Machterhalt einer Dynastie Caroline Kennedy will Hillary Clintons Nachfolgerin im Senat werden

Sie ist die Tochter von JFK - jetzt will Caroline Kennedy selbst Karriere in der US-Politik machen: Laut "New York Times" bewirbt sich die 51-Jährige um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie vom Gouverneur des Staates ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten.


Washington - Es ist ein großer Name - und ein hohes Ziel. Caroline Kennedy will Nachfolgerin von Hillary Clinton als Senatorin des US-Bundesstaats New York werden. Die "New York Times" berichtet, dass die Tochter des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy (mehr auf SPIEGEL WISSEN...) nun den Gouverneur von New York, David Paterson, über ihre Pläne informieren will. Er hat über die Besetzung des Postens zu entscheiden.

Caroline Kennedy ist das letzte noch lebende Kind von JFK. Man hat sie in Erinnerung als kleines Mädchen, das mit ihrem Pony ausritt - Neil Diamond soll sie zu seinem großen Hit "Sweet Caroline" inspiriert haben. Und Caroline war jenes Mädchen, das am Sarg des Vaters kniete und weinte.

Nun also will sie das Vermächtnis des Vaters fortsetzen.

Auch andere Demokraten hätten Interesse an dem Senatorenposten signalisiert, berichtet die "New York Times" - darunter der Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo, ein Sohn des früheren Gouverneurs Mario Cuomo. Aber ob sie gegen die prominente Rivalin eine Chance haben?

Das Mandat ist frei geworden, weil Clinton unter dem künftigen Präsidenten Barack Obama neue US-Außenministerin werden soll. Die Frau von Ex-Präsident Bill Clinton war Obama im Rennen um die Nominierung der Demokraten knapp unterlegen.

Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte über ein mögliches Antreten der JFK-Tochter gegeben. Aus dem demokratischen Lager war dabei bereits ihre Qualifikation angezweifelt worden. Gary Ackerman, Vertreter im US-Abgeordnetenhaus, sagte vergangene Woche, er wisse nicht, welche Eignung Caroline Kennedy habe, "außer ihrer Namensbekanntheit - aber die hat auch Jennifer Lopez". Andere, darunter der parteilose Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg, haben sich dagegen für Kennedy stark gemacht.

Intensive Gespräche mit Freunden und Beratern

Wie die "New York Times" schreibt, waren der Entscheidung von Caroline Kennedy einige intensive Gespräche mit Freunden und politischen Beratern vorausgegangen. Kennedy war zwar im Vorwahlkampf unter den ersten prominenten Unterstützern Obamas gewesen, auch im Präsidentenrennen hatte sie öffentlich für ihn geworben. Doch eigentlich mied die 51-Jährige das Rampenlicht bisher eher. Offenbar hat sich die Demokratin nun entschieden, dies endgültig zu ändern.

Zum ersten Mal hatte Kennedy offenbar am 3. Dezember mit Gouverneur Paterson über die mögliche Clinton-Nachfolge gesprochen, aber das war laut Paterson rein "informell". Seitdem allerdings nahm die Demokratin Kontakt zu wichtigen politischen Figuren in New York auf, darunter Sheldon Silver, Sprecher des Landesparlaments. Außerdem soll sie laut "New York Times" Knickerbocker SKD angeheuert haben, eine prominente politische Beratungsfirma.

Dem Blatt zufolge soll sie für ihre politischen Pläne große Unterstützung aus dem Kennedy-Clan haben. Insbesondere ihr Cousin Robert F. Kennedy Jr. habe ihr zugeraten.

Falls sie ihr Ziel erreicht, würde Caroline im Senat auf ihren Onkel Ted Kennedy treffen. Der Demokrat vertritt dort den US-Bundesstaat Massachusetts. Er hatte sich mit Bill Clinton im Vorwahlkampf überworfen, weil dieser auf Kundgebungen in South Carolina Obamas Hautfarbe thematisiert hatte. Der schwer kranke Ted Kennedy ist einer der einflussreichsten und liberalsten Politiker Washingtons. Er ist der letzte überlebende Bruder der zweiten Generation der Kennedys (mehr auf SPIEGEL WISSEN...).

