Machtdemonstration in Iran Ahmadinedschad führt neue Nukleartechnik vor

Allen Warnungen zum Trotz treibt Iran sein Atomprogramm voran: Präsident Ahmadinedschad feiert die neuesten Errungenschaften seiner Nukleartechnik. Gleich zwei Projekte weihte er jetzt persönlich ein.


Teheran - Es war eine Machtdemonstration: Gleich zwei neue Atomprojekte hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach Meldungen iranischer Medien an diesem Mittwoch eingeweiht. In einer Live-Übertragung des staatlichen Fernsehens sagte er, sein Land verfüge nun über eine neue, vierte Generation von Zentrifugen, mit denen Uran dreimal schneller als bisher angereichert werden könne. Der Sender strahlte dazu Bilder aus, die Ahmadinedschad dabei zeigen, wie er angeblich erstmals in Iran hergestellte Brennstäbe in einen medizinischen Forschungsreaktor in Teheran einsetzt.

"Die Ära der schikanierenden Nationen ist vorbei", sagte der Präsidenten bei der zentralen Feierstunde am Sitz der iranischen Atomorganisation in Teheran, "die arroganten Mächte dürfen kein Monopol auf die Nukleartechnologie haben." Die Versuche, sein Land durch Sanktionen und Resolutionen von der Technologie auszuschließen, seien gescheitert.

Das Atomprogramm werde der "Drohungen des Westens" ungeachtet fortgesetzt: "Der Westen will uns gegenüber seinen Willen durchsetzen und erwartet von uns, dass wir blind unterzeichnen, was er will, aber das wird niemals geschehen."

Dreimal so schnell wie ältere Modelle

Per Videoübertragung schaltete Ahmadinedschad zudem eine Anlage zur Urananreicherung in Natans frei, wie der Sender Irib berichtete. Dort soll Uran auf 20 Prozent angereichert werden, neuartige Zentrifugen sollen künftig dreimal so schnell wie ältere Modelle arbeiten. Ahmadinedschad sagte, die Zahl der Zentrifugen in Natans sei von 6000 auf 9000 erhöht worden.

Ziel dieser "nuklearen Errungenschaften" sei die zivile Nutzung, betonte der Präsident. Iran arbeite nicht an einem geheimen Waffenprogramm. Der Westen wirft Teheran genau dies vor. Die EU hat das Embargo beschlossen, um Iran im Streit über das Atomprogramm des Landes zum Einlenken zu zwingen. Es soll am 1. Juli in Kraft treten.

"Beunruhigende" Signale

Zu einer weiteren Atomanlage in Fordo rund 160 Kilometer südlich von Teheran machte Ahmadinedschad allerdings keine Angaben. Viele hatten erwartet, dass er auch die Eröffnung dieser unterirdischen Anlage verkünden werde. Fordo war lange geheim gehalten worden und sollte in diesem Februar den Betrieb aufnehmen. Dort soll ebenfalls Uran bis auf 20 Prozent angereichert werden. Das reicht nicht zum Bau von Atomwaffen aus.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte Teheran zum sofortigen Stopp der Uran-Anreicherung und zu einer engen Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auf. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow sprach von "beunruhigenden" Signalen. Zwar gebe es weiter keine eindeutigen Beweise dafür, dass Teheran Atomwaffen bauen wolle, sagte Rjabkow. Iran komme den technischen Möglichkeiten dafür aber immer näher.

Brief nach Brüssel

Gleichzeitig berichtete der iranische Sender al-Alam, Teheran habe der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in einem Brief mitgeteilt, "zu neuen Gesprächen über das Atomprogramm in einer konstruktiven Weise bereit zu sein". Eine Sprecherin Ashtons bestätigte den Erhalt des Schreibens. Es werde nun geprüft und mit den USA, Russland, China und anderen Staaten beraten. Die Gespräche waren im vergangenen Jahr erfolglos abgebrochen worden.

Am Mittwoch hatte es Verwirrung wegen eines angeblichen Lieferstopps von Öl aus Iran nach Europa gegeben: Zunächst meldete der staatliche englischsprachige Sender Press TV, dass Teheran die Lieferungen an sechs europäische Staaten eingestellt habe. Dann folgte wenig später prompt das Dementi des Ölministeriums in Teheran. Vielmehr seien Diplomaten der betroffenen Länder einbestellt und darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Iran problemlos neue Abnehmer für sein Öl finden könnte, zitierte das staatliche Fernsehen den Sprecher der Außenministeriums.

