Machtkampf in der Elfenbeinküste Despot Gbagbo irritiert seine Gegner

Verwirrung um die Machtfrage in der Elfenbeinküste: Berichten zufolge soll Laurent Gbagbo kapituliert haben - doch der Despot erhebt weiter öffentlich Anspruch auf das Präsidentenamt. Gbagbo gerät immer stärker in Bedrängnis, hat sich in einem Bunker verschanzt. 

Ex-Machthaber Gbagbo: Bereitschaft zur Kapitulation?
REUTERS

Ex-Machthaber Gbagbo: Bereitschaft zur Kapitulation?


Abidjan - Der ivorische Despot Laurent Gbagbo steht offenbar kurz davor, den Widerstand gegen seinen Machtverlust aufzugeben - doch ob er wirklich bereit ist, abzutreten, darüber herrscht weiter Unklarheit. Nach fast einem halben Jahr blutigen Bürgerkriegs war Gbagbo am Dienstag immer stärker in Bedrängnis geraten: Seine Truppen wurden in der Wirtschaftsmetropole Abidjan eingekesselt, sein Militärchef Philippe Mangou hatte am Nachmittag einen Waffenstillstand verkündet.

Nach französischen Angaben stand Gbagbo am Abend kurz vor dem Aus. "Wir haben ihn fast davon überzeugt, die Macht abzugeben", sagte der französische Außenminister Alain Juppé vor der Nationalversammlung in Paris. Auch die Vereinten Nationen in New York sprachen von einer "raschen Entwicklung".

Berichte, nach denen Gbagbo endgültig kapituliert habe, dementierte ein Uno-Sprecher jedoch ebenso wie ein Mitarbeiter der Uno-Mission Onuci in dem westafrikanischen Land. In einem Telefoninterview mit dem französischen Fernsehen beharrte Gbagbo der Agentur AP zufolge zudem auf seinen Anspruch auf das Präsidentenamt.

Im Bunker verschanzt

Nach Onuci-Informationen hält sich Gbagbo derzeit mit einer Handvoll Getreuen in einem Bunker in seiner Residenz in der seit Tagen umkämpften Hafenstadt Abidjan auf. Seine Männer hielten sich weitgehend an eine Waffenruhe. Anhänger und Einheiten des von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara feierten bereits den Sieg.

"Der Krieg ist vorbei", sagte Alcide Djedje, der in die französische Botschaft geflüchtete Außenminister Gbagbos, dem britischen Rundfunksender BBC. Es werde über einen dauerhaften Waffenstillstand verhandelt. Die Spitzen der Armee, der Polizei und der Präsidentengarde ordneten eine Waffenruhe an. Ein Uno-Sprecher berichtete, die Generäle hätten die Vereinten Nationen telefonisch über die Feuerpause unterrichtet.

Die Soldaten, darunter auch die bisherigen Eliteeinheiten Gbagbos, sollen sich den Uno-Friedenstruppen ergeben und ihnen ihre Waffen übergeben. Zunächst war unklar, ob auch die paramilitärischen Milizen den Kampf einstellen.

Ouattara, Sieger der Wahl im November, wird seit Montagnachmittag auch von Einheiten der Uno und französischen Streitkräften unterstützt, die vor allem zum Schutz der Zivilbevölkerung eingreifen.

Gbagbo hat sich bisher geweigert, nach der Wahl im November die Macht an den Wahlsieger Ouattara abzutreten. Mehr als 1500 Menschen sind seitdem in dem blutigen Konflikt ums Leben gekommen, die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher.

Krankenhäuser arbeitsunfähig

In Abidjan herrschte am Dienstag nach tagelangen heftigen Kämpfen gespenstische Ruhe. Die meisten der fünf Millionen Einwohner blieben zuhause. Reporter aus der Krisenregion zeigten grausige Fotos von Opfern mutmaßlicher Exekutionen.

Die humanitäre Lage in dem westafrikanischen Land wird indes immer schlimmer. In Abidjan könnten die meisten Krankenhäuser nicht mehr arbeiten. Hilfe im übrigen Land sei schwierig, weil viele Regionen unzugänglich seien, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Russland hat aus Protest gegen die Beteiligung von Blauhelmen an den Kämpfen eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates verlangt. Die Uno-Soldaten seien zu Neutralität und Unparteilichkeit verpflichtet, meinte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte Gbagbo auf, den Willen seines Volkes akzeptieren und den Weg für eine friedliche Zukunft des Landes freizumachen

