Lynchmord des Luftfahrtministers Karzai vermutet Verschwörung auf höchster Ebene

Offenbar waren in den Mord des afghanischen Luftfahrtministers auch einige Regierungsmitglieder verwickelt. Regierungschef Hamid Karzai macht eine Verschwörung für die Bluttat verantwortlich.


Abdul Rahman wurde von wütenden Pilgern getötet
DPA

Abdul Rahman wurde von wütenden Pilgern getötet

Kabul - "Er wurde von Leuten getötet, die das geplant hatten", sagte Karzai über den erschlagenen Abdul Rahman. Karzai kündigte an, die Verantwortlichen verhaften zu lassen.

Hinter der Tat vermutet die Regierung zwei Generale und drei Angehörige von Geheimdienst und Justizministerium. Bei einem General, Abdullah Jan Tawhidi, handelt es sich um den Geheimdienstminister, der andere, Kalandar Beg, ist stellvertretender Verteidigungsminister.

Drei der fünf Verdächtigen haben nach Angaben des Informationsministeriums Afghanistan zusammen mit einer Gruppe Pilger Richtung Saudi-Arabien verlassen. Um wen genau es sich dabei handelte, wurde zunächst nicht gesagt.

Karzai forderte Saudi-Arabien auf, dorthin gereiste Verdächtige festzunehmen und auszuliefern. Der Regierungschef deutete an, Hintergrund des Angriffs auf den Minister sei möglicherweise eine blutige Fehde aus der Zeit des Kampfs gegen die Taliban. Alle fünf Verdächtigen gehörten einer Gruppe der Nordallianz an, mit denen Rahman gebrochen habe.

Zunächst hatte es geheißen, Minister Rahman sei von muslimischen Pilgern angegriffen worden, die über Verzögerungen beim Abflug nach Mekka verärgert waren. Hunderte Pilger, die schon seit dem Vormittag auf ihr Visum für Saudi-Arabien und den Abflug nach Mekka gewartet hatten, hätten aus Verärgerung die Maschine des Ministers gestürmt.

Als dieser ausstieg, um die Menge zu beruhigen, sei er angegriffen und tödlich verletzt worden. In anderen Berichten hieß es, die Menge habe das Flugzeug gestürmt, Rahman angegriffen und seinen Leichnam auf das Rollfeld geworfen. Der 49-jährige Arzt Rahman lebte während der Herrschaft der Taliban im indischen Exil. Der Tod Rahmans löste auch neue Diskussionen über die Rolle der internationalen Truppe aus. Ein Kontingent britischer und französischer Soldaten hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls rund 500 Meter entfernt auf dem militärischen Teil des Flughafens auf, griff aber nicht ein. Die Soldaten bekamen offenbar nicht mit, dass die Lage außer Kontrolle geraten war. Ein Sprecher der Truppe sagte, es sei alles so schnell gegangen. Er verwies außerdem darauf, dass der zivile Teil des Flughafens unter der Aufsicht der afghanischen Behörden stehe.



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