Doch egal kann ihm die Empörung auch nicht sein, schließlich verhalf ihm auch die Mobilisierungskraft aus dem Netz zum Einzug ins Weiße Haus.

Dort ist sein Kurswechsel in der Syrienfrage nun dauerhaft dokumentiert.

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