amz/Reuters/AFP/dpa

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blurps11 05.04.2011
1. Und Tschüss.
Zeit wird's. Hoffentlich reicht das den Rebellen auch und sie legen tatsächlich die Waffen nieder. Mit einigen Ausschreitungen gegen Gbagbo-Anhänger muss man vorher aber leider wohl rechnen und selbst im günstigsten Fall wird der Frieden auf Jahre hinaus noch ziemlich brüchig sein. Immerhin ist der Amtsantritt des demokratisch gewählten Präsidenten ein Anfang.
Martin2 05.04.2011
2. Notfalls nochmal wählen
Gbagbo behauptet ja die Wahlen wären gefälscht gewesen. Wenns nicht anders geht müssen halt in einem Jahr oder so nochmal Wahlen stattfinden, damit die Frage endgültig geklärt ist. Dann aber unter internationaler Überwachung. Bis dahin müssen wir helfen das Leiden zu mildern. Hoffentlich geht alles gut.
khem 05.04.2011
3. Sieg Frankreichs
Zitat von sysopDer Machtkampf in der Elfenbeinküste ist offenbar beendet. Der unterlegene Wahlverlierer Gbagbo hat sich dem Druck der Militäroffensive seines Gegners Ouattara gebeugt - nach stundenlangen Verhandlungen mit Frankreich kapitulierte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755292,00.html
Es wäre schön, wenn Der Spiegel neutral über die Geschehnisse in Côte d'Ivore schreiben würde, anstatt die Deutschen zu de-informieren 1_Erstens, Gbagbo ist kein Despot, er wurde in 2000 gewählt, und das nach 40 Jahren Allein-Herrschaft von Houphouët und Nachfolger unter Schutz von Frankreich. Im Westen hatte das niemand gestört. 2_Seit 2002, nach einen misslungenden Putsch von den Rebellen, ist nicht nur das Land zwei geteilt, aber seitdem regierte er mit den Rebellen in den wichtigsten Ministerien (inklusiv das Verteidigungs-Ministerium).... bis 2010 .. So hatte es Frankreich in den Vereinbarungen von Marcoussis gewollt. Ich bin vielleicht blöd , aber ich kenne keinen Despot, der mit seiner Opposition und noch mehr mit seinen tiefsten Feinden regiert.... Frankreich und die UNO haben Gbagbo besiegt, nicht die Rebellen. Jetzt ist wieder ein "Präfekt" Frankreichs Herr in Côte d'Ivoire.
downburst 05.04.2011
4. "Despot" vs. "gewählter Präsident"
Zitat von khemEs wäre schön, wenn Der Spiegel neutral über die Geschehnisse in Côte d'Ivore schreiben würde, anstatt die Deutschen zu de-informieren 1_Erstens, Gbagbo ist kein Despot, er wurde in 2000 gewählt, und das nach 40 Jahren Allein-Herrschaft von Houphouët und Nachfolger unter Schutz von Frankreich. Im Westen hatte das niemand gestört. 2_Seit 2002, nach einen misslungenden Putsch von den Rebellen, ist nicht nur das Land zwei geteilt, aber seitdem regierte er mit den Rebellen in den wichtigsten Ministerien (inklusiv das Verteidigungs-Ministerium).... bis 2010 .. So hatte es Frankreich in den Vereinbarungen von Marcoussis gewollt. Ich bin vielleicht blöd , aber ich kenne keinen Despot, der mit seiner Opposition und noch mehr mit seinen tiefsten Feinden regiert.... Frankreich und die UNO haben Gbagbo besiegt, nicht die Rebellen. Jetzt ist wieder ein "Präfekt" Frankreichs Herr in Côte d'Ivoire.
Danke für diesen hervorragenden Beitrag! Aber so sieht nicht nur bei SPON die Berichterstattung aus: Ein aus manipulierten Wahlen hervorgegangener sowie durch die UNO und Frankreich ins Amt gebombter und in ein Massaker in Déoukoué verwickelter Zeitgenosse wird als "gewählter Präsident", sein Gegenspieler nur noch als "Despot" bezeichnet. Das ist wahrer westlicher Qualitätsjournalismus!
Schroekel 05.04.2011
5. Deutsche Clowns
Zitat von sysopDer Machtkampf in der Elfenbeinküste ist offenbar beendet. Der unterlegene Wahlverlierer Gbagbo hat sich dem Druck der Militäroffensive seines Gegners Ouattara gebeugt - nach stundenlangen Verhandlungen mit Frankreich kapitulierte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755292,00.html
Immer wieder süss, wie der deutschen Aussenminister den Mund weit aufmacht und Forderungen à la 'muss sofort zurücktreten' äussert und sich dann flugs wieder in sein Foxhole zurückzieht. Keiner kann diese Clownsnummer besser.
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