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Präsidenten: Brief aus Usbekistan

Foto: ILMARS ZNOTINS/ AFP

Machtkampf in Usbekistan Zickenkrieg der Diktatorentöchter

Usbekistans greiser Despot Islam Karimow muss sich um seine Nachfolge sorgen. Tochter Gulnara galt lange als Kandidatin. Doch gegen sie werden Korruptionsvorwürfe laut - und jetzt bezichtigt sie Schwester Lola der Hexerei.
Von Marcus Bensmann

Fast ein Vierteljahrhundert schon herrscht Islam Karimow in Usbekistan. 1989 - sein Land war da noch Teil der Sowjetunion - stieg er in dem zentralasiatischen Staat zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei auf. Ein Jahr später wurde er bereits Präsident des Obersten Sowjets, 1991 erklärte er sein Land dann für unabhängig von Moskau. Demokratisch ist Usbekistan aber nie geworden: Karimow lässt Wahlen manipulieren und Gegner brutal unterdrücken. Im Jahr 2005 zum Beispiel schossen seine Truppen in Andischan im Osten des Landes eine Demonstration zusammen. Mindestens 500 Menschen sollen gestorben sein, die genauen Zahlen kennt niemand.

Nach Uno-Erkenntnissen wird in Karimows Kerkern noch immer "systematisch gefoltert". Tausende Kinder werden Jahr für Jahr zur Zwangsarbeit auf die riesigen Baumwollfelder geschickt . Baumwolle ist das drittwichtigste Exportgut des Landes.

Brutalität und Ausbeutung stehen im Kontrast zum Glamour, mit dem sich das Regime umgibt. Dafür stehen vor allem Karimows Töchter. Gulnara, 41, Modedesignerin und Gelegenheitssängerin, ist die ältere, weltgewandtere der beiden. Zusammen mit dem Schauspieler Gérard Depardieu hat Gulnara einen Musikclip aufgenommen, die Schnulze heißt "Excuse-moi".

"Poetin, Mezzosopran, Designerin und exotische Schönheit", so stellt sich Gulnara auf ihrer eigenen Webseite vor. Weniger schmeichelhaft ist die Charakterisierung amerikanischer Diplomaten. Als "Räuber-Baronin" taucht die Präsidententochter in den von WikiLeaks veröffentlichten US-Botschaftsdepeschen auf.

Gulnara Karimowas Stern sinkt

Gulnara Karimowa hat ihr Land als Botschafterin vertreten, in Spanien und bei den Vereinten Nationen in Genf. Weil sie dort diplomatische Erfahrungen sammeln konnte und in der Heimat nicht Wahlen über politische Karrieren entscheiden, sondern die Gunst von Vater Islam Karimow, galt Gulnara bald auch als mögliche Kandidatin auf seine Nachfolge. Karimow senior ist 75 Jahre alt und seine Gesundheit angegriffen. Immer wieder spekulieren Medien über Herzattacken des Diktators, so auch in diesem Jahr.

Gulnara Karimowas Stern aber sinkt, und großen Anteil daran hat ausgerechnet ihre eigene Schwester. Lola Karimowa-Tilljajewa, 35, hatte sich anders als ihre ältere Schwester bislang selten geäußert, zieht aber seit Mitte dieses Jahres öffentlich gegen Gulnara zu Felde. Den Zickenkrieg eröffnete sie mit einem Interview mit der BBC. "Wir sprechen seit zwölf Jahren nicht mehr miteinander", ätzte Lola. "Uns verbinden weder freundschaftliche noch verwandtschaftliche Beziehungen." Im Übrigen seien die Chancen der verhassten Schwester auf das Präsidentenamt "nicht sehr hoch".

Gulnara schlägt nun im Internet zurück. Unter ihrem Künstlernamen "Googoosha" warnt sie via Instagram, Lola sei der Schwarzen Magie verfallen: "Der eine Teil der Familie (der Vater) sorgt sich, der andere zerstört mit Hilfe von Hexenmeistern". Gemeint war Lola. Auf ihr Geheiß sei sogar der islamische Segensspruch von einem Waisenhaus entfernt worden.

Korruptionsaffären kratzen am Image der Karimow-Tochter

Der Westen registriert den Machtkampf in Usbekistan mit Sorge. Trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen in dem Land haben Europa und die USA Karimow immer wieder umworben: Durch das Land an der Grenze zu Nordafghanistan führt die für den Rückzug wichtige Nordversorgungsroute der internationalen Truppen. Die Bundeswehr unterhält im südusbekischen Termes für den Afghanistan-Einsatz eine Transportbasis. Im Gegenzug überweist Berlin jährlich 16 Millionen Euro Miete an die Regierung in Taschkent.

Korruptionsaffären haben das Image der weltgewandten Karimow-Tochter Gulnara auch im Westen angekratzt. Während sie Charity-Veranstaltungen organisierte, soll sie gleichzeitig massiv von zwielichtigen Geschäften profitiert haben. Dafür steht unter anderem der Fall Zeromax. Milliardendeals mit Gas, Öl und Baumwolle wurden demnach über die Firma mit Sitz im Schweizer Ort Zug abgewickelt. Gulnara Karimowa dementiert, mit Zeromax in Verbindung gestanden zu haben.

Zeromax ging 2010 bankrott. Zuvor hatte die Firma allerdings noch in Taschkent eine Kongresshalle mit Tausenden Quadratmetern Marmor und edlen Natursteinen gebaut. Baukosten: geschätzt eine Milliarde Dollar. Bauaufträge bekamen auch 22 deutsche Mittelständler, allerdings warten die bis heute auf die Begleichung von Rechnungen in Höhe von 62 Millionen Euro. Der Prachtbau in Taschkent aber ist seither regelmäßig Schauplatz von Gulnaras Modeschauen.

In Moskau steht Gulnara im Verdacht, hinter dem Rauswurf des russischen Mobilfunkriesen MTS aus Usbekistan zu stecken. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion war dem Konzern im Sommer 2012 die usbekische Lizenz entzogen worden. Später deckten Reporter auf, dass die schwedische TeliaSonera-Gruppe über 300 Millionen Dollar an eine Frau in Gulnaras Umfeld überwiesen haben soll. Gulnara bestreitet jeden Vorwurf. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ließ zudem bei einer Genfer Privatbank um die 600 Millionen Franken von einer usbekischen Tochtergesellschaft der russischen MTS wegen Geldwäscheverdacht einfrieren.

Im Juli dann wurde bekannt, dass auch in Frankreich die Finanzpolizei Ermittlungen gegen eine mit Karimowa verbundene Firma eingeleitet hat - es geht um den Kauf eines 30-Millionen-Euro-Apartments in Paris und ebenfalls den Verdacht auf Geldwäsche.

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