Caroline würde indirekt Robert F. Kennedy nachfolgen

Zudem würde Caroline Kennedy jenen Senatsposten vertreten, den einst ein weiterer Onkel von ihr, Robert F. Kennedy, innehatte. Dieser Bruder JFKs galt nach dessen Tod als größtes politisches Talent der Familie. Er starb 1968 während des demokratischen Vorwahlkampfes bei einem Attentat in Los Angeles.

Caroline Kennedy wäre, wenn ihr der Einzug in den Senat glückte, die ranghöchste politische Vertreterin der dritten Generation. Sie hatte bisher als Gönnerin in verschiedenen Institutionen und Stiftungen gewirkt. Caroline Kennedy ist unter anderem Vorsitzende der nach ihrem Vater benannten Bibliotheks-Stiftung.

Keine andere Politik-Dynastie hat in den USA den Stellenwert der Kennedys - weder der Bush-Clan noch die Clintons. Vor allem weben sich um keine andere amerikanische Politik-Familie solche Mythen.

Vom Kennedy-Fluch ist oft die Rede, weil tatsächlich viele Mitglieder der Familie auf tragische Weise ums Leben kamen. Entweder sie starben bei Attentaten - wie JFK oder sein Bruder Robert - oder sie ließen bei Unfällen ihr Leben: 1984 starb Robert Kennedys Sohn David in Florida an einer Überdosis Drogen, 1997 verunglückte dessen Bruder Michael beim Skifahren in Aspen tödlich. Und 1999 kamen John F. Kennedy Jr., seine Frau Carolyn und ihre Schwester bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

flo/dpa/AP

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Seite 1
Zwietracht, 15.12.2008
1.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Sie tut mir leid. Wenn schon angeblich seriöse Medien wie der Spiegel sie auf dieses Kaffekränzchenformat reduzieren glauben zu müssen. Statt sich mit ihr als eigenständiger Person auseinanderzusetzen wird sie erst einmal auf den mit der BILD-Zeitung kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ganz toll... In einer Wahl-Demokratie gibt es weder eine Dynastie, noch ein politisches Erbe. Wer sich die Monarchie zurücksehnt sollte Bild der Frau und BUNTE lesen. :-)
kwbgjh2, 15.12.2008
2.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Reif genug mit erst 51? Unmöglich, ich bin 48 und habe 4 Bandscheibenvorfälle und daher weiß ich, daß die Frau ist doch sozusagen nicht mal erwachsen ist. Ich bin dafür das Wählbarkeitsalter zumindest in Deutschland auf 67 zu erhöhen. Geronten an die Macht !!
jassojasso, 15.12.2008
3. Monarchie abgeschafft?
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Ich dachte wenigstens in den Staaten sei die Monarchie abgeschafft. Wechselt sich nun der Bush Clan wieder mit dem Kennedy Clan ab?
Willie, 16.12.2008
4.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Es sieht so aus, als ob beim Spiegel niemand mehr weiss, was der Begriff Dynastie bedeutet. Ist er doch im vorstehenden Zusammenhang voellig fehl am Platze. Nicht nur gibt es in den USA keine politische Dynastiestruktur, noch nicht einmal der Senatorenplatz, um den sie sich bewirbt, ist derzeit von einem Kennedy besetzt.
yahoo 16.12.2008
5. Caroline Kennedy
Die Frage ist nicht kann Sie, sondern soll Sie? Es gibt keine Familie oder Verband die sich so konsequent für liberale Werte in USA so eingesetzt hat. Es ist wohl ein Witz Ihre Motivitation und Orientierung zu hinterfragen.
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