Machtwechsel in Kirgisien Gestürzter Bakijew nach Kasachstan ausgeflogen

Der gestürzte Präsident Bakijew hat Kirgisien verlassen. Ein Militärflugzeug brachte den 60-Jährigen ins Nachbarland Kasachstan. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa preist den Schritt als entscheidend für die Stabilisierung der Lage.

Gestürzter Präsident Bakijew: Nach Kasachstan aufgeflogen
dpa

Gestürzter Präsident Bakijew: Nach Kasachstan aufgeflogen


Bischkek/Moskau - Der gestürzte kirgisische Präsident Kurmanbek Bakijew ist gut eine Woche nach dem blutigen Volksaufstand in das Nachbarland Kasachstan ausgeflogen worden. Das meldete die kirgisische Agentur Akipress am Donnerstag in Bischkek. Demnach bestieg der 60-Jährige am Abend ein kleines Militärflugzeug in Dschalalabad. Er landete wenig später zunächst in der kasachischen Stadt Taras, um dann weiter in die Hauptstadt Astana zu fliegen, wie russische Nachrichtenagenturen meldeten.

Das autoritär regierte Kasachstan hat derzeit als erste Ex-Sowjetrepublik überhaupt den Vorsitz bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inne. Kasachstan ist ein Nachbarland von Kirgisien und liegt ebenfalls in Zentralasien. Die OSZE bestätigte Bakijews Abreise aus Kirgisien.

Zuvor hatte US-Vizeaußenminister Robert Blake in Bischkek gesagt, dass mit dem OSZE-Vorsitzenden das Schicksal Bakijews besprochen worden sei. Nähere Angaben machte er aber nicht.

Bakijew hatte bei einem Auftritt vor Anhängern im Süden des Landes in Dschalalabad nur mitgeteilt, dass der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew ihn "eingeladen" habe. Am Vormittag hatte es bereits erste Gerüchte gegeben, dass Bakijew nun doch ins Exil gehen würde. In den vergangenen Tagen hatte der Staatschef gegen Sicherheitsgarantien seinen Rücktritt angeboten. Erst mit dem offiziellen Amtsverzicht Bakijews ist der Machtwechsel in Kirgisien vollzogen.

Wenige Stunden zuvor waren bei einer Kundgebung mit Bakijew Schüsse gefallen. Augenzeugen zufolge wurden die Schüsse von Leibwächtern Bakijews in die Luft abgegeben. Möglicherweise waren sie besorgt, weil sich eine Gruppe von Gegnern des abgesetzten Präsidenten näherte, die von einer anderen Demonstration kam. Verletzt wurde offenbar niemand.

Zu der Kundgebung in der südkirgisischen Stadt Osch kamen etwa 5000 Menschen. Bakijew wurde nach dem Zwischenfall rasch zu einem Auto gebracht und weggefahren. Zwei Stunden später traf er in Begleitung von zweien seiner Brüder in seinem Heimatdorf Tejit ein. Der Präsident war am Mittwoch vergangener Woche entmachtet worden. Nach der Erstürmung der Regierungsgebäude in der Hauptstadt Bischkek durch Anhänger der Opposition war er in seine Heimat im Süden Kirgisiens geflohen, wo er weiterhin breite Unterstützung der Bevölkerung genießt. Bei den Unruhen kamen mindestens 83 Menschen ums Leben. Die Übergangsregierung will den gestürzten Präsidenten nach den blutigen Unruhen vor Gericht bringen.

ffr/dpa/apn/AFP

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