Machtkampf in Pakistan Staatschef Zardari kämpft gegen böse Gerüchte

Er ist zurück im Land - aber auch zurück an der Macht? Pakistans Präsident  Zardari war fast zwei Wochen lang abgetaucht, angeblich, um sich in Dubai behandeln zu lassen. In seiner Heimat mutmaßte man, er sei in Wahrheit vor dem Militär geflohen. Jetzt ist er wieder da, die Gerüchte bleiben.

Zurückgekehrter Zardari: Fast zwei Wochen diskutierte die Nation über sein Verschwinden
AP/ Pakistan President's Office

Zurückgekehrter Zardari: Fast zwei Wochen diskutierte die Nation über sein Verschwinden

Von , Islamabad


Es ist nach Mitternacht, als die weiße Maschine auf dem Militärflugplatz der südpakistanischen Hafenstadt Karatschi landet. "Pakistan Air Force" steht da in schwarzen Lettern, ein paar Politiker warten schon ungeduldig. Fast zwei Wochen lang war Asif Ali Zardari weg, war die Atommacht Pakistan ohne Präsident. Fast zwei Wochen lang diskutierten die Menschen in Pakistan, ob er zurücktreten und ob wieder einmal das Militär die Macht übernehmen werde.

Mit der Landung, hoffen die Vertreter der pakistanischen Volkspartei PPP, sind diese Spekulationen beendet. Er kehre gegen den Willen seiner Ärzte zurück, hat Zardari vor seinem Abflug in Dubai gesagt. "Obwohl mir die Ärzte geraten haben, mich weiter auszuruhen, kann ich mit Blick auf meine Verantwortung als Staatschef keine Kompromisse eingehen", zitiert ihn die pakistanische Nachrichtenagentur Online. Er sei enttäuscht über die Gerüchte, die sich auf die "Stabilität und auf die Wirtschaft des Landes" auswirkten.

Aus dem Umfeld Zardaris war zu hören, dass die engsten Mitarbeiter ihn gedrängt hätten, schon jetzt - und damit früher als geplant - nach Pakistan zurückzukehren. Damit solle er dem Eindruck entgegentreten, er sei vor dem Militär geflohen. Während Zardaris Abwesenheit hatte sein 23-jähriger Sohn Bilawal Zardari Bhutto die Parteigeschäfte übernommen.

Laut Zardaris Ärzten ist der Präsident fit

Hinweise auf seine Rückkehr hat es schon am Sonntagabend gegeben, als die Polizei auf dem Weg vom Militärflugplatz bis zu Zardaris Residenz in Karatschi im Stadtteil Clifton Posten bezog und teilweise Straßen sperren ließ. Aus Parteikreisen verlautete, der Präsident werde sich in den kommenden Tagen zu Hause ausruhen. Begleitet wurde Zardari auf seiner Rückreise von seinen Ärzten sowie von seiner Tochter Asifa.

Seine Ärzte erklärten, der Präsident sei fit. Er sei in der Lage, seine Amtsgeschäfte sofort wieder aufzunehmen. Allerdings solle er es "langsam angehen" und "möglichst wenig Leute empfangen". Dem Vernehmen nach will Zardari erstmals am 27. Dezember öffentlich auftreten, dem Todestag seiner Frau Benazir Bhutto, die 2007 ermordet worden war.

Was der Anlass der medizinischen Behandlung in Dubai gewesen war, sagten die Mediziner nicht. Vertraute des Präsidenten hatten in den vergangenen Tagen widersprüchliche Angaben gemacht. Mal hieß es, Zardari habe einen Herzinfarkt erlitten, dann wieder war von einem Schlaganfall die Rede. "Wir wissen, dass der Präsident wieder im Lande ist", sagt ein PPP-Abgeordneter, der namentlich nicht genannt werden will. "Aber wir wissen noch lange nicht, was das für die Zukunft unseres Landes bedeutet." Am Montag hielten sich immer noch hartnäckig Gerüchte, Zardari werde sich nicht mehr lange im Amt halten können.

Tiefer Graben zwischen ziviler Regierung und Militär

Der Präsident steht seit Oktober unter Druck, weil ein geheimes Memorandum an die US-Regierung öffentlich geworden war. Nach der Tötung Osama Bin Ladens im Mai soll Pakistan die militärische Führung der USA um Hilfe gebeten haben, Zardari vor den eigenen Streitkräften zu schützen, einen Putsch zu verhindern und die Macht der pakistanischen Generäle zu beschneiden. Der Vorfall zeigt den tiefen Graben zwischen ziviler Regierung und Militär. Wer das Memo geschrieben hat, ob es tatsächlich Zardari in Auftrag gegeben hat, soll eine Untersuchung des Obersten Gerichtshofs zeigen, die heute beginnt.

In Folge dieser Affäre kamen Gerüchte auf, das Militär dränge Zardari aus dem Amt. Zardaris plötzliches Verschwinden aus Pakistan und die wenig konkreten Angaben über die Gründe seiner Reise nach Dubai befeuerten die Spekulationen. Die Regierung bemüht sich seither, den Eindruck zu vermitteln, es gebe keinerlei Differenzen mit der mächtigen Armeeführung. Premierminister Yousuf Raza Gilani ließ Fotos von einem Treffen mit Armeechef General Ashfaq Parvez Kayani verbreiten. Kayani, erklärte Gilani, habe außerdem mit Zardari telefoniert, es gebe keinerlei Streit.

Zudem befinden sich die US-pakistanischen Beziehungen in einer schweren Krise. Infolge eines Nato-Angriffs auf zwei pakistanische Grenzposten will das Land seine Partnerschaft mit den USA im Anti-Terror-Krieg überdenken. Washington wirft Pakistan umgekehrt vor, nicht energisch genug gegen Terroristen vorzugehen.



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.