SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. Dezember 2012, 15:49 Uhr

Krise im Kongo

Rebellen verlassen Millionenstadt Goma

Zwölf Tage hielten sie die Stadt besetzt, nun haben die kongolesischen Rebellen Goma wieder verlassen: Die Gruppe M23 sei komplett abgezogen, sagte ein Sprecher des staatlichen Militärs.

Goma - Die kongolesischen Rebellen der Bewegung M23 haben sich aus der besetzten Großstadt Goma zurückgezogen. Etwa 200 Kämpfer verließen die Hauptstadt der Ostprovinz Nord Kivu. "Wie Sie sehen können, ziehen wir ab", sagte M23-Sprecher Amani Kabasha. Wenig später bestätigte ein hochrangiger Militär der Nachrichtenagentur AP, die Rebellen seien komplett abgezogen.

Die kongolesische Regierung hatte Tausende Soldaten etwa 50 Kilometer vor Goma zusammengezogen, um die Rückeroberung der Stadt vorzubereiten. Die M23 hatte die Stadt am 20. November eingenommen und anschließend mit einem Marsch auf die Hauptstadt Kinshasa gedroht.

Die Einwohner Gomas zeigten sich erleichtert. "Wir sind glücklich, sie gehen zu sehen", sagte Soloman Kabiona beim Anblick der mit Soldaten, Waffen und Munition abfahrenden Lastwagen. "Wir haben sehr unter diesen Soldaten gelitten. Sie haben alles geplündert - Motorräder, Geschäfte. Ich bin glücklich, die (Kongolesische Armee) FARDC zurückkehren zu sehen, aber wir sind besorgt, dass die M23 wiederkommen wird", fügte er hinzu.

Die Rebellen hatten auch die 30 Kilometer westlich von Goma gelegene Stadt Sake besetzt, diese aber schon wieder verlassen. Anfang der Woche hatte ein Anführer der M23-Rebellen noch gesagt, sie würden sich nur aus Goma zurückziehen, wenn die Regierung Gefangene freilasse. Kongos Armeeführung erklärte sich aber nicht zu weiteren Verhandlungen bereit.

Die M23 war in diesem Jahr von früheren Rebellen gegründet worden, die hauptsächlich zur Volksgruppe der Tutsi gehören. Es heißt, sie werde von dem abtrünnigen General Bosco Ntaganda angeführt, den der Internationale Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen sucht.

Die Rebellen waren 2009 in die Armee integriert worden, hatten sich aber losgesagt, weil die Regierung in Kinshasa Versprechungen nicht eingehalten habe. Kongos Regierung und die Vereinten Nationen haben den Nachbarländern Uganda und Ruanda wiederholt vorgeworfen, die Rebellen zu unterstützen, was beide Länder zurückweisen. Die Regionalmächte befürchten, dass der Konflikt im Kongo auch auf angrenzende Staaten übergreifen könnte.

hut/dpa/AP/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung