Machtkampf in Kuweit Designierter Emir verzichtet auf sein Amt

Nach dem Tod des Emirs von Kuweit spitzt sich der Machtkampf in der Öl-Monarchie zu. Die Regierung plante den Nachfolger des vor einer Woche verstorbenen Monarchen absetzen. Scheich Saad al-Abdullah al-Sabah kam dem zuvor und erklärte in der Nacht überraschend seinen Verzicht.


Kuweit-Stadt - Eine entsprechende Übereinkunft sei in der Herrscherfamilie getroffen worden und solle am Dienstag unterzeichnet werden, sagte der Abgeordnete Nasser al Saneh am Abend der Nachrichtenagentur AP.

Der Nachrichtensender Al-Arabija hatte zuvor berichtet, der neue Emir, Scheich Saad al-Abdullah al-Sabah, wolle den Eid als Herrscher von Kuweit am Montag ablegen, um damit der Regierung zuvorkommen, die vom Parlament die Einberufung einer Sitzung für Dienstag gefordert hatte.

Saad al-Abdullah al-Sabah: Gesundheitlich angeschlagen
REUTERS

Saad al-Abdullah al-Sabah: Gesundheitlich angeschlagen

In dieser Sitzung wollte die Regierung nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna über den schlechten Gesundheitszustand des neuen Emirs sprechen. Damit sollte ein Verfahren zur Absetzung des über 75-jährigen Emirs eingeleitet werden.

"Das Kabinett ist zu dem Ergebnis gekommen, dass seine Exzellenz, Emir Scheich Saad al-Abdullah al-Salam al-Sabah, gesundheitlich nicht mehr im Stande ist, seine verfassungsgemäßen Pflichten wahrzunehmen", erklärte die Regierung unter Ministerpräsident Scheich Sabah al-Ahmed al-Sabah. Der Scheich ist seit einer Darmoperation 1997 gesundheitlich angeschlagen.

Zwei Zweige des Herrscherhauses kämpfen um die Macht in Kuweit. Der Ministerpräsident gehört, wie auch der vor mehr als einer Woche verstorbene Scheich Dschabir al-Ahmed al-Sabah zum Dschabir-Zweig der Familie. Scheich Saad ist dagegen Angehöriger der Salem-Linie. Dschabir und Salem waren Söhne von Emir Scheich Mubarak, der das Land von 1896 bis 1915 regiert hatte. Beide Söhne wurden später nacheinander zum Emir ernannt. Seither wechseln sich Vertreter beider Familienzweige an der Spitze des Staates ab.

Der verstorbene Emir war ein Verbündeter der USA. Er hatte den Vereinigten Staaten erlaubt, von seinem Land aus den Angriff auf Irak zum Sturz von Saddam Hussein vorzubereiten. 1990 war er vor der Invasion irakischer Truppen entkommen. Aber auch schon vor dem Golfkrieg 1991 zur Befreiung Kuweits galt er als enger Freund der USA.



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