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25. März 2011, 21:36 Uhr

Machtkampf in der Elfenbeinküste

Eine Million Menschen auf der Flucht

Die Situation in der Elfenbeinküste spitzt sich zu: Eine Million Menschen sind wegen des Machtkampfes zwischen Wahlverlierer Laurent Gbagbo und Kontrahent Alassane Ouattara auf der Flucht. Frankreich und Nigeria wollen Gbagbo per Uno-Resolution zur Aufgabe zwingen.

New York/Abidjan - In der Elfenbeinküste eskaliert die Gewalt. Wegen der Kämpfe sind nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR allein aus der Metropole Abidjan fast eine Million Menschen auf der Flucht. Hinzu kämen viele weitere in anderen Regionen des westafrikanischen Staates, teilte die Organisation am Freitag mit.

Damit wurden frühere Schätzungen stark nach oben angehoben. Die Menschen fürchteten sich vor einem Krieg, sagte eine Sprecherin. In Abdidjan leben normalerweise vier Millionen Menschen. Seit der Präsidentenwahl im November 2010 kommt es wieder zu Kämpfen zwischen Anhängern des Amtsinhabers Laurent Gbagbo und seinem Herausforderer Alassane Ouattara, der international als Wahlsieger anerkannt ist.

Als Reaktion auf die eskalierende Gewalt will Frankreich Gbagbo per Uno-Resolution zur Aufgabe zwingen. Zusammen mit Nigeria setzt sich Frankreich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für einen Beschluss ein, der Sanktionen gegen Gbagbo und seinen Führungszirkel vorsieht. Zudem soll die Uno-Friedenstruppe in der Elfenbeinküste damit beauftragt werden, schwere Waffen im Großraum Abidjan zu beschlagnahmen.

Frankreichs Uno-Botschafter Gerard Araud sagte, der Entwurf solle kommende Woche erörtert werden. Offen war zunächst, wann über ihn abgestimmt werden könnte. Araud zeigte sich optimistisch, in dem Gremium eine Mehrheit für den Resolutionsentwurf zu bekommen. Aber es blieb unklar, ob alle 15 Mitglieder zustimmen. Die deutsche Uno-Botschaft begrüßte die Initiative. Der russische Botschafter Witali Tschurkin sagte hingegen auf dem Weg in die Beratungen in sarkastischem Ton zu Journalisten: "Noch ein großer Krieg - das ist genau das, was wir brauchen."

Die Staatschefs der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas hatten zuvor bei ihrem Gipfeltreffen im nigerianischen Abuja ein stärkeres Uno-Engagement in der Elfenbeinküste gefordert. Ein Bündnis von 32 internationalen und afrikanischen Menschenrechtsgruppen rief die internationale Gemeinschaft angesichts des Leidens der Zivilbevölkerung zum Handeln auf.

Der Machtkampf in dem Land hat bisher nach offiziellen Erhebungen 462 Menschen das Leben gekostet. Die Elfenbeinküste ist der wichtigste Kakaoproduzent der Welt und auf die Einnahmen des Wirtschaftszweiges angewiesen. Wegen des Konfliktes wird derzeit kein Kakao exportiert. Dies hat zu einem Preisverfall für heimische Bauern geführt.

ulz/Reuters/dpa

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