heb/dpa/Reuters/dapd

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Seite 1
brinom 15.02.2012
1. alles legal
Zitat von sysopDPAAllen Warnungen zum Trotz treibt Iran sein Atomprogramm voran: Präsident Ahmadinedschad feiert die neuesten Errungenschaften seiner Nukleartechnik. Gleich zwei Projekte weihte er jetzt persönlich ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815564,00.html
Neue Zentrifugen, und Brennstäbe.....was nun? Was ist daran illegal?
LuiW 15.02.2012
2. Ach wäre das schön,
Zitat von brinomNeue Zentrifugen, und Brennstäbe.....was nun? Was ist daran illegal?
wenn wir hierzulande auch genauso konsequent und mit genau so viel Zuspruch die Atomtechnologie ausbauen könnten, um die Abhängigkeit vom Öl, vom unbeständigen Wind und der spröden Sonne zu verringern und um lauter friedliche neue AKWs zu bauen, ganz legal, ohne Hintergedanken selbstverständlich, und in voller Kooperation mit der internationalen Atombehörde. Komisch nur, dass bei uns dieser politische Willen auf strikteste Ablehnung stösst, während er beim Iran mit herzlichem Wohlwollen begrüßt wird. Muss wohl an der überlegenen Kultur dort liegen und an der anti-amerikanischen Haltung des iranischen Präsidenten, so ähnlich wie damals in der Sowjetunion. Da waren die AKWs ja auch nur für friedliche Zwecke gedacht und tausendmal sicherer als die im Westen, weil in der Hand der richtigen Leute.
Schelm mit Helm 15.02.2012
3.
Zitat von LuiWwenn wir hierzulande auch genauso konsequent und mit genau so viel Zuspruch die Atomtechnologie ausbauen könnten, um die Abhängigkeit vom Öl, vom unbeständigen Wind und der spröden Sonne zu verringern und um lauter friedliche neue AKWs zu bauen, ganz legal, ohne Hintergedanken selbstverständlich, und in voller Kooperation mit der internationalen Atombehörde. Komisch nur, dass bei uns dieser politische Willen auf strikteste Ablehnung stösst, während er beim Iran mit herzlichem Wohlwollen begrüßt wird. Muss wohl an der überlegenen Kultur dort liegen und an der anti-amerikanischen Haltung des iranischen Präsidenten, so ähnlich wie damals in der Sowjetunion. Da waren die AKWs ja auch nur für friedliche Zwecke gedacht und tausendmal sicherer als die im Westen, weil in der Hand der richtigen Leute.
Der momentane Lebenstil unserer Zivilisation (Öl-abhängigkeit in allen Bereichen des alltäglichen Lebens vom Hygieneartikel bis zum Autolack) hat uns in eine Situation gebracht bei der auch Atomkraft keine Abhilfe bringt und eine schwierige unaufhaltsame Zukunft mit sich bringt. Atomkraft ersetzt kein Öl! Überlegen sie sich mal wieviel Öl notwendig ist ein AKW zu bauen (vom Diesel-LKW über die Kunstoff-Amaturen bis zum Anstrich) Es rechnet sich nicht! Das einzige von dem es genug gibt um es in Energie umzuwandeln ist Sonne und Wind....das wars! Aufwachen!
celsius234 16.02.2012
4. WEST Atoim gut, OST Atom böse
Zitat von sysopDPAAllen Warnungen zum Trotz treibt Iran sein Atomprogramm voran: Präsident Ahmadinedschad feiert die neuesten Errungenschaften seiner Nukleartechnik. Gleich zwei Projekte weihte er jetzt persönlich ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815564,00.html
der kalte Krieg feiert mit Iran (übrigens 2 mal Freundesland der USA, nie Freundesland der UdSSR) fröhliche Urständ. Israel soll ja wohl, bisher nie wiedersprochen, Atomwaffen zu hauf besitzen. Ich habe nich nie gehört, dass das ein Embargo wert war. Ehrlich, es ist mir sch....egal ob ich durch eine Bombe aus Israel oder Iran, oder UdSSR oder USA (übrigens die einzigen, die das jemals getan haben, in Japan war es wohl, aer wen interessiert das bei SPON) zu Tode komme. Embargo für alle wäre ok. Ach so, Indien, Pakistan, China, France (upps EU), GB (upps fast EU) vergessen. Mal ehrlich, das Demokratie, wir sind GUT Getue, kotzt mich an.
frank.w 16.02.2012
5. Eigentlich schade...
Zitat von sysopDPAAllen Warnungen zum Trotz treibt Iran sein Atomprogramm voran: Präsident Ahmadinedschad feiert die neuesten Errungenschaften seiner Nukleartechnik. Gleich zwei Projekte weihte er jetzt persönlich ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815564,00.html
Das ständig solche Artikel, dreimal umgeschrieben, neu diskutiert werden dürfen... Man bei solchen Artikeln "Israel dreht Palästinensern den Solarstrom ab" Westjordanland: Israeldreht Palästinensern denSolarstrom ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814884,00.html) aber bedauerlicherweise KEIN Forum findet... ..sehr schade... Denn ALLES hat halt immer ZWEI Seiten.... ...und gut und böse ist gerade in überhitzten Situationen dann mehr eine Frage des aktuellen Standpunktes und der Emotion, als wirklich rational/neutral begründbar....
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